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Die Erforschung des Polarfuchses – zurück im Labor

Natur
Lesedauer 5 Minuten
Läuse im Fell eines Polarfuchses zählen – das mag sich nicht sehr glamourös anhören, kann für die Zukunft dieses Tiers aber überlebenswichtig sein. Masterstudentin Anna Henriksson war 2023 die Erste, die diese Aufgabe übernahm.
Text: Anna Henriksson Fotos: Privat
Nachdem ich nach meinen Feldstudien nach Tromsø zurückgekehrt war, musste ich erst einmal wieder einen normalen Tagesrhythmus finden. In Spitzbergen ist es immer hell, wodurch mein Schlafrhythmus völlig durcheinander gekommen war. Drei Uhr morgens oder drei Uhr nachmittags – das machte im hohen Norden keinen Unterschied. Die Sonne schien immer und ich verlor mein Zeitgefühl. Nach der Rückkehr nach Tromsø gewöhnte ich mich allerdings recht schnell an einen normalen Ablauf und schlief endlich wieder ganz normal in der Nacht.
Ich kam mit einem guten Gefühl zurück, da meine Feldforschung genauso gelaufen war wie geplant. Der härteste Teil stand mir allerdings noch bevor: die Organisation und Durchführung akribischer Laborarbeiten. Nachdem meine Betreuerinnen mein geplantes Projekt abgesegnet hatten, begann für mich ein arbeitsreicher Sommer.
Ich verbrachte viele Tage damit, Fellproben zu dokumentieren und für Experimente vorzubereiten, die pro Probe mehr als zehn Stunden in Anspruch nahmen. Obwohl mich das Ganze vor große Herausforderungen stellte, lernte ich unheimlich viel dazu. Außerdem hatte ich so jede Menge Zeit, mich in das Thema einzulesen und mein Gedächtnis wieder aufzufrischen.
Nach ein paar anstrengenden Monaten im Labor und im Büro brach ich zu meinem letzten Abenteuer auf: Es ging noch einmal nach Spitzbergen!
Juli: Feldausrüstung einsammeln
Anfang Juli kehrte ich für ein paar Tage nach Spitzbergen zurück. Ich musste die Materialien und Ausrüstung holen, die wir im Frühling dort platziert hatten, und natürlich auch die gesammelten Daten mitnehmen. Die Ankunft in Longyearbyen fühlte sich an wie in einem Western: Die Stadt war menschenleer und ruhig. Ein starker Wind wehte durch die Straßen und hinterließ ein körniges Knirschen zwischen den Zähnen – egal wie sehr man versuchte, dem zu entgehen.
Ich traf mich mit Martine, die mich vor Ort als Forschungsassistentin und Guide begleitete, und wir brachen zu unserem langen Fußmarsch auf. Die Landschaft, die wir ein paar Monate zuvor noch bequem mit einem Schneemobil durchquert hatten, hatte sich in ein großes Labyrinth mit steinigen und ausgetrockneten Flussbetten, tiefem Schlamm und reißenden Flüssen verwandelt.
Da es hier keine Brücken gibt, stellten uns die Flussüberquerungen vor die größte Herausforderung. Und da diese Flüsse von Gletschern gespeist werden, testeten wir vor jedem Schritt die Tiefe des grauen und gefährlichen Wassers vor uns. Wir hatten auf niedrige Temperaturen gehofft, da die Flüsse dann etwas ruhiger sind. Am Morgen unserer Abreise stand allerdings groß in der Zeitung: „In Spitzbergen ist es wärmer als in Paris.“ Um den größten Fluss des Tals mit seinen vielen Armen zu umgehen, folgten wir unserer geplanten Route genau – andernfalls wären wir wohl in ziemlich brenzlige Situationen geraten.
Unterwegs wurde uns bereits klar, dass uns bei der Rückkehr am Ende des Tages eine weitere Prüfung bevorstehen würde: Der Fluss sollte aufgrund der hohen Temperaturen nämlich noch weiter ansteigen.

Obwohl nur wenige Stunden vergangen waren, wurden die Flussüberquerungen zum Abenteuer.

Anna Henriksson

Die Zeit verging wie im Flug, als wir durch das Gelände stapften und schließlich am Fuchsbau ankamen. Wir waren unheimlich erleichtert, als wir sahen, dass die Ausrüstung noch in einem guten Zustand und genau dort war, wo wir sie aufgestellt hatten. Schnell und leise bauten wir sie ab und packten alles zusammen, um den bewohnten Fuchsbau so wenig wie möglich zu stören.
Nun stand uns der lange Weg zurück bevor: Dieses Mal aber mit schwerem Gepäck und einem Umweg zu einer Hütte, in der wir uns mit einem Mittagessen stärkten. Obwohl nur wenige Stunden vergangen waren, wurden die Flussüberquerungen jetzt zum Abenteuer: Die Steine, die wir zuvor noch als Trittsteine benutzt hatten, lagen nun bereits unter Wasser. Wir liefen weiter flussabwärts, suchten nach einer sicheren Stelle und fragten uns, wie wir es zurück in die Stadt schaffen sollten. Glücklicherweise sahen wir eine Rentierherde, die uns den besten und flachsten Weg durch das Wasser zeigte.
Oktober: Die Ergebnisse
Im Herbst verwandelte sich meine monatelange Arbeit in schier endlose Zahlenreihen – auf Papier und auf dem Bildschirm. Diese musste ich nun analysieren, verstehen und für meine Masterarbeit die richtigen Schlüsse ziehen.
In den verschiedenen Stadien meiner Forschung habe ich viel Zeit damit verbracht, Läuse im Fell von Polarfüchsen zu zählen. Das mag sich vielleicht nicht sehr glamourös anhören, war aber genauso wichtig wie die anderen Teile meiner Arbeit. Schließlich handelt es sich um die ersten Zahlen überhaupt zu diesem Thema! Was fanden wir also heraus? Wie vermutet, kann die Anzahl an Läusen bei einem Fuchs enorm schwanken. Wie das mit dem Fellverlust und dem Grad der Fellbeschädigung zusammenhängt, ist jedoch nicht so eindeutig, wie wir erwartet hatten.
Klar ist, dass Füchse mit zunehmendem Haarverlust auch mehr Körperwärme verlieren. Um zu verstehen, wie viel schlechter das Fell eines Polarfuchses mit Läusen im Vergleich zu dem eines gesunden Fuchses ist, musste ich mir die Zahlen sehr genau ansehen. Erst dann konnte ich konkrete Schlüsse ziehen. An diesem Punkt kommen die Wärmeeigenschaften des Fells ins Spiel, mit denen es ein bisschen komplizierter wurde. Es gibt viele Aspekte, die bei dieser Art von Tests zu berücksichtigen sind, und viele davon sind reine Physik. Glücklicherweise konnte ich mit der Hilfe meines Professors Lars und meines Freunds, der Physik studiert, mögliche Fehler vermeiden und diesen Teil meiner Arbeit erfolgreich abschließen.
Was mir die mathematischen und physikalischen Aspekte verraten haben? Ich konnte ermitteln, dass der Wärmeverlust ein Ergebnis des Haarverlusts ist und nicht einer Veränderung der inneren Fellstruktur. Ich fand auch heraus, dass mehr Läuse nicht gleich weniger Fell bedeuten. Wie es in der Wissenschaft oft vorkommt, beantwortete mein Projekt zwar eine Frage, warf aber gleichzeitig viele neue auf.
Da dieses Thema noch so neu ist, wurde eine derartige Studie zum ersten Mal durchgeführt. Um zu konkreteren Ergebnissen zu kommen, müssen wir mehr Daten über einen längeren Zeitraum sammeln. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden den Polarfuchs also weiter beobachten, das Problem genau im Auge behalten und neue Techniken testen, um Tiere diagnostizieren zu können. Nach ein paar Jahren kommt man dann vielleicht zu dem Schluss, dass Füchse mit der Zeit lernen, einen solchen Befall zu bekämpfen – dann wird das Problem weniger wichtig. Es könnte aber auch sein, dass sie dafür die Hilfe von uns Menschen brauchen. Die Zeit wird es zeigen!

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