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Fjällräven Classic USA: Perspektiven statt Ratschläge

Fjällräven Classic
Lesedauer 5 Minuten
In den weitläufigen Colorado Rockies traf Ian Finch während des Fjällräven Classic USA auf Manny Almonte, den Mitgründer, Präsidenten und Geschäftsführer des Outdoor-Mentorenprogramms „Camping to Connect“. Hier berichtet Ian, was er von Manny auf der 48 Kilometer langen Wanderung über die Kraft der Natur gelernt hat.
Checkpoint eins, Tag zwei, Seehöhe 3483 Meter. Im Westen schimmern die kontinentale Wasserscheide und die Rocky Mountains in weichen Pastellfarben. Im Osten steht die Sonne schon so weit oben am Himmel, dass die Landschaft nicht mehr in das brennende Orange des frühen Morgens, sondern das Aquamarin des Vormittags getaucht ist.
Die Füße sind wund, die Herzen voll. Am Checkpoint des Fjällräven Classic USA wimmelt es von Menschen, die ihre Vorräte auffüllen: Essen, Wasser und Minibrezeln. Sie lassen sich ihren Wanderpass abstempeln, schnüren die Schuhe fester, justieren ihre Rucksäcke nach oder behandeln ihre Blasen. Es liegt ein Brummen in der Luft, während die Leute sich auf den Abschnitt vorbereiten, der vor ihnen liegt und zum höchsten Punkt der Wanderung führt. Viele fragen sich, wie sie die Höhe verkraften werden. Komfortzonen werden überschritten, neue geschaffen. In der Natur geht es immer um Wachstum und Expansion.
Manny Alfredo und ich lassen den Checkpoint hinter uns und marschieren über einen mit Schutt und Felsbrocken übersäten Weg nach oben. Zu unserer Linken bricht der Hang steil ab und endet in dem bewaldeten Tal tief unter uns. Der tosende Wasserstrom, der sich aus den umliegenden Viertausendern über die Geröllmassen ergießt, hat dieses Tal im Laufe der Jahrtausende geformt. Alle 500 Meter strömt das Wasser in Bändern hinab und verstärkt die Kraft des darunter liegenden Hauptflusses. Dieser sucht sich seinen Weg zu einem See, der inzwischen außer Sichtweite weit hinter uns liegt.

Natur war immer Teil meines Lebens.

Manny Almonte

Geschäftsführer „Camping to Connect“

Während unserer Pause am Checkpoint hatten Manny und ich uns lange über sein Outdoor-Mentorenprogramm für städtische Jugendliche unterhalten. „Camping To Connect“ wird von BIPoC (Black, Indigenous & People of Color) geleitet und nutzt die Freizeitgestaltung in der Natur, um die vielfältigen Probleme farbiger junger Männer in Amerikas Städten zu lösen. Jetzt nehmen wir diesen Dialog wieder auf, während wir uns dem höchsten Punkt des Fjällräven Classic USA nähern. „Natur war immer Teil meines Lebens“, betont Manny.
Er ist in Santo Domingo in der Dominikanischen Republik aufgewachsen und im Alter von zwanzig Jahren nach New York gezogen. Manny berichtet stolz, dass sein Vater ihn inspiriert hat, der Ingenieur ist, und dass der Familienname „Almonte“ auf Italienisch „in die Berge“ bedeutet. Die Natur war in irgendeiner Form immer für ihn da.
Manny hatte schon früh auch einen leidenschaftlichen Drang zum Aufbau von Gemeinschaften. Das führte 2016 zur Gründung von Mastermind Connect. Die Initiative klärt farbige Männer über Themen wie Brüderlichkeit, Gemeinschaft und das Streben nach Spitzenleistungen auf.
In den Gesprächen des Männerkollektivs in der freien Natur wurde der Samen gepflanzt, aus dem dann Camping to Connect hervorging. „Da erzählten erwachsene Männer von ihrem Vater und ihrer Beziehung zu ihm“, so Manny. „Viele brachen in Tränen aus. Sie hatten nie zuvor über ihre Gefühle gesprochen. Es hatte eine extreme Kraft, die anderen Männer als Unterstützung zu haben, die ihnen sagten: ‚Ich bin bei dir, ich liebe dich.‘“
Beziehungen schaffen – in der Natur
Nach der Rückkehr von der ersten Mastermind-Connect-Veranstaltung ging Manny in sich. „Wir haben dann erstens beschlossen, dass wir das wiederholen müssen, und zweitens, dass wir es auch für Kids anbieten müssen“, erzählt er. „Wenn wir als Erwachsene mit unseren Problemen in der Natur Heilung finden können, dann sollten wir eine ähnliche Initiative für 12- bis 18-Jährige starten, damit sie verstehen können, dass die Natur heilen kann.“
Aus den ersten ermutigenden Erfahrungen mit Mastermind Connect heraus entstand eine Initiative, die Leben verändern kann und in mehreren Städten aktiv ist. „Ziel des Ganzen ist nicht, zelten oder wandern zu gehen. Das ist nur das Vehikel. Das wahre Ziel ist es, Beziehungen zu schaffen – sich durch die Natur mit anderen zu verbinden. Aber das Wichtigste ist, dass die Teilnehmer ihre Beziehung zu sich selbst finden.“

Die Natur bietet Raum, Ruhe und Herausforderungen.

Manny Almonte

Geschäftsführer „Camping to Connect“

Manny strahlt Stolz, Stärke und Verletzlichkeit aus – aber auch Unternehmergeist. Dieser konzentriert sich auf ein Thema, bei dem er im Gespräch schnell emotional wird. Selbst hier, hoch oben in den Bergen, wo die fittesten Menschen einen Gang zurückschalten müssen, sprudelt Manny geradezu über, als er von den Erlebnissen und Ideen rund um seine „Camping to Connect“-Initiative berichtet: „Einer der vielen Vorteile der Natur besteht darin, dass sie Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund zusammenbringt und einen Rahmen für Harmonie und Gespräche bietet – ganz gleich, wie verletzlich man in einer bestimmten Situation auch sein mag. Die Natur bietet Raum, Ruhe und Herausforderungen.“ Sie ermögliche es, dass Ideen und Meinungen frei fließen können und respektvoll aufgenommen werden.
Auf und abseits des Weges ein Ziel finden
„Bei Camping to Connect nutzen wir die Natur als Ressource“, stellt Manny klar. „Wir sprechen da draußen über Ängste, mentale Gesundheit, Identität, gesunde Männlichkeit und die Herausforderungen, denen wir alle gegenüberstehen. Während dieses Prozesses öffnen sich auch die Erwachsenen. Das habe ich selbst erlebt, und das ist es auch, was unsere Absicht war.“
Camping to Connect gibt keine Ratschläge, sondern zeigt Perspektiven auf. Manny sagt, dass seine Mitstreiter und er Erlebnisse schaffen, um die jungen Männer zu verbinden und zu inspirieren. „Das ist für mich das Kraftvollste daran – diese Möglichkeit zu haben, Zeit mit diesen jungen Männern zu verbringen, ihnen meine Perspektiven mitzuteilen und ihre zu erfahren. Am Ende lernen wir alle dazu. Das ist jedes Mal so.“
Über dem zweiten Nachtcamp brodelt und poltert das spätnachmittägliche Gewitter. Die Wolken werden immer dunkler, während die Sonnenstrahlen in der Ferne einen alten Bergwald zum Leuchten bringen. Als wir von der Anhöhe hinuntersteigen, bemerken wir, dass sich die Regenmauern in Richtung Westen fortbewegen und uns einen heftigen Schauer ersparen.
In Anbetracht der Unbeständigkeit der Natur so hoch in den Rocky Mountains stelle ich neben Manny fest, dass selbst auf ein Sturmtief Wachstum und gutes Wetter folgen. Ich denke darüber nach, dass die Förderung von Brüderlichkeit, Führungsverhalten und Integration für farbige junge Männer in der Natur ein Thema ist, das nicht auf eine oder zwei Städte beschränkt sein sollte. Es sollte weltweit Gesprächsgegenstand sein.
Unter der Führung von Manny beginnt Camping to Connect, diese Konversation mit durchdachten Aktionen und viel Schwung zu führen und zu unterstützen.
„Zurückzugeben bedeutet, der Jugend etwas zurückzugeben“, findet Manny. „Ich habe gesehen, welche Auswirkungen das hat. Ich habe darin meine Bestimmung gefunden, und diese Bestimmung treibt mich an. Schließlich heiße ich Almonte – und wenn ich in die Berge gehe, muss ich andere mitnehmen.“

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