
Fjällräven Classic
Seit zwei Jahrzehnten trägt Fjällräven mit dem Fjällräven Classic die „Freude am Wandern“ von Schweden aus in die Welt. Seit seiner Einführung sind bei dem Event über 40.000 Menschen mit der typischen orangefarbenen Flagge an ihrem Rucksack insgesamt mehr als drei Millionen Kilometer gewandert. Mittlerweile findet er in sieben Ländern auf vier Kontinenten statt.
Der Fjällräven Classic Sweden, das originale und längste Wanderevent, führt von Nikkaluokta nach Abisko. 2024 findet es zum 20. Mal statt.
Die Startflagge für den Fjällräven Classic weht im Wind, während sich die Wanderfans im schwedischen Bergdorf Nikkaluokta einfinden. Manche ziehen sich noch um, andere vergleichen das Gewicht ihrer Rucksäcke. Freiwillige drücken Stempel in die Trekkingpässe und sprechen den Teilnehmenden Mut zu. Man sieht glücklich lächelnde Gesichter, aber auch entschlossene und nervöse Blicke in Richtung des mächtigen Kebnekaise. Die meisten, die auf der 110 km langen Tour von Nikkaluokta nach Abisko wandern werden, sind in diesem Teil von Schweden nur zu Gast. Gut 35 % kommen aus Schweden, der Rest aus 48 verschiedenen Ländern in aller Welt. Bis sie alle gestartet sind, dauert es drei Tage. Nach dem Startschuss haben die Teilnehmenden bis zu sieben Tage Zeit, die gesamte Route zu erwandern.
„Anfang der Nullerjahre hatte Trekking mit einem Zelt seinen Reiz verloren“, erklärt Global Events Manager Carl Hård af Segerstad, während sein Blick über die Wanderinnen und Wanderer schweift, die am Start bereitstehen. Als Fjällräven nach den Gründen dafür suchte, stellte sich heraus, dass die Menschen einfach nicht mehr mit einem Zelt, Proviant und Gaskocher im Freien umgehen konnten: Es herrschte große Unwissenheit. Deshalb beschloss das Unternehmen, ein Wanderevent ins Leben zu rufen, das diese Wissenslücken füllt. Die Menschen sollten die Wildnis auf natürliche Art erleben und dennoch eine lange, herausfordernde Wandertour bewältigen, bei der sie auf sich selbst angewiesen waren. Auch heute noch findet die Wanderung auf demselben beliebten Trail statt. Das minimiert die Auswirkungen auf die Natur. Viele, die am Fjällräven Classic Sweden teilgenommen haben, kehren zu anderen Jahreszeiten in diese Region zurück oder wandern auf weniger begangenen Routen in der Nähe.
Schon seit dem allerersten Fjällräven Classic Sweden gab es die Idee, das Event auch in anderen Ländern stattfinden zu lassen. Denn nicht jeder hat die Möglichkeit, für eine Wanderung nach Schweden zu reisen. Heute findet der Fjällräven Classic auch in Dänemark, Deutschland, Südkorea, den USA, England und Chile statt. Jede Wanderung wird anders organisiert und ist den jeweiligen Bedingungen des Landes angepasst, etwa beim Zugang zu den Trails und Zeltplätzen oder auch bei den Genehmigungen und Vorschriften.
„Im Herbst 2024 findet das Event zum ersten Mal in Chile statt“, begeistert sich Carl. „Wir wandern auf Trails im südlichsten Teil Patagoniens, die normalerweise nur Gauchos betreten, die in der Region arbeiten. Das wird wirklich aufregend.“
Beim Fjällräven Classic können Trekkingfans jeden Niveaus lernen, mehrtägige Wanderungen zu meistern – Anfänger ebenso wie Fortgeschrittene. In der Vorbereitungsphase zu dem Event können sich die Wanderfans bei lokalen Fjällräven Campfire Events über Mehrtageswanderungen informieren. Nach dem Check-in zu einem Fjällräven Classic gibt es für die Teilnehmenden Kurse, bei denen sie lernen, ein Zelt auf- und wieder abzubauen oder einen Gaskocher zu benutzen. Dabei erfahren sie außerdem, wie man in der Natur sein Bedürfnis verrichten und mit Abfällen umgehen sollte (den eigenen und den von anderen). Wir bitten die Wanderinnen und Wanderer zwar, bereits zum ersten Wandertag so viel gefriergetrockneten Proviant wie möglich mitzubringen. Dennoch gibt es auf der Route an Checkpoints eine Grundversorgung, damit sie ihre Vorräte wieder auffüllen können. Diese Mischversorgung bietet Wanderneulingen Support und fördert dennoch das Gefühl, unabhängig unterwegs zu sein.
Damit reduzieren wir zugleich die Versorgung durch Hubschrauber. Denn die zunehmende Beliebtheit des Fjällräven Classic wirkt sich auch auf die dortige Natur aus. „Wir achten penibel darauf, die Trails in besserem Zustand zu hinterlassen, als wir sie vor dem Event angetroffen haben“, sagt Sofie Jugård Löfgren von Aktivut, die während der gesamten 20 Jahre als Produktmanagerin für den Fjällräven Classic Sweden zuständig war. Der Fjällräven Classic Sweden ist deshalb auch ein von der schwedischen Organisation Greentime zertifiziertes nachhaltiges Event und führt derzeit Maßnahmen ein, um den Druck auf den Trail bis 2025 um 30 Prozent zu verringern.
Die meisten Wanderinnen und Wanderer absolvieren den Fjällräven Classic Sweden in fünf Tagen – ausreichend Zeit, um die wilde und zerklüftete Landschaft zu bewundern und zu genießen. Wenn am Abend die Sonne hinter dem Kebnekaise-Massiv verschwindet, färbt sich der Himmel rosarot. Unter dem Farbspektakel des Himmels verteilen sich Zelte am Berghang. Es herrscht eine fröhliche Atmosphäre, Erwartung und Vorfreude liegen in der Luft. Aus den Zelten dringt gedämpftes Gemurmel, vereinzelt unterbrochen von Gelächter. Der zweite Tag beginnt mit einem leichten Aufstieg zwischen steilen Felswänden und führt dann wieder hinab in Richtung der Singi-Hütten. Dort angekommen, folgen die Wanderinnen und Wanderer dem Kungsleden (dt. Königspfad) über das Tjäktjavagge-Tal gen Norden. Viele übernachten in der Nähe der Sälka-Hütten. Am dritten Tag erreichen sie mit dem Tjäkta-Pass den höchsten Punkt der Wanderung. Dann führt der Weg in das Alisvàggi-Tal hinab. Zur Entlastung der müden Füße wandern sie hier auf Holzstegen über das felsige Gelände. Bei den Alesjaure-Hütten weicht die bergige Landschaft immer mehr üppigem Grün, das von glitzernden Wasserläufen und Bächen durchsetzt ist. Der vierte Tag bringt die Wanderinnen und Wanderer zum Alisjàvri-See. Dort finden sich ideale Plätze für eine Kaffeepause mit Aussicht auf den Abisko und den Kåtotjåkka. Am letzten Tag führt der Weg im artenreichen Nationalpark Abisko schlängelnd an Bergbirkenhainen vorbei.
„Beim Wandern entsteht ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Das treibt die Menschen dazu an, an diesem Event teilzunehmen. Dazu kommt der Wunsch, neue Menschen kennenzulernen und Freundschaften zu schließen. Beim Fjällräven Classic können die Wandernden sowohl die Natur als auch ein soziales Miteinander erleben. Gleichzeitig können sie sich darauf verlassen, auf einer Expedition mit begleitetem Service unterwegs zu sein. Das gibt ihnen Sicherheit“, erzählt Carl.
Karolina Symington und Linda Persson aus Stockholm haben den Fjällräven Classic Sweden 2021 absolviert. Davor hatten sie noch nie eine Mehrtageswanderung in den Bergen gemacht. Karoline war eines Abends im Internet gesurft und dabei auf den Fjällräven Classic gestoßen. Für sie als Anfängerin könnte so etwas die ideale körperliche und geistige Herausforderung sein, dachte sie sich. Nach Eingang ihrer Anmeldebestätigung machten sich die beiden im Netz schlauer. Sie sahen sich nach Campingkochern um und suchten Stiefel, Socken, Zelte, Schlafsäcke, Proviant, Bekleidung und alles andere zusammen, was sie auf der Wanderung brauchen würden. Ihre Hauptsorge war, die nötige Ausrüstung für die wechselhaften Wetterbedingungen in der Region mitzunehmen und dennoch leicht zu packen. Karolina berichtet, dass sie durch diese Erfahrung nun ein viel tieferes Verhältnis zur Natur habe. Dem kann Linda nur beipflichten:
„Es war eine komplett andere Erfahrung als beispielsweise Joggen oder Langlaufen. 110 km zu wandern, dauert lange. Und beim Wandern hat man die Zeit, auf eine ganz andere Art und Weise nachzudenken. Ich wurde mir meines eigenen Körpers bewusst und wie schön so eine körperliche Aktivität ist. Beruhigend ist auch, dass man nur so viel mitzunehmen braucht, wie man auf dem Rücken tragen kann. Die Krönung des Ganzen ist natürlich die unbeschreibliche Schönheit der Natur (und eine gute Freundin, die so etwas ebenso noch nicht erlebt hat und mit der man das Erlebte teilen kann). Und so wurde daraus ein unvergessliches Abenteuer.“
Die Freude, in Abisko die Ziellinie zu überqueren, ist unvergleichlich. Die Wanderinnen und Wanderer liegen sich in den Armen. Die Freudentränen kullern. Derweil heizen im Festzelt Musiker die Stimmung an. Manche der Wanderinnen und Wanderer lassen sich ihre Stiefel einfetten. Sie wiegen ihre Abfallbeutel, um herauszufinden, wer von allen den schwersten hatte. Und schließlich gibt es eine Außenverpflegung mit frischem Essen – was für ein Luxus nach den Tagen mit gefriergetrockneter Verpflegung!
„Fjällräven wurde mit dem Ziel gegründet, Menschen zu inspirieren, die Natur zu entdecken,“ resümiert CEO Martin Axelhed, während er die Schnürsenkel seiner Stiefel löst, nachdem er einen weiteren Fjällräven Classic absolviert hat. „Diesem Mantra folgen wir auch heute noch. Wir möchten eine Umgebung schaffen, um Menschen herauszufordern. Gleichzeitig wollen wir es ihnen leicht machen, sich zu überwinden und den entscheidenden ersten Schritt zu gehen.“
Veröffentlicht im Juli 2024
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