
Abenteuer
Lesedauer 4 Minuten
Vögel zwitschern lebhaft durcheinander, ein kleiner Bach plätschert vor sich hin, die Blätter rauschen leise im Wind – immer mehr Menschen träumen davon, mitten in der Natur aufzuwachen. Aber einfach irgendwo im Wald oder am See sein Nachtlager aufzuschlagen, ist in vielen europäischen Ländern nicht erlaubt. Dank der Community Plattform MyCabin kannst du jetzt im deutschsprachigen Raum auch ohne skandinavisches Allemansrätten ganz legal an einsamen Plätzen in der Natur campen.
Beim Sepp im Salzburger Land
„Wär es nicht das Tollste, wenn man da auf der Wiese so Zelte aufstellen würde,“ hat sich der Salzburger Bergbauer Sepp schon öfters gedacht. Denn auf seinem Sappmaishof über dem Leoganger Tal in den Salzburger Alpen lebt er mit seiner Familie in einer richtigen Idylle. Viel Platz, Wald, Wiesen und eine spektakuläre Aussicht. „Was wäre so ein schöner Ort, mein Hoamatl, ohne ihn zu teilen?“, fragt er auf seinem MyCabin-Profil.
Und so wurde Sepp zu einem der ersten Gastgeber der Plattform MyCabin, die sich zum Ziel gesetzt hat, Menschen zusammenzubringen. Menschen, die gerne in der Natur übernachten und Menschen, die dafür ein perfektes Plätzchen anbieten wollen. Alles ganz legal und ohne Stress. Eine klassische Win-Win-Situation.
Couchsurfing für Camper
Wer schon mal Couchsurfing gemacht hat, weiß, dass es hier nicht nur um einen Übernachtungsplatz geht, sondern auch darum, Leute zu treffen, andere Kulturen und Lebensweisen kennenzulernen und ins Gespräch zu kommen. Beim Couchsurfen für Camper kommt noch ein anderer spannender Aspekt dazu. „Viele unserer Gastgeber sind Landwirte,“ erzählt Vera, die sich als Werkstudentin bei MyCabin um Presse und Kooperationen kümmert, „die freuen sich, wenn ihre Besucher anpacken und sich für ihren Alltag interessieren.“
Auch Bergbauer Sepp ist begeistert, dass seine Gäste Spaß an der körperlichen Arbeit haben: „Die sympathischen Leute von MyCabin helfen auch beim Heuen.“ So kann aus einem einfachen Campspot ein komplettes Naturerlebnis werden und manchmal entstehen sogar Freundschaften: Bäume pflanzen, Tiere versorgen, Bergwiesen pflegen, Wildkräuter sammeln, Beeren veredeln und am Abend die regionalen Erzeugnisse mit dem Gastgeber bei einem kühlen Bier genießen.
Vielfältige Möglichkeiten
Alle, die Einsamkeit suchen und einfach nur allein unterm Sternenhimmel schlafen möchten, werden über MyCabin ebenso fündig. Denn genau deshalb entscheiden sich viele für einen Platz in der Natur, anstatt einen Campingplatz anzusteuern. „Auf unserer Website findest du mittlerweile über 1000 Übernachtungsspots im deutschsprachigen Raum,“ erzählt Vera. Die Zahl wächst stetig. „Die Vielfalt ist es, die MyCabin ausmacht. Reisende können bei uns zwischen den unterschiedlichsten Orten zum Übernachten wählen.“
Wenn man sich auf der Plattform auf die Suche nach einem Spot macht, findet man viele einladende und interessante Angebote: ein Plätzchen am Weingarten oder unterm Apfelbaum, Übernachten in einer Demeter-Gärtnerei oder auf der Streuobstwiese, Schlafen in der Straußenfarm oder am Bach bei der Kuhweide. Bei Christine in Neukirchen bei Altmünster dürfen die Gäste auf Nachfrage den Naturpool mit Blick über das Salzkammergut benutzen und Claudia in Teisendorf macht ihre Gäste mit vielen Tieren glücklich und gibt auch mal eine Reitstunde.
„Unser Angebot ist wirklich bunt. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei, auch was die Ausstattung angeht“, so Vera. Manche Gastgeber bieten einen Heuschober oder eine Schafhütte an, manche einen vollausgestatteten, luxuriösen Wohnwagen für Glamping-Fans, einige haben fließend Wasser, Strom, eine Toilette oder eine Feuerstelle. An anderen Plätzen gibt es einzig ein Stückchen wilder Natur, um sein Zelt aufzubauen oder den Camper zu parken.
Legales Wildcampen als Start-up
Die Idee zu MyCabin kam Finn, einem der Gründer, als er 2019 nach einer Nacht im Wald mit einem Förster ins Gespräch über die Problematik Wildcampen kam. Dieser erzählte, dass er nichts dagegen hätte, wenn Leute in seinem Wald schlafen, solange er Bescheid wisse. Organisiertes und legales Wildcampen also.
Die Idee passte perfekt in den Campingtrend, der im Corona-Sommer 2020 noch mal verstärkt wurde. Denn immer mehr Menschen sehnen sich nach einer einfacheren und naturverbundenen Art zu reisen, haben Interesse an regionalen Produkten und entdecken Outdooraktivitäten für sich. So haben sich die fünf Freundinnen und Freunde Finn, Lene, Michael, Sophia und Max zusammengetan und MyCabin gegründet. Ihr Ziel ist es, gemeinsame und individuelle Lösungen für Kommunen, Verbände, landwirtschaftliche Betriebe, Grundbesitzende und Camper zu finden und den nachhaltigen Tourismus in den einzelnen Regionen zu fördern.
Im Einklang mit der Natur
Für das Team ist ein respektvoller Umgang mit der Natur und den Mitmenschen selbstverständlich. Die Community von MyCabin verfolgt die Leave-No-Trace-Prinzipien, die wir von Fjällräven ebenfalls bei all unseren Abenteuern leben.
Vera sagt: „Beim Verlassen eines Übernachtungsspots sollte alles so aussehen, als wäre man nie da gewesen.“ Dazu gehört natürlich, seinen Müll mitzunehmen, Tiere und deren Lebensraum zu respektieren, Schutzzonen zu meiden und alles dort zu belassen, wo es hingehört. So können alle, die nach einem kommen, das gleiche Stückchen Erde ebenso genießen wie man selbst.
Das Einhalten dieser Regeln sowie ein faires Verhalten, offene Kommunikation und der Respekt vor anderen sind umso wichtiger, je mehr Menschen Zeit in der Natur verbringen.
Dank guter Ideen wie der von MyCabin ist es hoffentlich auch noch in vielen Jahren möglich, die Natur in aller Einsamkeit zu erleben und ganz legal ein schönes Plätzchen für die Nacht zu genießen. In der Community ziehen auf jeden Fall alle an einem Strang. So profitieren alle Seiten von der Zusammenarbeit: Die Camper, die Locals und die Natur.
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