
Fjällräven Polar
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Für Nooshin Hamzehloo war der Fjällräven Polar ihre Art, ihr bisheriges Leben zu feiern und der Welt (aber auch sich selbst) zu zeigen, dass das Beste noch vor ihr liegt.
Für viele Menschen in ihrem Umfeld ist Nooshin Hamzehloo alles andere als gewöhnlich – wogegen sie sich selbst als genau das beschreibt. Nooshin ist im Iran geboren und aufgewachsen. Anfang der 1990er-Jahre wanderte sie im Alter von 28 Jahren nach Schweden aus, um sich von politisch sensiblen Verbindungen zu lösen. Sie ließ alles hinter sich, was sie kannte, und begann in der schwedischen Hauptstadt ein zweites Leben, in dem die Sprache, die Kultur und die Menschen völlig neu waren.
Heute arbeitet sie als Steuerprüferin bei der schwedischen Steuerbehörde. Sie liebt Schwimmen, persisches Essen, ihren Job sowie ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen – und es war ein zufälliges Gespräch mit ihrer Kollegin Anne im Herbst 2022, das letztlich dazu führte, dass Nooshin zu einem Platz beim Fjällräven Polar kam: „Anne fragte mich, ob ich Pläne zum Reisen oder zum Feiern meines Geburtstags hätte. Die Jahre davor waren hart für mich gewesen, aber ich hatte mich wieder aufgerappelt. Ich sagte ihr, dass ich nach einer besonderen Art und Weise suche, meinen sechzigsten Geburtstag zu feiern – unabhängig von den Schwierigkeiten, die ich in der Vergangenheit gehabt hatte.“
Durch eine seltsame Fügung des Schicksals erhielt Nooshin noch am selben Abend einen Fjällräven-Newsletter weitergeleitet, in dem erwähnt wurde, dass die Bewerbungsphase für den Fjällräven Polar 2023 eröffnet war. Er kam mit einer einfachen Nachricht von Anne: „Ich glaube, das ist etwas für dich.“ Nooshin gibt zu, dass sie in dieser Nacht nicht schlafen konnte. Sie stellte sich vor, wie sie in der Wildnis des Nordens mit einem Hunderudel vor dem Schlitten durch tiefen Schnee pflügte, und betrachtete das Ganze als eine Fügung des Schicksals. Am nächsten Tag bahnte sie ihre Bewerbung an, denn ihr war klar geworden, dass dieses Abenteuer die besondere Art sein würde, wie sie ihr bisheriges Leben feiern wollte. Wenn sie zurückblickt, breitet sich in ihrem Gesicht ein breites Lächeln aus: „Ich wollte beweisen, dass das Beste noch vor mir liegt!“
Nooshin erklärt, dass sie immer akzeptiert, was das Leben mit ihr vorhat, egal ob es schwierig oder einfach ist. Wenn sie ein Ziel erreichen will, gibt sie ihr Bestes. Aber wenn es nicht klappt, ist sie nicht von sich selbst enttäuscht. Diese Einstellung hat sie von ihrem Vater geerbt – sich an den kleinen Dingen im Leben zu erfreuen und es wagen, von Größerem zu träumen. Dieser Traum wurde wahr, als ihr klar wurde, dass sie den Fjällräven Polar an dem Tag beenden würde, an dem sie sechzig Jahre alt wird. Nach der Bekanntgabe der Teilnehmerliste dauerte es einige Zeit, bis sie realisierte, dass sie tatsächlich einen Startplatz gewonnen hatte: „Ich bin ein ganz normaler Mensch! Aber die Botschaft, die ich erhielt, lautete: ‚Wir glauben an dich, auch wenn du nicht an dich selbst glaubst‘, und wenn der Fjällräven Polar mir etwas beibringen kann, dann können sie es jedem beibringen!“
Im April 2023 reiste sie mit einem Hundeschlitten durch die Tiefen der skandinavischen Arktis und stellte sich allen körperlichen und geistigen Herausforderungen, die eine Polarexpedition mit sich bringt. Sie beschreibt dies als eine der schönsten Zeiten ihres Lebens: „Ich kann in keinem Schwimmbad schwimmen, aber ich habe gelernt, in einem Ozean zu schwimmen. Und dieser Ozean war der Fjällräven Polar!“
Im Extremen das Gleichgewicht finden
Während der Expedition schlossen die neunzehn anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fjällräven Polar die offene und optimistische Nooshin in ihr Herz. Gemeinsam reisten sie über zugefrorene Seen, durch dichte Birkenwälder und weiße, karge Landschaften. Das eröffnete ihr eine völlig neue Perspektive auf Schweden: „Ich lebe seit 32 Jahren in Schweden und war noch nie so weit oben im Norden. Es ist unglaublich! Die Natur hier gibt dem Leben einen Sinn. Ich habe mein ganzes Leben in der Stadt gelebt, wo es immer nur geschäftig und hektisch zugeht. Vielleicht liebe ich deshalb diese Ruhe. So sollte das Leben sein!“
Nooshin sind neue Erfahrungen und andere Kulturen nicht fremd. Aber ein Rudel von sechs Schlittenhunden 300 km weit zu treiben, war für sie etwas völlig Neues. Sie beschreibt, wie sie Ruhe bewahrte, indem sie auf dem Schlitten immer wieder eine Checkliste mit Aufgaben durchging: die Pausen, die Hunde, ihre Position auf dem Schlitten und das Terrain. „Man muss sich auf so viele Dinge konzentrieren. Du darfst nicht herumträumen. Beim Hundeschlittenfahren muss man sich voll und ganz auf den Weg konzentrieren – es passiert so viel zur gleichen Zeit.“
Sie führt ihre hohe Konzentrationsfähigkeit auf die Vipassana-Meditation zurück, die sie in den letzten Jahren praktiziert hat. Vipassana bedeutet, „die Dinge so sehen, wie sie wirklich sind“, und zielt darauf ab, durch eine Form der Selbstbeobachtung und des „Scannens“ von Körperbereichen das innere Gleichgewicht zu finden.
Das half ihr mehr, als sie zuvor erwartet hatte. Denn nach der Hälfte der Strecke erlebte sie „einen Tsunami schlechter Gefühle“. Trotz ihrer stetigen Fortschritte war Nooshin plötzlich davon überzeugt, dass sie zu alt war, dass sie nicht gut genug war und dass sie zum Wohle des Teams aufgeben sollte. Das ist ein allzu bekanntes Gefühl bei langen, ausdauernden Unternehmungen an extremen und unbekannten Orten. „Die kleine Stimme“, wie sie es nennt, wurde im Laufe weniger Stunden immer lauter und ließ sie an ihrer Fähigkeit zweifeln, die Expedition zu Ende zu führen.
Für Nooshin hatte die Stimme jedoch eine tiefere Bedeutung. Sie beschreibt, wie sie ganz allgemein das Vertrauen in sich selbst verloren hatte: „Im Leben können viele Dinge passieren, die einem nicht gefallen. Und jedes Mal, wenn etwas schief geht, denkt man, dass es vielleicht die eigene Schuld war oder man etwas falsch gemacht hat. Mit der Zeit wird diese negative Stimme immer lauter, und man kommt an einen Punkt, an dem man sich gar nichts mehr zutraut. Bei mir war es auch ein bisschen so. Aber ich bin eine Kämpferin. Ich liebe das Leben, und diese Reise war eine wunderbare Gelegenheit, die ich mir nicht entgehen lassen wollte.“
Schließlich sprach sie mit der leitenden Musherin und Teamleiterin Anna, die ihr die Schlüsselelemente für die Bewältigung eines Tiefpunkts auf einer Expedition mit auf den Weg gab: Essen, Wasser und Ruhe. Bei kalten Temperaturen und langen Tagen in der Natur sind Dehydrierung und Appetitlosigkeit an der Tagesordnung – manchmal muss man sich zwingen, so viel zu essen und zu trinken, dass man das Energielevel aufrechterhält, das man braucht, um die Ziellinie zu erreichen. Aber Nooshin erinnerte sich auch daran, was ihr ein Lehrer einmal gesagt hatte, als sie mit dem Meditieren begann: „Du musst immer weitermachen. Gib nicht auf. Irgendwann wirst du sehen, was passiert.“ Sie beschloss, ihre endgültige Entscheidung erst nach einem erholsamen Schlaf zu treffen, der in dieser Nacht unter freiem Himmel stattfinden würde. Keine Zelte. Nur eine flache Schneegrube, die ihr Teamkollege Kert gegraben hatte, ein paar Birkenzweige, die Thomas und Lina gesammelt hatten – und sie alle vier übernachteten Seite an Seite unter dem Sternenhimmel.
Ein neuer Anfang
Wenn Nooshin sich an diesen Tiefpunkt erinnert, lächelt sie mit einem wissenden Blick. Sie wusste, dass die nächsten Tage noch länger werden würden, denn am letzten Tag stand eine harte, 75 km lange Fahrt bei heulendem Wind in exponiertem, bergigem Gelände bevor. Aber egal – Nooshins Stimmung hatte sich über Nacht geändert, und die Stimme war verschwunden, dank Annas Ratschlägen und der Ablenkung durch die weiten arktischen Landschaften, die sie nie zuvor gesehen hatte: „Ich schaute einfach auf die wunderbare Natur vor mir: die Berge, die schönen weißen Farbtöne, und ich dachte: Das hätte ich alles verpassen können. Und die Tränen kamen einfach aus dem Nichts – ich stand auf dem Hundeschlitten und weinte und weinte. Ich fühlte mich wunderbar.“
Sie dankt noch heute ihren Hunden, dass sie ihr geholfen haben. Nooshin vermutet, dass sie ihre Schwierigkeiten am zweiten Tag bemerkt hatten: „Sie haben es mir leicht gemacht. Sie schauten zurück und vergewisserten sich, dass es mir gut ging!“ Sie zollt auch ihrem Team und der Teamleiterin Anna höchste Anerkennung. „Mein Team war fantastisch – sie haben mich alle genau im Auge behalten. Und Anna ist meine Wunderfrau. Ich hatte keine Ahnung, was für ein harter Job es ist, ein Musher zu sein. Aber wenn ich vor 32 Jahren gewusst hätte, dass es den Beruf des Mushers gibt, wäre ich vielleicht hierhergekommen und Musher geworden, anstatt in Stockholm zu bleiben!“
Am letzten Abend, zurück in der Zivilisation, feierte das Team des Fjällräven Polar 2023 gemeinsam, dass es nun durch diese einzigartige Erfahrung verbunden war. Aber an diesem Abend gab es doppelt Grund zum Feiern. Bei der After-Dinner-Party sangen die Teammitglieder Nooshin auf Dänisch, Koreanisch, Deutsch, Schwedisch, Taiwanesisch und Malaysisch ein Geburtstagsständchen. In einer herzlichen Rede bedankte sich Nooshin bei ihnen: „An euch, ihr neunzehn anderen, die das alles mit mir geteilt haben: Ihr seid wunderbare Seelen. Wenn ich euch anschaue, seid ihr so jung – und ich fühle mich genau so jung und fröhlich, obwohl ich schon sechzig bin!“
Zu Hause in Stockholm feierte Nooshin ihren Geburtstag noch einmal mit ihren Kolleginnen und Kollegen. Sie servierte Champagner und eine Auswahl ihrer persischen Lieblingsspeisen, zeigte Fotos von der Expedition und setzte ihre ganze Energie ein, um zu erklären, was sie erlebt hatte: die Höhen, die Tiefen, die Erschöpfung und den Stolz. Anne schaute ihr lächelnd zu. „Ich habe Dinge getan, auf die ich stolz bin. Das hat mir geholfen, emotional und körperlich zu wachsen, und ich bin sehr froh über diese Chance. Ich wollte beweisen, dass mein Leben nicht mit sechzig Jahren aufhört, und mir selbst Mut machen, dass das Beste noch vor mir liegt. Jetzt kann ich mir selbst vertrauen, dass ich weiter abenteuerlustig sein und ein tolles Leben haben kann. Ich denke mir: Nooshin, du hast es geschafft!“
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