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Wie man sich für eine 70-tägige Hundeschlittenfahrt kleidet

Abenteuer
Lesedauer 4 Minuten
Die richtige Ausrüstung ist lebenswichtig, wenn man 70 Tage am Stück mit dem Hundeschlitten unterwegs ist. Die Abenteurerin und Fjällräven-Freundin Lina Hallebratt verrät, welche Kleidungsstücke sie auf lange und kalte Expeditionen mitnimmt.
Von Anette Andersson, Naturfotografin und Autorin

Der Winter in den schwedischen Bergen bringt jede erdenkliche Art Wetter und Temperaturen mit sich: schwere Stürme, eiskalter Regen, warme Frühlingssonne, massive Schneefälle – und alles dazwischen. Bei einer Expedition in den Bergen musst du dich daher mit der richtigen Ausrüstung vor den Elementen schützen können. Das gilt umso mehr, wenn du 70 Tage am Stück mit deinen Schlittenhunden unterwegs bist. Die Abenteurerin und Fjällräven-Freundin Lina Hallebratt verrät uns, welche Kleidungsstücke sie bei ihren langen und kalten Wintererlebnissen begleiten.
„Mittlerweile weiß ich ganz genau, was ich einpacken muss, um da draußen zurechtzukommen. Bei meinen langen Exkursionen habe ich herausgefunden, wie ich mein Leben leben möchte – in der Natur, und zwar bei jedem Wetter. Damit ich dort überleben kann, ist eine schützende Ausrüstung allerdings das A und O“, erklärt Lina, während sie ihr Zelt aufstellt und ihr Lager für die Nacht aufschlägt.
Lina weiß, wovon sie spricht. In den letzten zehn Jahren hat sie unsere Outdoorausrüstung unter den widrigsten Bedingungen getestet. Ungefähr sechs Monate pro Jahr ist sie unterwegs. Ihre Exkursionen zu Fuß, mit den Ski, dem Kajak und dem Fahrrad haben ihr bereits zweimal die schwedische Auszeichnung „Adventurer of the Year“ eingebracht. Neben ihren unzähligen Überquerungen der schwedischen Berge in Sommer und Winter wanderte sie bereits die Via Alpina, den Jakobsweg nach Santiago de Compostela und die Haute Randonnée Pyrénéenne vom Atlantik zum Mittelmeer. Außerdem lief sie von der mexikanischen Grenze bis nach Kanada, überquerte die Karpaten, durchquerte Kreta, fuhr 6.000 Kilometer mit dem Rad durch Europa und paddelte die gesamte schwedische Küste entlang.
Im Winter zieht es sie auf den Hundeschlitten. Letztes Jahr meisterte sie eine 70-tägige Tour durch die Berge – natürlich mit ihren Hunden Peak, Isbjörn, Ynk, Tofslan, Halvar, Libbie und dem kleinen Bounty. Sie startete am Grövelsjön-See in der Region Dalarna und kam 1.000 Kilometer später in Kvikkjokk in Lappland an ihr Ziel. Dabei ist es eine große Herausforderung, sich während einer solch langen Winterexpedition selbst zu versorgen. Man ist entweder müde, nass, kalt oder hungrig. Und Lina muss sich nicht nur um sich selbst kümmern, sondern auch um ihre sechs bis neun Hunde, die Futter, Wasser, Pausen und Schlaf brauchen.

Ich setze auf das klassische Zwiebelprinzip oder Schichtsystem. So kann ich je nach Wetter und Umgebung ganz einfach Kleidungsstücke an- oder ausziehen.

Lina Hallebratt

„Ich ziehe trockene und warme Kleidung an, nachdem ich den Schnee für mein Lager festgetreten habe – schließlich kommt man dabei ins Schwitzen. Ich wechsle generell zu wärmerer Kleidung, sobald ich mich weniger bewege, da ich sonst friere. Wenn meine Kleidungsstücke nur ein wenig feucht sind, trocknen sie durch meine Körperwärme. Wenn sie aber zu nass sind, ziehe ich mich sofort um und trage die nasse Kleidung erst wieder am nächsten Tag“, so Lina.
Was das Wetter auch macht – jeder Tag im verschneiten Gebirge sieht mehr oder weniger gleich aus. So ist es auch mit Linas Tagesablauf. Aufwachen, Schnee schmelzen, Tiere füttern, essen, das Zelt abbauen, alles auf den Schlitten packen, gute zehn Kilometer zurücklegen, das Zelt wieder aufbauen, Schnee schmelzen, Tiere füttern, essen, schlafen. Bei ihren Expeditionen erlebt Lina Temperaturen zwischen -35 °C und +5 °C. Der Wettergott hat ihr bereits wärmende Sonne beschert, aber auch heftige Schneestürme und Eisregen. Deshalb muss sie ihre Kleidung auch an die wechselnden Bedingungen anpassen können.
„Ich setze auf das klassische Zwiebelprinzip oder Schichtsystem. So kann ich je nach Wetter und Umgebung ganz einfach Kleidungsstücke an- oder ausziehen. Meine Unterwäsche und BHs bestehen immer aus Wolle. Dann kommt ein dünnerer Baselayer aus Wolle und dazu eine Wollhose. Manchmal ziehe ich über den ersten noch einen dickeren Baselayer. Bei mildem, regnerischem Wetter greife ich zu Shell-Kleidungsstücken. Bei niedrigeren Temperaturen trage ich die Polar Bib Trousers und den Polar Expedition Parka. Außerdem sind zwei Paar Socken und zwei Einlagen in den Schuhen eine gute Idee und manchmal auch Überschuhe. Je nachdem, wie kalt es ist, trage ich außerdem eine oder zwei Mützen und mehrere Handschuhe!“
„Ein Vorteil des Polar Expedition Parka sind seine Öffnungen, über die man während Aufstiegen überschüssige Wärme entweichen lassen kann. So lässt sich die Körpertemperatur besser regulieren. Außerdem hat er viele Taschen, die Platz für zusätzliche Hundeleinen und vieles mehr bieten. Der Parka reicht bis über die Hüfte und wärmt daher die Körperstellen, die am schnellsten auskühlen. Die Kapuze ist groß und schützt mich sogar bei stärkstem Wind.“
Der Polar Expedition Parka ist für extreme Kälte designt. Er besteht aus G-1000 und G-1000 HeavyDuty und ist mit 100 % Gänsedaunen gefüllt. Lina kann seine Langlebigkeit nur bestätigen: Während der 70-Tage-Expedition in den Bergen hat er nämlich einige Hundepfoten abbekommen. „Mit diesem Parka kann man nicht frieren“, erklärt Lina. „Er gibt mir ein enormes Sicherheitsgefühl da draußen, er ist mein Wärmepanzer.“
Lina packt ihr Zelt zusammen und schnallt ihre Ausrüstung auf den Schlitten. Dann leint sie einen Hund nach dem anderen an und stellt sicher, dass die Bremse im Schnee auch gut greift. Die Hunde spüren, dass sie wieder in die Wildnis aufbrechen und heulen ungeduldig. Der Parka sitzt. Wie immer löst Lina die Bremse ganz vorsichtig – und weg sind sie. Sofort wird es still. Man hört nur die Kufen des Schlittens, die über den Schnee gleiten. Team Lina stürzt sich in ein neues Abenteuer.
Veröffentlicht im Oktober 2023

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