
Abenteuer
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110 Kilometer zu Fuß zurückzulegen, ist schon für viele Erwachsene eine große Herausforderung – ganz zu schweigen von Kindern. Julia (12), Aron (13) und Noam (11) waren bereit, sich der Challenge zu stellen. Nach fünf Nächten im Zelt und dem Fußmarsch auf dem Wanderweg zwischen Nikkaluokta und Abisko ist ihre Antwort auf die Frage, ob Kinder beim Fjällräven Classic teilnehmen sollten, klar: Macht es!
Jedes Jahr versammeln sich in dem beschaulichen kleinen Bergdorf Nikkaluokta in Lappland für ein paar Sommertage Hunderte von Wanderern. Die im Wind flatternden Fahnen machen deutlich, warum: Hier ist der Startpunkt des Fjällräven Classic Sweden. Die Teilnehmer tauschen sich beim Warten auf den Startschuss aus, checken noch mal ihre Ausrüstung, kontrollieren das Gewicht ihrer Rucksäcke und werfen nervöse Blicke auf den Kebnekaise. Freiwillige Helfer beantworten Fragen, stempeln Wanderpässe und feuern die Teilnehmer auf den ersten Metern an.
Die meisten Wanderer, die sich die 110 Kilometer lange Strecke zwischen Nikkaluokta und Abisko vorgenommen haben, sind erwachsen. Es gibt aber auch immer ein paar Kinder, die die Wanderung mitmachen. 2021 war die zwölfjährige Julia Jennische Péclard aus Falun in Schweden dabei. Sie war ziemlich überrascht:
„Ich kenne die Stimmung vor Starts von anderen Events, zum Beispiel Skirennen. Da läuft alles organisiert und nach Plan ab. Ich hatte erwartet, dass der Fjällräven Classic genauso sein wird. Dabei war es einfach so: ‚Hey, lass uns loswandern‘, und dann geht man eben los. Vor dem Event war ich ein bisschen nervös. Aber als ich an der Startlinie stand und die Berge sah, war ich plötzlich ganz ruhig.“
Auf der Zugfahrt nach Kiruna postete Julias Mutter Kristina Jennische eine Nachricht auf der Facebook-Seite des Fjällräven Classic und fragte, ob es Familien gäbe, die mit Kindern an der Wanderung teilnehmen würden und ob sie Lust auf etwas Gesellschaft hätten. Die Lion-Kristensens, eine vierköpfige Familie aus Dänemark, setzten sich sofort mit ihr in Verbindung. Die Eltern Annika und Allan hatten den Plan, den elfjährigen Noam und den 13-jährigen Aron mitzunehmen – auch, wenn die Jungs dem Trip mit gemischten Gefühlen gegenüberstanden.
Aron erzählt: „Ich fand es nervig, dass wir den Classic wandern sollten, denn das klang überhaupt nicht spannend. Ich dachte, man würde nur laufen und wäre die ganze Zeit unterwegs.“
Noam stimmte zwar mit seinem älteren Bruder überein, war aber etwas hoffnungsvoller, als es losging. „Meine Eltern sagten, dass mein Bruder und ich auch mitkommen würden, also mussten wir es einfach tun. Mir gefiel das zwar zuerst nicht, aber als wir an der Startlinie standen, dachte ich: ‚Das ist so cool!‘ Es war krass, so viele andere Leute zu sehen, die ebenfalls am Classic teilnahmen.“
Schon bald trafen sich die zukünftigen Wanderfreunde an der Startlinie. Julia war fest entschlossen, den Kontrollpunkt Kebnekaise am ersten Tag zu erreichen. Da es sich um eine 19 Kilometer lange Strecke handelt, legten sie und ihre Mutter ein flottes Tempo vor, wobei sie immer wieder die Kontrollpunkte auf dem Weg ansteuerten. Insgesamt gab es sechs solcher Checkpoints, an denen die Teilnehmerinnen ihre Wanderpässe abstempeln lassen mussten. Hier konnten sie aber auch Erfrischungen zu sich nehmen, eventuelle Scheuerstellen oder Verletzungen versorgen und Lebensmittel auftanken. Am späten Abend schlugen Julia und Kristina ihr Zelt ein Stück hinter der Bergstation des Kebnekaise auf. Die Lion-Kristensens holten die beiden am zweiten Tag ein – und von da an wanderten sie gemeinsam.
„In der dritten Nacht schlugen wir unser Zelt kurz vor dem Tjäktja-Pass auf, weil meine Mutter sich daran erinnerte, dass der Aufstieg schwierig war“, sagt Julia. „Sie war schon einmal im strömenden Regen dort hinaufgewandert und dachte, wir bräuchten zusätzliche Kraft, um dort hinaufzukommen. Sie hielt es für besser, den Pass am Morgen in Angriff zu nehmen, wenn wir noch frisch waren. Wir kamen am frühen Abend an, und ja, Mama hatte recht, es war definitiv eine gute Idee, ausgeruht aufzusteigen."
Julia erzählt weiter: „Am vierten Tag sind wir richtig weit gewandert. Zuerst ging es über den Tjäktja-Pass, vor dem ich mich schon gefürchtet hatte. Es war aber gar nicht so schlimm. Danach passierten wir den Kontrollpunkt Tjäktja, und kurz vor Alesjaure trafen wir wieder auf die Lion-Kristensens und gingen gemeinsam weiter. Wir wanderten an Alesjaure vorbei und kamen zu einer schönen Halbinsel am See Alisjávri, wo wir die Nacht verbrachten. Es war sehr schön. Aron, Noam und ich haben Verstecken gespielt!“
Die drei Kinder wanderten zum ersten Mal mit schwereren Rucksäcken. Ihre Eltern hatten sie aber sehr gut auf den Classic vorbereitet. Alle hatten ihre Rucksäcke vorher ausprobiert und gepackt. Jeder wog zwischen acht und elf Kilogramm und enthielt einen Schlafsack, eine Isomatte, Kleidung und Lebensmittel für Mahlzeiten und Snacks. Die Eltern trugen die Zelte. Aaron hatte sehr viel Spaß daran, das Lager vorzubereiten: „Es war einfach, das Zelt aufzubauen, weil wir einen wirklich guten Platz hatten und bis auf den letzten Abend war es jeden Tag trocken. Das Schwierigste war, einen ebenen Platz zu finden, der groß genug für ein Vier-Personen-Zelt war.“
Julia sagt, dass sie den zweiten Tag der Wanderung am meisten genoss, weil sie dann den Dreh raushatte. Die beiden Familien fanden einen Rhythmus für ihre Wanderung. Sie standen morgens früh auf und machten sich gegen 7:30 Uhr auf den Weg. Sie wanderten eine Stunde lang, machten eine zehn- bis 15-minütige Pause und gingen dann eine weitere Stunde weiter. Während jeder Pause zogen sie ihre Schuhe aus, um ihre Füße zu lüften und eine Kleinigkeit zu essen – was Julia sehr zu schätzen wusste:
„Die Snacks waren soooo gut! Nicht nur langweilige Nüsse, sondern auch Süßigkeiten, Schokolade und getrocknete Mangos. Wir hatten auch Oliven, Trockenfleisch und Käse. Es war schön, ab und zu eine salzige Leckerei zu haben. Wir haben längere Pausen für das Abendessen eingelegt und versucht, alle schweren Sachen zuerst zu essen.“
Obwohl der gesamte Weg deutlich markiert war, entdeckte Julia, wie viel Spaß es ihr machte, immer wieder auf die Karte zu schauen. So wusste sie genau, in welche Richtung sie gehen musste, und konnte sehen, wie weit sie schon gelaufen war. „Manchmal kam es mir so vor, als kämen wir fast nicht vorwärts, weil die Berge so groß sind. Als ich genauer hinsah, erkannte ich, wie viel Strecke wir tatsächlich hinter uns gelassen hatten. In einem Moment waren die Berge direkt neben mir und im nächsten fühlten sie sich weit weg an.“
Schon bald näherte sich die Wanderung ihrem Ende. Julia genoss das letzte Stück des Classics entlang des Abiskojokk. Am Schluss gingen sie durch einen Tunnel und sahen das Ziel an der Bergstation von Abisko. „Ich bin über die Ziellinie gerannt und habe meinen Vater und meinen kleinen Bruder umarmt!“
Und wie haben sich die beiden anderen geschlagen?
Aron gibt zu, dass er auf dem Classic insgesamt ganz zufrieden war. Abends war er müde, morgens kam er nur schwer in die Gänge und die Strecke bei Alesjaure gefiel ihm wegen der Mücken nicht. Er hat es aber immer genossen, die Checkpoints zu erreichen, um einen Stempel und etwas zu essen zu bekommen. Außerdem fand er es cool, das Dream-Team Astrid zu treffen – eine andere Gruppe aus Dänemark.
Für Noam war das Beste an der Wanderung, im Zelt zu liegen und die Berge zu beobachten. Seine Erfahrung war mit Höhen und Tiefen gespickt. Das ist keine Überraschung. Wenn man sechs Tage und fünf Nächte in der Natur unterwegs ist, kann die Stimmung schnell umschlagen. Er sagt: „An manchen Tagen hatte ich überhaupt keine Lust zu laufen, an anderen wollte ich sofort losgehen. Wenn ich ein Tief hatte, habe ich auch rumgemeckert. Aber dann habe ich etwas Süßes gegessen, was echt geholfen hat. Das einzige Mal, dass ich mich schlecht fühlte, war am letzten Tag. Mein Magen war ein wenig durcheinander.“
Ein unvergessliches Erlebnis für alle drei Kinder war es, echte Rentiere zu sehen.
Der Fjällräven Classic Sweden ist die längste aller Classic-Wanderungen. Julia, Aron und Noam sind sehr stolz auf ihre Leistung. Das sollten sie auch sein. Sowohl Aron als auch Julia wollen den Classic in einem anderen Land versuchen und Noam träumt davon, wieder mit seiner Familie in der Gesellschaft anderer zu wandern. Jeder von ihnen hat eine wertvolle Lektion gelernt, die er in sein nächstes Abenteuer mitnehmen wird:
„Nimm einen größeren Rucksack mit“, rät Julia.
„Versuche, leichter zu packen und weiter zu wandern“, sagt Aron.
„Nimm viele Süßigkeiten mit!“, ruft Noam.
Weitere Tipps von Julia, Aron und Noam für Kinder beim Fjällräven Classic:
- Macht eine Probewanderung, um herauszufinden, wie es sich anfühlt, lange Zeit und weit zu laufen. Es kann echt mühsam werden, aber ihr werdet lernen, wie man „durchhält“.
- Macht euch keine Sorgen, dass ihr euch verletzen könntet. Es gibt nette freiwillige Helfer, die euch gerne zur Seite stehen.
- Wenn ihr nass geworden seid, kann es schwierig sein, die Kleidung wieder trocken zu bekommen. Zieht sofort eure Regenkleidung an, wenn es zu regnen anfängt – auch wenn es nur nieselt.
- Habt immer einen Becher griffbereit, damit ihr unterwegs direkt aus Bächen trinken könnt. So spart ihr euch das Schleppen von Wasser im Rucksack.
- Macht viele Pausen und zieht dabei eure Schuhe aus. Durch das häufige Lüften der Füße verringert ihr das Risiko von Scheuerstellen.
- Wenn das Gehen langweilig wird, redet einfach über irgendetwas. Dadurch vergeht die Zeit schneller.
- Packt nicht zu viel ein. Überlegt euch gut, was ihr mitnehmen wollt.
- Packt eure Zahnbürste, Regenkleidung und Snacks in das Deckelfach des Rucksacks, damit ihr sie einfach erreichen könnt.
- Übertreibt es nicht, denn ihr müsst am nächsten Tag weiterlaufen.
- Nehmt viele Süßigkeiten mit und habt Spaß!
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