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Die Liebe zur Natur bleibt

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Für Wilhelmina Schedin ist ihre alte, abgetragene Greenland Jacket von 1976 mehr als nur ein Kleidungsstück. Die Jacke erinnert sie an lange Tage im Wald und in den Bergen: An Regen, Nebel, Sonnenschein – und eine besondere Begegnung mit einem echten Polarfuchs.
Text: Karin Wallén
Fotos: Privat
Der Wind in den Moorbirken. Sprudelnde Bäche mit frischem, kaltem Wasser, direkt aus der Quelle. Kahle Berge unter einem Himmel, der sich ständig verändert. Wenn die 78-jährige Wilhelmina Schedin ihre alten Fotos anschaut, werden die Erinnerungen wieder lebendig. Erinnerungen an die Berge und Wälder – und an ein Leben, in dem eines immer konstant geblieben ist: die Liebe zum Wandern.
„Das war 1977 in den Ammarnäs-Bergen. Es war eine Wanderung, auf die ich mich schon lange gefreut hatte“, sagt Wilhelmina.
Es war ihr erster Sommer mit der Greenland Jacket. Diese hatte sie im Jahr zuvor als Weihnachtsgeschenk von ihrem Mann Ove erhalten. Ein Weihnachtsgeschenk, das weitere Wanderungen in den Bergen versprach, die sie gerade erst gemeinsam zu entdecken begannen: Wilhelmina in ihrer grünen Greenland Jacket und Ove in Beige. Beide mit einem Fjällräven-Rucksack mit Stahlrahmen, wie ihn Fjällräven-Gründer Åke Nordin für die Wanderinnen und Wanderer dieser Zeit entwickelt hatte.
„Einige Freunde, die gerne wandern gingen, hatten uns dazu inspiriert. Aber damals war das Wandern noch nicht so populär. Vor allem gab es nicht so viele Frauen, die wanderten“, sagt Wilhelmina, während sie an Oves und ihr Zuhause in Umeå in Nordschweden zurückdenkt.
Sie ist in Holland aufgewachsen, wo sie gerne mit dem Fahrrad an den Wiesen entlangfuhr oder in den Parks spazieren ging. Sie kannte die Wildnis nicht, bis Ove in ihr Leben trat. Und erst nachdem sie nach Schweden gezogen waren, erwachte ihr Interesse an der Natur wirklich.
Ihre ersten Wanderungen führten Wilhelmina und Ove in die Berge von Västerbotten, wo sie in Hütten oder Zelten übernachteten. Doch im Sommer 1978 wollten sie etwas Neues ausprobieren. Sie beschlossen, die ausgetretenen Pfade zu verlassen und in den Bergen rund um den nordschwedischen Ort Ammarnäs wandern zu gehen.
Es war noch früh im Sommer, der Fluss Vindel war wild und tosend. Und der erste Tag der Wanderung versprach herrliches Wetter.
„Außer uns waren noch viele andere Wanderer unterwegs. Aber nach diesem Tag haben wir vier Tage lang keine Menschenseele mehr gesehen“, erinnert sich Wilhelmina.
Sie drangen immer weiter in die Wildnis ein, in Richtung des Sulåive, eines Gipfels mit einem unverwechselbar zerklüfteten Rücken. Sie durchquerten ein Tal mit dichtem Gestrüpp und wateten durch einen Bach. Dann kam das Gewitter.
„Wir befanden uns am Fuße des Sulåive, direkt an der Felswand. Es war wundervoll, das Gewitter heranziehen zu sehen“, sagt Wilhelmina.
Sie warteten den Sturm ab und gingen dann zum Stubebakte hinauf, auf dem sie ihr Zelt aufbauten und ihr Lager aufschlugen. Aber die Überraschungen waren noch nicht vorüber. Jetzt war es der Nebel, der ihnen einen Besuch abstattete. Er wurde so dicht, dass keine Orientierung mehr möglich war. Um sich auf dem Weg zum Wasserholen abzusichern, spannten sie ein Seil.
„Wir liefen einzeln und nahmen Trillerpfeifen mit, damit wir uns gegenseitig zupfeifen konnten. Ich habe immer noch mein Tagebuch von dieser Wanderung. Ich habe viel Zeit im Zelt verbracht, nachgedacht und meine Gedanken aufgeschrieben. Es war schon ein wenig beunruhigend, im Nebel festzusitzen“, erinnert sich Wilhelmina.
Sie verbrachten zwei Nächte in diesem Nebel, bevor sie weiterzogen. Sie stiegen vom Berg ab, sobald die Sicht es wieder zuließ. Leider war das Gelände nicht gerade einfach zu begehen. Nach einem mühsamen Abstieg landeten sie in einer Schneewehe. Wilhelmina stürzte und verstauchte sich das linke Handgelenk. Aber das Wetter wurde langsam besser. Und schon bald machte ein neugieriger Besucher die Wanderung endgültig zu einem unvergesslichen Erlebnis.
„Wir hatten unser Zelt aufgebaut und uns schlafen gelegt, als wir seltsame Geräusche hörten – so als ob die Vögel aufgebracht wären. Wir öffneten das Zelt und sahen einen Polarfuchs – nur wenige Meter entfernt! Zu dieser Jahreszeit ist es den ganzen Tag über hell, sodass wir ihn deutlich sehen konnten. Aber als wir das Zelt öffneten, erschrak er und lief davon.“
Am nächsten Tag sahen sie den Fuchs auf der anderen Seite des Hangs laufen. Er heulte laut. Für die einfachen Kameraobjektive, die Wilhelmina und Ove dabeihatten, war er zu weit weg – aber auch nahe genug, um in ihrer Erinnerung weiterzuleben.
Bis zur Geburt ihres Sohnes Lennart im Jahr 1979 unternahmen sie noch einige Wanderungen in den Bergen. Dann veränderten sich ihre Abenteuer. Die kleine Familie ging in die nahe gelegenen Wälder, um nach Kontrollpunkten für Orientierungsläufe zu suchen – oder einfach nur, um die Natur zu genießen, die frische Luft einzuatmen und eine Mahlzeit im Freien zu verzehren. Die ganze Familie trug Greenland Jackets, einschließlich des kleinen Lennart.
„Er liebte diese Jacke. Er hat so gestrahlt“, sagt Wilhelmina und lacht bei dem Gedanken daran.
Sie besitzt ihre alte Jacke aus dem Jahr 1976 noch immer. Geflickt und ausgebessert, mit Spuren von großen und kleinen Abenteuern in jeder Naht. Eines dieser Erlebnisse war eine Wanderung nur für Frauen in Kittelfjäll. Lennart war noch ein Kind und durfte bei Ove zu Hause bleiben. Sie erinnert sich an den gewaltigen Käseblock, den sie mitbrachten, und an die Kekse, die so hart waren, dass sie in der riesigen Packung bleiben mussten. Sie denkt auch gerne an eine Bergwanderung mit den Kindern der Freizeitbetreuung der Schule, die sie gemeinsam mit Lennart unternahm. Und natürlich an die Tagesausflüge zum See und den Besuch einer Sami-Hütte.
Doch sie erinnert sich auch an vieles, was der Alltag zu bieten hatte. Die Natur vor ihrer Haustür war ihr ein ganzes Leben lang ihr Zufluchtsort. Und obwohl sie sich 2011 eine neue Greenland Jacket kaufte, behielt sie die alte – wie einen Schatz aus der Vergangenheit. Ein wertvolles Erinnerungsstück.
„Ich habe so viele schöne Momente in dieser Jacke erlebt. Sie war winddicht und vor allem mückensicher. Ich bin allergisch gegen Mücken“, sagt Wilhelmina.

Das Wandern hat immer eine wichtige Rolle für mich gespielt: Mich zu bewegen, die Natur zu genießen.

Wilhelmina Schedin

Heute geht es beim Wandern nicht mehr darum, das Hinterland zu erkunden und durch Bäche und Flüsse zu waten. Aber die Emotionen sind immer noch die gleichen – auch wenn ihr Gleichgewichtsgefühl nachgelassen hat und sie Wanderstöcke oder manchmal sogar einen Rollator braucht, um auf der sicheren Seite zu sein.
„Das Wandern hat immer eine wichtige Rolle für mich gespielt: Mich zu bewegen, die Natur zu genießen. Vögel, Bäume, Insekten und Blumen zu sehen. Aber auch Menschen zu treffen“, sagt Wilhelmina.
Sie hat ihre „Waldfreunde“, wie sie sie nennt. Sie treffen sich nur im Freien. Es begann, als die Pandemie am schlimmsten war, hat sich aber bis heute nicht geändert. Sie laufen und unterhalten sich. Sie versuchen, bei jedem Wetter nach draußen zu gehen. Im Laufe der Jahre hat Wilhelmina ihre Garderobe um eine Keb Eco-Shell und einen Fjällräven Kodiak Parka ergänzt, um auf alles vorbereitet zu sein. Denn die heimische Natur ist noch immer da und sie möchte sie so lange wie möglich genießen – ohne zu frieren oder nass zu werden.

„Ich muss nach draußen gehen. Es ist eine Art Medizin für meine Psyche. Es beruhigt mich, wenn ich ängstlich oder gestresst bin. Aber es ist auch eine Medizin für den Körper. Ich habe leichte Diabetes, aber solange ich mich genügend bewege, komme ich ohne Medikamente aus.“

Wilhelmina Schedin

Also läuft sie weiter – den Fluss entlang oder auf Pfaden in der nahe gelegenen Natur. Und sie erinnert sich stets an jene Zeit, als die Sonne nie hinter den hohen, kahlen Bergen unterging. Als sich die windgepeitschten Moorbirken im Nebel neigten. Als der Wind durch die Täler peitschte und sich die Wärme in ihrem Körper ausbreitete. Als die Sonne durch die Wolken brach. Als sie zum Frühstück vor dem Zelt Blaubeersuppe aßen. Und als sie einem Polarfuchs begegneten, der in seinem natürlichen Lebensraum umherstreifte.

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