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Abenteuer
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Aus Liebe zum Skisport
Das schwedische Dorf Berga bei Sälen. 16.000 Skilangläuferinnen und -läufer warten im Startbereich. Vorfreude, Anspannung und Aufregung liegen in der Luft. Eine Teilnehmerin rückt ein letztes Mal ihre Startnummer zurecht, während ein anderer seine Mütze richtet. Die Trinkgürtel sind angebracht, die wärmenden Overalls sind ausgezogen und die Blicke der Teilnehmenden verraten es: Der heutige Lauf nach Mora wird kein Zuckerschlecken.
Worüber die Startnummern nichts aussagen, das sind die zahllosen Trainingsstunden, die hinter den Wartenden liegen. Das Wetter spielt auch nicht mit, es regnet und der Schnee auf der Loipe ist sulzig. Doch all das kann sie nicht stören, denn nun sind sie hier, am Start des 100. Wasalaufs, der größten Skilanglaufveranstaltung der Welt.
Endlich fällt der Startschuss. Der Anblick der Sportlerinnen und Sportler, die sich auf die 90 km lange Strecke begeben, erinnert an eine gigantische Schlange. An der Spitze des Trosses befindet sich die Elite der weltweit führenden Langläuferinnen und Langläufer. Schon bald setzen sie sich mit kräftigen Stockschüben vom Rest des Feldes ab. Das Langlaufrennen, in dem sie antreten, ist Teil der Ski Classics. Diese Wettkampfserie besteht aus 15 Profirennen, die in ganz Europa abgehalten werden. Das Besondere hierbei ist, dass die Teilnehmenden nicht für Nationalteams starten, sondern ihre eigenen Teams wählen, wie beim Straßenradsport.
In der Spur der Väter – für die Siege der Zukunft
„Dieses Zelt stellen wir drüben beim Lkw auf“, sagt Roxane Lacroix, Event Supervisor bei Ski Classics.
Drei Tage vor dem Wasalauf. Roxane steht mit ihrer Kollegin Theresa Fugger in der Nähe der Ziellinie, die das bekannte Motto verkündet: „In der Spur der Väter – für die Siege der Zukunft.“ Theresa und Roxane arbeiten für W sportsmedia, den Veranstalter der Ski Classics. Sobald sie in den Austragungsorten in ganz Europa angekommen sind, verteilen sie die anstehenden Aufgaben. Heute etwa sollen Marketingmaterial, Flaggen und diverse Ausrüstungsgegenstände aus dem Lkw in ein Zelt gebracht werden.
Theresa, die aus Österreich kommt, inzwischen aber in Helsingborg lebt, ist für die Kommunikation mit den 35 Profiteams der Ski Classics und für die Abstimmung zwischen den Ski-Classics-Organisatoren, den Profiteams und den Veranstaltern vor Ort zuständig. Außerdem verantwortet sie als offizielle Ausrüstungskontrolleurin des Internationalen Skiverbands FIS zusammen mit ihrem Team die Fluortests beim Skiwachs (der Einsatz von fluoriertem Wachs ist seit 2023 verboten).
„Meine Funktion bei den Ski Classics ist die des Event Supervisors“, erklärt die aus Frankreich stammende Roxane. „Ich überwache, ob die Markenspezifikationen der Ski Classics bei jeder Veranstaltung eingehalten werden, und stelle sicher, dass die Start-, Sprint-, Anstiegs- und Zielbereiche im Fernsehen gut aussehen. Ich arbeite mit den Veranstaltern der Events bei der Ausstattung des Startbereichs und der Mixed Zone hinter der Ziellinie zusammen, stehe in Kontakt mit dem Tontechnikteam sowie dem Ansager an Start und Ziel und kümmere mich um die ‚Flower Ceremony‘ direkt nach dem Rennen.“
Roxane und Theresa besteigen den Lkw und machen sich auf den Weg in Richtung Oxberg. Heute prüfen sie alle Stationen entlang der Rennstrecke und plakatieren Marketingmaterial. Für die Elite gibt es zusätzliche „Rennen im Rennen“ – Bereiche, in denen die schnellste Frau und der schnellste Mann Sprintpreise gewinnen. Einer dieser Sprints findet in Evertsberg statt. Hier gibt Roxane Anweisungen, wie die Flaggen stehen und die Torbögen des Sprintziels aussehen sollen, damit sie im Fernsehen gut sichtbar sind.
„Das passt so“, urteilt Theresa bei der Inspektion der Aufbauten, während sie fachmännisch eine Eisenstange auf ihren Kopf legt und wegträgt.
Eine lange Geschichte voller Veränderungen
Um den Wasalauf von heute zu verstehen, müssen wir ins 16. Jahrhundert zurückgehen. Der spätere König von Schweden, Gustav Vasa, war durch seine Flucht aus Stockholm König Christian II. von Dänemark entkommen. Doch entgegen seiner Hoffnung traf Gustav in den Dörfern der Region Dalarna statt auf Unterstützung auf Widerstand und flüchtete weiter Richtung Norwegen. Als jedoch bekannt wurde, dass König Christian beabsichtigte, die Steuern zu erhöhen, entsandte man Männer auf Skiern, um Gustav zurückzuholen. Sie brachten ihn nach Mora, wo er sich der Herausforderung stellte und den letztlich erfolgreichen Aufstand gegen die Besatzungsmächte anführte. 400 Jahre später wurde zu Ehren von Gustav Vasa ein Skirennen ins Leben gerufen – der Wasalauf.
Seit dem ersten Wasalauf vor 100 Jahren hat sich einiges verändert. Heute gibt es gepflegte Loipen, und mit Teer imprägnierte Holzskier kennt man nur noch aus Erzählungen. Im modernen Langlaufsport bestehen die schmalen Latten aus Kunststoff und sind auf der Unterseite entweder mit Skifellen bestückt, mit Steigwachs behandelt oder kommen ganz ohne Wachs aus. Die Elite der Ski Classics hat den traditionellen Diagonalschritt durch den Doppelstockschub ersetzt. Bei dieser Technik nutzen Skiläufer ihren Oberkörper und stoßen sich simultan mit beiden Armen ab. Jörgen Aukland gewann 2013 den Wasalauf als erster Läufer ohne Steigwachs, gefolgt von Laila Kveli als erste Läuferin ein Jahr später. Zwar vertrauen die meisten Teilnehmenden des Wasalaufs weiterhin auf Skifelle, doch der Doppelstockschub nur mit Gleitwachs unter den Skiern setzt sich immer mehr durch.
„Ich liebe den Skisport und setze mich auf internationaler Ebene dafür ein“, berichtet Theresa. „Als Teil der Ski Classics bin ich ein wichtiges Puzzlestück in der Organisation außergewöhnlicher Rennen, bei denen Sportlerinnen und Sportler in professionellen Wettbewerben antreten und Fans von einer spannenden Liveübertragung profitieren können. Das ist eine überaus erfüllende berufliche Aufgabe.“
Am Tag des Rennens, der beim Wasalauf immer auf den ersten Sonntag im März fällt, ist Theresa als Floor Managerin für den Startbereich verantwortlich. Sie sorgt dafür, dass vor dem Start alles glatt läuft, übergibt die Startnummern und koordiniert den Kontakt mit der TV-Produktion, um sicherzustellen, dass der Zeitplan bis zum Startschuss eingehalten wird.
Eine Stunde vor dem Start treten allerdings Probleme auf: Es beginnt wie aus Kübeln zu schütten.
„Die meisten Veranstaltungen der Ski Classics sind Wettläufe, an denen Profis sowie Freizeitsportlerinnen und -sportler gemeinsam teilnehmen. Es ist schön zu sehen, wie die Liebe zum Skisport alle zusammenschweißt“, schildert Roxane. „Die Bedingungen sind dieses Mal schwierig, besonders für die Freizeitlangläuferinnen und -läufer.“
Der diesjährige Wasalauf erweist sich durch seine schwierige und lange Strecke sowie das Wetter tatsächlich als besonders herausfordernd – selbst für die Elite. 90 km Distanz sind eine nicht zu unterschätzende Entfernung für alle, unabhängig vom Trainingslevel. Während Theresa und Roxane am Ziel in Mora schon die ersten Preise und Blumensträuße übergeben, sind die meisten, die gleichzeitig mit den Besten in Berga an den Start gegangen waren, noch immer auf den Loipen unterwegs.
Der Sieger des Herrenrennens, Torleif Syrstad, erreicht das Ziel in drei Stunden und 52 Minuten, die Siegerin des Damenrennens, Emilie Fleten, nach vier Stunden und 23 Minuten. Doch ebenso beeindruckend ist, dass der letzte Langläufer das Ziel neun Stunden später erreicht. Ob als Erster oder Letzter, alle Teilnehmenden folgen den Spuren ihrer Vorfahren – auf dem Weg zu künftigen Siegen.
Veröffentlicht: Dezember 2024

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