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Der Ruf der Berge

Abenteuer
Lesedauer 6 Minuten
Bergführer und Ausbilder Mattias Erlandson berichtet, wie er die Industrie, die Berge und die Veränderungen sieht.

Für mich ist jeder Tag mit Ski unter den Füßen ein guter Tag.

Mattias Erlandson

Bergführer und Ausbilder bei der Swedish Mountain Guide Organisation (SBO)

Bergführer und Ausbilder beim schwedischen Bergführerverband (Svenska Bergsguideorganisationens) zu sein, ist kein Beruf – es ist eine Berufung. Und Mattias Erlandson ist dem Ruf gefolgt.
Seit mehr als zehn Jahren teilt er seine Leidenschaft für das Leben oberhalb der Baumgrenze mit Gästen aus der ganzen Welt. Dazu gehören Skitouren in den Alpen, in Schweden und sogar in der Antarktis. Mattias, der momentan in Chamonix lebt, entdeckte seine Leidenschaft fürs Skifahren in St. Anton am Arlberg und in Innsbruck. Sein aufregendes Leben hat ganz klassisch begonnen: Skiurlaub mit der Familie.
„Ich bin in einem südlichen Vorort von Stockholm aufgewachsen, sehr weit weg von den Bergen. Ich erinnere mich an unsere Skitrips nach Oviksfjällen. Das hat so viel Spaß gemacht und ich war jedes Mal traurig, wenn ich zurück in die Schule musste.“
Es war ein Vorzeichen für das, was noch kommen sollte: „Mein Vater erinnert mich heute noch daran, dass ich das einzige Mal eine gute Note für eine schulische Leistung bekommen habe, als ich einen Bericht über unsere Ferien schrieb. Mein Lehrer war überrascht, mit wie viel Leidenschaft dieser sonst eher faule Schüler die Worte zu Papier brachte, wenn er vom Skifahren, dem Schnee, den Bergen und der Aussicht erzählte.“
Sein neues Interesse brachte Mattias an die kleinen Skihänge in der Nähe seines Heimatortes. Am Anfang war er nicht direkt ein talentierter Skifahrer, aber mit der Zeit wurde er immer besser. Er verbrachte Tage damit, die Pisten runterzufahren und Sprünge zu üben, bis das Flutlicht ausgeschaltet wurde. Mit 16 Jahren ging es ins Skilager nach Zell am See in Österreich. Hier wurde sein Interesse zur Leidenschaft. Nach dem Schulabschluss verbrachte er zusammen mit einem Freund eine ganze Saison in den österreichischen Alpen. Er erinnert sich gerne an diese Zeit: „Ich war wie verzaubert, gefesselt und versunken in die fantastische Welt des Skifahrens im frischen Powder. Ein Gefühl, als könnte ich den Rest der Welt hinter mir lassen.“
Nach dem ersten Jahr ging sein Freund zurück nach Hause, um zu studieren. Und Mattias? Er arbeitete Doppelschichten, um es sich leisten zu können, in der kommenden Saison zurückzukehren. Er blieb schließlich 15 Jahre lang in Österreich, arbeitete als Koch und schloss Freundschaften fürs Leben. Damals hat er auch mit dem Klettern angefangen und träumte davon, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Die große Frage war nur: „Wie?“.
Mattias ließ sich von einem Freund inspirieren, der gerade sein Bergführertraining abgeschlossen hatte. „Im Winter begleitete er Leute beim Freeriden, im Sommer beim Bergsteigen und Klettern. Er trug sein Bergführerabzeichen mit Stolz. Ich habe mir gedacht: ‚Wie kann man das nicht mögen?‘“
Sein Freund nahm ihn unter seine Fittiche und unterstützte Mattias dabei, sich für die Ausbildung zu qualifizieren. Zehn Jahre später rief er stolz bei seinen Eltern an, um ihnen mitzuteilen, dass er bestanden hatte. „Das hat mich an den Tag erinnert, als ich mit der guten Schulnote für meinen Bericht über die Skiferien heimgekommen bin.“
Heute nimmt Mattias seine Gäste mit seiner eigenen Bergsteigerschule Mountainrelations auf Tour mit. Im Sommer bietet sein Team klassische Kletter- und Alpintouren in den Alpen an. Im Herbst nehmen sie die Kunden mit zum Skifahren auf die Südhalbkugel oder zum Klettern nach Griechenland.
Im Winter steht natürlich Skifahren in den Alpen auf dem Programm. Mattias liebt es, neues Terrain und fremde Kulturen zu entdecken. Deshalb arbeitet er mit Bergführern auf der ganzen Welt zusammen. Zudem trainiert er die nächste Generation schwedischer Bergführer. Das Jonglieren der täglichen Aufgaben als Unternehmensinhaber mit den Vorbereitungen und dem Kundenservice einer erfolgreichen Tour ist eine Herausforderung. Aber Mattias ist glücklich: „Obwohl es ein Job ist, ist es immer noch meine Leidenschaft. Die meisten meiner Arbeitstage fühlen sich so an, als würde ich einfach meiner Leidenschaft nachgehen.“
Was hält seine Motivation hoch? Die Berge und die Menschen: „Ich denke, dass jeder Tag in den Bergen einzigartig ist. Die Natur ist immer ein Erlebnis. Wenn du dann noch Gäste dabei hast, die ihre eigenen Ziele, Ansprüche und Ambitionen haben, ergibt das am Ende einen Traumjob.“
Mattias liebt es besonders, mit Menschen mit unterschiedlichen Kulturen und Hintergründen zu arbeiten. Er findet diese Begegnungen bereichernd und inspirierend. Er mag es auch, wenn er seine Gäste in eine Welt führen kann, in der sie gezwungen sind, sich der Natur anzupassen und wenn sie dieses Erlebnis zu schätzen wissen.
„Ich liebe es, den Kunden zu zeigen, wie friedlich die Welt oberhalb der Baumgrenze ist. Es ist aber auch ein Ort, an dem die Natur dein Handeln bestimmt und wo du dich hinbewegen kannst. Die Berge sind so ein wunderbarer Ort der Schönheit. Gleichzeitig können sie auch wild und gefährlich sein. Vor allem, wenn man sie nicht mit Respekt behandelt. Ich freue mich immer, wenn ich das meinen Kunden vermitteln kann. Ich sehe meine Kernaufgabe darin, den Menschen beizubringen, die Berge mit Respekt zu behandeln.“
Mattias mag es, seinen Kunden ein Bergerlebnis zu bieten, das herausfordernd ist und zugleich Spaß macht. Dabei steht die Sicherheit immer an erster Stelle. Er ist ein großer Befürworter von Vorbereitung. Er bereitet sich auf eine Tour vor, indem er „auf das Beste hofft und sich auf das Schlimmste vorbereitet“. Dazu gehört: Wettervorhersagen studieren, sich Szenarien vorstellen, in denen etwas schief gehen könnte, wissen, wo die Umkehrpunkte sind, und Back-up-Pläne für seine Back-up-Pläne erstellen.
„Ich versuche immer herauszufinden, worauf meine Kunden Lust haben" – und dazu gehört auch, sich richtig zu kleiden. Mattias ist vor allem ein großer Fan der Bergtagen-Linie, weil die vielen Basics der Kollektion eine ganze Reihe von Aktivitäten in jeder Jahreszeit abdecken. Außerdem „sind das Design und die Farben zeitlos und die Materialien halten sehr lange, wenn man sie richtig pflegt. Ich mag es, wenn ich meine Lieblingsausrüstung über Jahre nutzen kann.“
Die Wertschätzung für Produktqualität und Langlebigkeit passt gut zur Vision von Fjällräven, eine hochwertige und nachhaltige Outdoormarke zu sein. Mattias ist sich bewusst, wie sich menschliches Handeln auf die Natur auswirkt und achtet genau darauf, was in den Bergen aufgrund des Klimawandels passiert:
„Die Berge haben sich seit meinen Anfangsjahren wegen der wärmeren Temperaturen sehr verändert. Es gibt Aktivitäten, Touren und Routen, die vor zehn Jahren Standard waren. Heute können wir sie nur noch für einen sehr kurzen Zeitraum sicher begehen.“
Er glaubt, dass die größte Herausforderung für Bergführer in der Zukunft sein wird, die sich verändernde Umwelt zu berücksichtigen und die Arbeit daran anzupassen. Die Veränderungen in der Branche sind aber nicht nur eine Herausforderung. Er glaubt, dass das Jahr 2020 eine neue Ära der Begeisterung für die Natur eingeläutet hat – egal, ob die Menschen in der Nähe ihrer Heimat bleiben oder in die Ferne gehen:
„Ich habe das Gefühl, dass es eine Menge Leute gibt, die gerade jetzt, wo ihr Lebensstil eingeschränkt ist, sehr gerne Aktivitäten in der freien Natur erleben wollen. Hoffentlich ist der Boom, den wir bei Outdooraktivitäten gesehen haben, ein Trend, der sich fortsetzen wird.“

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