
Arctic Fox Initiative
Lesedauer 4 Minuten
Der Polarfuchs ist das am meisten bedrohte Säugetier in Finnland. Der WWF Finnland möchte diesen Zustand ändern und die Arctic Fox Initiative hilft dabei.
Der Polarfuchs ist ein elementarer Bestandteil der Biodiversität Finnisch-Lapplands. Er war einer der ersten Arten, die die Gegend nach der Eiszeit besiedelten. Heute ist er das am meisten vom Aussterben bedrohte Säugetier in Finnland.
Der WWF Finnland möchte das ändern. Und es besteht Grund zur Hoffnung: In Schweden und Norwegen hat sich die Situation in den vergangenen Jahren bereits verbessert. Auf der gesamten nordeuropäischen Halbinsel, auch Fennoskandinavien genannt, leben heute rund 400 Polarfüchse - eine Handvoll davon in Finnland. Zuerst will der WWF die Zahl der Polarfüchse im eigenen Land erhöhen. Das langfristige Ziel - der Aufbau einer Fortpflanzungspopulation - ist allerdings sehr viel interessanter. Für alle, die mit dem Wort „Fortpflanzungspopulation“ nichts anfangen können: Es handelt sich um eine Gruppe von Säugetieren, die in einem bestimmten Gebiet lebt, frisst und vor allem, sich vermehrt. Seit 1996 gab es keinen Polarfuchsnachwuchs in Finnland mehr.
Bislang arbeitet der WWF mit Freiwilligen und den nationalen Naturschutzbehörden im hohen Norden, um Futterstationen für den Polarfuchs einzurichten. In den Gebieten, in denen es in der Vergangenheit Fuchsbaue gegeben hat, werden zudem jährliche Erhebungen durchgeführt. Im Jahr 2020 haben wir den WWF Finnland als einen der Empfänger der Arctic Fox Initiative ausgewählt. Nun stehen der Organisation zusätzliche 40.000 Euro für ihre Bemühungen zur Wiederherstellung der Reproduktion des Polarfuchses in ihrem Land zur Verfügung. Die Mittel werden für zwei wichtige Aktivitäten eingesetzt: Fütterung und Untersuchungen von Fortpflanzungsgebieten.
Fütterung
Der Polarfuchs ernährt sich hauptsächlich von kleinen Nagetieren wie Wühlmäusen und Lemmingen. Die Population der Nagetiere schwankt in arktischen Gegenden auf natürliche Weise von Jahr zu Jahr. Leider sind diese Zyklen aufgrund des Klimawandels unregelmäßiger geworden. In den Jahren, in denen die Nagetierpopulationen keine Spitzenwerte erreichen, ist der Mangel an Beutetieren ein Problem für den Polarfuchs. Der WWF Finnland erklärt:
Der Polarfuchs ist ein gutes Beispiel, um die Bedrohung der globalen Erwärmung für die gesamte arktische Natur zu veranschaulichen.
Solche Fütterungsprogramme, wie sie der WWF durchführt, sind für das Überleben des Polarfuchses unerlässlich. Sie stellen auch sicher, dass die Polarfüchse in den Jahren mit niedrigen Nagetierpopulationen in den besten Fortpflanzungsgebieten bleiben.
Seit einigen Jahren führt der WWF Finnland zusammen mit „Metsähallitus Parks“ und „Wildlife Finland“, einem staatlichen Unternehmen für die Überwachung und den Schutz ausgewählter gefährdeter Arten, ein Fütterungsprogramm in kleinem Maßstab durch. Bisher wurden 17 Futterstationen in den nördlichsten Ausläufern des finnischen Lapplands installiert.
Wir haben im Moment 17 Futterstationen und wollen diese Zahl auf 25 erhöhen, was zur Zeit der maximalen Anzahl in Finnland entspricht. In Zukunft könnten es sogar noch mehr sein.
Tuomo Ollila
Senior Advisor, Metsähallitus, Parks und Wildlife
Mit der finanziellen Unterstützung der Arctic Fox Initiative werden nun neue, mit Kamera ausgestattete Stationen gebaut, um die Anwesenheit der Füchse zu dokumentieren. Diese Fütterungsstationen sind nicht nur eine verlässliche Nahrungsquelle für den Polarfuchs, sondern liefern auch wertvolle Daten zur laufenden Forschung über die Gewohnheiten der Tiere.
Fortpflanzung
Sobald der Polarfuchs eine verlässliche Nahrungsquelle in Finnland hat, kann er sich in den am besten geeigneten Aufzuchtsgebieten aufhalten. So wird die Fortpflanzung viel wahrscheinlicher, wenn ein „Nagetierspitzenjahr“ kommt. Tatsächlich kann ein Polarfuchspaar in einem guten Lemmingjahr bis zu 16 Jungtiere großziehen. Leider gibt es seit etwa 25 Jahren keine dokumentierten Berichte über die Vermehrung von Polarfüchsen in Finnland. Aber Petteri Tolvanen, Leiter des finnischen Biodiversitätsprogramms beim WWF, glaubt, dass es Grund zur Hoffnung gibt:
„Wir konnten in letzter Zeit bereits zwei Beinahe-Erfolge beobachten. Der jüngste Fall stammt aus dem vergangenen Sommer, als ein Polarfuchspaar einen alten Bau untersuchte und sogar einige neue Tunnel grub. Leider war die Paarung erfolglos, aber es besteht die Hoffnung, dass wir mit beharrlicher Arbeit eine sich fortpflanzende Polarfuchspopulation in Finnland etablieren können."
Eine weitere positive Entwicklung ist das Wachstum der Populationen in Norwegen und Schweden. Wenn die Reproduktion in den Nachbarländern zunimmt, ist die Wahrscheinlichkeit in Finnland so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
Bei der Fortpflanzung ist die Arbeit von engagierten Freiwilligen entscheidend. Es gibt etwa 200 bekannte ehemalige Höhlen in ganz Finnisch-Lappland, die von Freiwilligen beobachtet werden. Jegliche Anzeichen von Polarfuchsaktivität wird dokumentiert, was dem WWF Finnland hilft, die Tiere in diesen Gebieten anzusiedeln und sie besser zu schützen. Mit der Finanzierung der Arctic Fox Initiative kann der WWF nun mehr Freiwillige für diese wertvolle Feldarbeit gewinnen, ausbilden und unterstützen.
Mit der Hoffnung, dass der Polarfuchs in das eigene Land zurückkehren wird, hat der WWF Finnland auch die nationale Arbeitsgruppe für den Polarfuchs neu gegründet. Diese Gruppe wird den Schutz und die Forschung rund um diese Spezies koordinieren.
Mit solch einer Entschlossenheit und Hingabe von Menschen, die etwas bewirken wollen, ist die Zukunft des Polarfuchses so positiv wie seit einem Jahrhundert nicht mehr.
Möchtest du mehr über die anderen spannenden Ideen und Projekte erfahren, die von der Arctic Fox Initiative unterstützt werden? Erfahre hier mehr dazu.
Veröffentlicht In
Tags
Verwandte Artikel
Mehr zur Arctic Fox Initiative

Arctic Fox Initiative
Lesedauer 3 Minuten
The Arctic Fox Initiative wurde 2019 ins Leben gerufen, um auf internationaler Ebene Projekte zu unterstützen, die sich das Ziel gesetzt haben, die Natur zu schützen und Menschen dazu zu inspirieren, ihre Zeit draußen zu verbringen.
Mehr lesen
Arctic Fox Initiative
Lesedauer 6 Minuten
Masterstudentin Anna Henriksson erforscht die Wärmeeigenschaften des Polarfuchsfells und die Folgen eines neuartigen Läusebefalls bei diesen gefährdeten Tieren. Hier beschreibt sie ihre Eindrücke von einem ganz besonderen Arbeitsplatz im hohen Norden Skandinaviens und erzählt von einer überraschenden Begegnung.
Mehr lesen
Arctic Fox Initiative
Lesedauer 6 Minuten
Neun von zehn Menschen sind falsch darüber informiert, wie sie sich in der Natur angemessen verhalten sollten. Die sieben Prinzipien von „Leave No Trace“ machen es einfacher, die Natur zu genießen und dabei Verantwortungsbewusstsein zu beweisen.
Mehr lesen


