
Geschichte
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In einer eiskalten Nacht in den Siebzigerjahren wusste Åke Nordin, der Gründer von Fjällräven, noch nicht, dass er im Begriff war, die legendäre Expedition Down Jacket zu entwickeln. Er wollte nur, dass seine Zähne aufhören, zu klappern ...
Notwendigkeit ist oft die Mutter der Erfindung. Im Winter 1974 befand sich der Gründer von Fjällräven, Åke Nordin, in einem Biwak – oder besser gesagt, in einer Grube im Schnee – auf dem kargen Bergplateau von Abisko, im hohen Norden Schwedens. Dort harrte er in einer unerträglich kalten und windigen Nacht aus.
Bittere Kälte war Åkes größter Feind, wenn er draußen unterwegs war – deshalb wollte er eine Jacke entwickeln, in der er nie wieder frieren würde.
Åke verabscheute die unangenehmen Schafsfelle der Armee, die schnell nass wurden und schwer zu tragen waren. So kam ihm die Idee zu einem leichteren Kleidungsstück, das so komprimiert werden kann, dass es wenig Platz im Rucksack beansprucht und bei fast jeder Temperatur wärmt, wenn man es überzieht.
Zwei Daunenjacken – zusammengenäht zu einer – waren das Ergebnis jener kalten und windigen Nacht 300 km oberhalb des Polarkreises.
Von den Besten zu lernen, ist ein guter Anfang
Im Jahr 1940 patentierte der Amerikaner Eddie Bauer das Muster für die erste Daunenjacke der Welt, nachdem er sich bei einem Angelausflug im US-Bundesstaat Washington eine Lungenentzündung zugezogen hatte. Seine Parkas mit Daunenisolierung waren die bevorzugte Wahl für US-Kampfpiloten im Zweiten Weltkrieg.
Åke hatte immer von Menschen gelernt, die geschickter waren als er selbst.
So machte er sich auf den Weg in die USA, wo sich die Experten für Daunenisolierung befanden. Auf einer Outdoormesse in Chicago lernte er den Kletterer George Lamb kennen, den Gründer von Camp 7 – damals einer der führenden amerikanischen Hersteller von Daunenjacken und Schlafsäcken.
Bevor Lamb sein Unternehmen an ein kalifornisches Unternehmen verkaufte und sich in den Ruhestand zurückzog, um sich um seine Pferde zu kümmern, brachte er seinen schwedischen Freund nach Boulder in Colorado. Dort bracht er ihm bei, seine eigenen isolierenden Daunenjacken und andere Produkte wie Schlafsäcke zu entwickeln.
Die Pioniere der Outdoorindustrie waren damals in erster Linie autodidaktische Outdoorenthusiasten. Alle tauschten sich untereinander über neue Erfindungen und Innovationen aus. Genauso wie Lamb sein Wissen teilte, hatte Åke die Zeichnungen für sein revolutionäres Thermozelt in Fjällräven-Katalogen veröffentlicht, sodass die Menschen versuchen konnten, das Design selbst weiterzuentwickeln.
Die Fjällräven Expedition Down Jacket
Nach seiner Rückkehr nach Örnsköldsvik hatte Åke endlich genug Wissen gesammelt, um ein funktionelles Kleidungsstück zu entwerfen, das den Träger vor Eiseskälte schützte. Mit seiner Singer-Nähmaschine nähte er eine Jacke aus langlebigem Rutarme-Polyamid (Nylon), indem er eine kleinere Jacke innen an eine größere nähte.
Tests der US-Armee hatten bestätigt, dass eine zehn Zentimeter dicke Schicht in der Lage ist, bis zu minus 40 °C zu isolieren, wenn zwischen Innen- und Außenjacke Luftkanäle eingenäht werden – wie in einem Schlafsack.
Mit diesem Wissen und unter Anwendung der Technik, die er in Colorado gelernt hatte, füllte Åke diese Kanäle mit Gänsedaunen und Federn. Die Schultern füllte er jedoch mit einer Schicht aus Dacron-Polyesterfasern, um zu verhindern, dass sie sich zusammendrücken und ihre isolierenden Eigenschaften verlieren, wenn die Träger schwere Rucksäcke trugen. Er stattete die Jacke mit einer wärmenden Kapuze aus, die alles außer die Augen bedeckte, wenn man sie zuzog. Die Rückenpartie gestaltete er lang genug, damit sie das Gesäß des Trägers bedeckte.
Nachdem er seinen Prototyp sorgfältig getestet hatte, begann Åke 1974 mit der Produktion der Fjällräven Expedition Down Jacket. Die Kapuze versah er mit gelben, gewachsten Schnüren, die aus dem gleichen langlebigen Material wie die Schnürsenkel von Eishockeyschuhen waren. So entstand eine Jacke, die den Träger selbst bei extremen Temperaturen und an Orten ohne Überdachung warmhielt.
Vom Südpol auf die Straßen Stockholms
Im Laufe der Jahre wurde die Fjällräven Expedition Down Jacket von Expeditionen des Schwedischen Sekretariats für Polarforschung am Südpol und in Grönland eingesetzt und wärmte sowohl Schlittenhundeführer am Polarkreis als auch Bergsteiger in den Basislagern im Himalaya.
Es gab jedoch eine Zeit, in der Fjällräven mehr Exemplare der Expedition Down Jacket in einem schicken Stadtteil Stockholms verkaufte als irgendwo sonst.
Man sagt, dass der schwedische Trend rund um Daunenjacken seine Wurzeln im Hype um die nationale Skilegende Ingmar Stenmark hat. Der wortkarge, aber unübertroffene Nordländer machte den alpinen Skisport bei den Schweden, die bis dahin Skilanglauf bevorzugt hatten, populär.
Bei ihren Skiurlauben in den Alpen folgten die schwedischen Touristen den kontinentalen Modetrends – in diesen Markt war die Expedition Down Jacket eingeführt worden.
Die Jacke erwies sich schnell als Hit bei Kundinnen, die zu dieser Zeit lange Jacken bevorzugten, die das Gesäß bedecken. Aber erst in den 1990ern gewann die Jacke über die engeren Kreise von Abenteurern und Outdoorenthusiasten hinaus an Bekanntheit. Doch dann erfreute sie sich schnell großer Beliebtheit.
Eine Karriere beim Film
Fjällrävens warme Daunenjacke war schon lange auch unter Filmschaffenden populär gewesen, vor allem unter Fotografen und Kameraleuten, die ganze Tage im Freien arbeiteten. Während der Dreharbeiten zu Flight of the Eagle, einem Drama über eine berühmte verhängnisvolle schwedische Ballonexpedition zum Nordpol im 19. Jahrhundert, hielten sich Regisseur Jan Troell und sein Filmteam in Fjällräven-Daunenjacken warm. Es dauerte nicht lange, bis auch andere schwedische Regisseure und Filmstars, darunter die Schauspielerin Lena Olin, nach den Jacken fragten.
Extra, extra, extra small
Die übergroßen Abmessungen der Jacke waren jedoch für viele Frauen ein Problem. Åkes Idee, die Jacke nach der Rückkehr ins Basislager über der gewohnten Winterkleidung tragen zu können, war der Grund für ihre großzügigen Proportionen.
Aber das war nicht unbedingt das, was die städtischen Konsumentinnen zu Beginn des neuen Jahrtausends wollten. Ein Geschäft in einem der wohlhabenderen Stadtteile Stockholms fragte Fjällräven nach kleineren Größen.
Åke war zunächst skeptisch, da er wusste, dass ein Teil der Funktionalität verloren gehen würde, wenn die Jacke das Gesäß der Trägerin nicht bedecken würde. Schließlich beschloss das Unternehmen jedoch, auf seine Kunden zu hören und begann, die Expedition Down Jacket in den Größen XXS und XXXS herzustellen. Die Verkäufe stiegen sprunghaft an: Mitte der 2000er wurden die Jacken in ganz Stockholm getragen.
Wie viele andere erfolgreiche Markenprodukte wurde auch die Fjällräven Expedition Down Jacket häufig gefälscht. In der Vorweihnachtszeit 2003 wurden in Zeitungsanzeigen und in der Stockholmer U-Bahn billige Fjällräven-Jacken beworben, die bis zu 70 Prozent unter dem Verkaufspreis lagen.
Fjällräven setzte sich mit der schwedischen Strafverfolgungsbehörde in Verbindung, die mehr als 1.000 aus China importierte, raubkopierte Jacken beschlagnahmte. Die Fälschungen wurden vernichtet und der Importeur wurde zur Zahlung von Schadensersatz verurteilt.
Seit am 21. Dezember der gerichtliche Beschluss fiel, steht die Fjällräven Expedition Down Jacket wie ein Popsong, Buch oder Kunstwerk unter urheberrechtlichem Schutz.
„Mode interessiert mich nicht“
Wie wurde also ein Mann aus Örnsköldsvik zu einer Schlüsselfigur der schwedischen Mode?
Als Åke einmal diese Frage gestellt wurde, sträubte er sich: „Mode interessiert mich nicht. Ich habe immer Produkte gemacht, weil ich sie selbst brauche. Ich bin kein außergewöhnlicher Typ, ich bin ein gewöhnlicher Mensch. Wenn ich etwas für mich selbst herstelle, erfüllt es also auch die Bedürfnisse vieler anderer Menschen.“
Einfachheit ist der entscheidende Faktor. Åke hasste es, zu frieren. Also entwarf er eine Jacke, die besser als jede andere auf dem Markt gegen Kälte isolierte. Er machte sie blau, weil Blau seine Lieblingsfarbe ist. Die Kapuzenbänder machte er gelb, weil Gelb und Blau ihn an die schwedische Flagge erinnerten. Diese voluminöse Jacke wurde inzwischen von einem Gericht zu einem Kunstwerk erklärt – kein schlechtes Resultat für jemanden, der einfach nur ein Kleidungsstück wollte, das ihn warmhält.
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