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Dream-Team Astrid.

Fjällräven Classic
Lesedauer 9 Minuten
Beim Fjällräven Classic Sweden 2021 war eine Gruppe von Wanderinnen am Start, die auf der 110 Kilometer langen Strecke mehr scherzte, mehr lachte und lauter sang als alle anderen. Die neun geselligen Däninnen nannten sich „Dream-Team Astrid“ und bewiesen, dass man mit den richtigen Menschen, der richtigen Ausrüstung und der richtigen Einstellung weit kommen kann. Manchmal sogar bis nach Abisko.
Die Familie Skovbakke lebt in Dyrup auf der Insel Fünen in Dänemark. Sie besteht aus den Eltern Mette und Morton sowie den 22-jährigen Drillingen Astrid, Jonas und Andreas. Die Fünf sind ein Paradebeispiel für eine „Outdoor“-Familie. Mette ist in einer Pfadfinderfamilie aufgewachsen und hat bereits mit zehn Jahren ihre erste Bergwanderung gemacht. Die Drillinge haben von klein auf regelmäßig gezeltet.

Ich bin sehr dankbar für die Frauen in unserem Team und die unglaubliche Stimmung, die sie verbreitet haben. Sie haben wirklich hart dafür gekämpft, dass ich meinen Traum verwirklichen konnte.

Astrid Skovbakke

Teilnehmerin am Fjällräven Classic Sweden

Eines Tages brachte Astrids beste Freundin Sine Thulin Mette und Astrid auf die Idee, beim Fjällräven Classic in Schweden mitzumachen. Ein aufregendes Vorhaben für die beiden Naturliebhaberinnen. Die Entscheidung zur Teilnahme musste aber gut überlegt sein, denn Astrid ist auf einen Rollstuhl angewiesen. Sie fragten sich, ob eine 110 Kilometer lange Wanderung mit schweren Rucksäcken auf unebenem, felsigem Terrain möglich sei. Im Frühjahr 2018 beschlossen sie, dass sie es für machbar hielten. Astrid erzählt:
„Sine hat schon dreimal beim Fjällräven Classic Sweden mitgemacht. Sie hat uns immer wieder davon erzählt. Viele Jahre lang haben wir darüber gesprochen, die Strecke gemeinsam zu wandern, denn ich liebe es, draußen zu sein und Neues zu erleben. Ich stelle mich gerne Herausforderungen, um zu beweisen, dass ich mich von meiner Behinderung nicht aufhalten lasse – auch wenn ich etwas Hilfe brauche, um meine Ziele zu erreichen.“
Astrids und Mettes Tipps für Wanderungen mit dem Rollstuhl #1: Der Rollstuhl muss für das geplante Terrain geeignet sein.
Die Vorbereitungen begannen mit der Suche nach einem Rollstuhl, der den enormen Belastungen im bergigen Gelände gewachsen war. Die Wahl fiel auf ein in Norwegen hergestelltes Modell, das andere Rollstuhlwanderer empfohlen hatten.
Als Astrid und Mette sich 2019 anmeldeten, standen sie vor ihrer ersten Herausforderung. Mette sagt: „Wir haben problemlos Tickets für den Fjällräven Classic in Dänemark bekommen, aber als wir ein paar Tage später Tickets für den Classic Sweden kaufen wollten, ging das nicht. Also habe ich dem Unternehmen geschrieben.“ Leider war die erste Antwort nicht sehr vielversprechend. Fjällräven Global Event Manager Calle Hård Af Segerstad hatte Bedenken wegen der Sicherheit:
„Als sie mich zum ersten Mal wegen der Tickets und eines möglichen Support-Teams kontaktierten, habe ich nicht lange überlegt. Ich habe einfach ‚Nein!‘ gesagt. Den Fjällräven Classic in Schweden im Rollstuhl zu bewältigen, erschien mir einfach keine gute Idee und im Grunde unmöglich zu sein.”
Astrids und Mettes Tipps für Wanderungen mit dem Rollstuhl #2: Stelle den Rollstuhl und die Ausrüstung bei Testwanderungen auf die Probe
Im krassen Widerspruch zu Calles Vermutung durchwanderten Astrid und ihr Team den Söderåsen-Nationalpark in Schweden, um für den 75 Kilometer langen Fjällräven Classic Dänemark zu trainieren. Das war ein kluger Schachzug, denn dieses Gebiet war perfekt, um sich auf die Herausforderungen der Berge mit steinigen Passagen und rutschigen Stegen vorzubereiten. Während der Testwanderung bestätigte sich, dass für den Fjällräven Classic in Dänemark ein fünfköpfiges Team – mit Ausnahme von Astrid – erforderlich war. Also nahmen sie teil und es lief wirklich gut. Die Erfahrung zeigte ihnen aber auch, dass ein Fünferteam für den längeren und anspruchsvolleren Fjällräven Classic in Schweden nicht ausreichen würde.
Vor diesem Hintergrund traf sich Mette mit Calle, um nochmals über ihre Teilnahme zu sprechen. Obwohl er weiterhin zurückhaltend war, schlug er vor, dass Mette und Morten Teile des Fjällräven Classic Schweden selbst zurücklegen sollten, bevor sie über die nächsten Schritte entschieden. Gesagt, getan. Nach einer erfolgreichen Wanderung trafen sie sich im schwedischen Kiruna erneut mit Calle. „Wir sprachen über die Strecke und darüber, was von beiden Parteien in Bezug auf die Vorbereitung erwartet werden würde. Allerdings gab es immer noch Vorbehalte.“
Im Jahr 2020 wurde das Projekt zur Nebensache, da die Pandemie zur Absage des Events führte. Für Astrid und Mette war es jedoch keine vergeudete Zeit. Sie nahmen an einer Wanderung in Norwegen teil, um zu beweisen, dass sie die Herausforderungen des Fjällräven Classic Sweden meistern konnten. Die Wanderung in der Hardangervidda war ein guter Testlauf – sowohl für den Rollstuhl als auch für das Team. Als Mette Calle daraufhin fragte, ob sie an dem Event 2021 teilnehmen dürften, sagte er sofort zu.
Bald darauf standen neun aufgeregte Frauen an der Startlinie des Fjällräven Classic Sweden in Nikkaluokta. „Drei Jahre lang haben wir dafür gekämpft, dort zu stehen“, erinnert sich Mette. „Wir haben trainiert, uns vorbereitet und sind ein paar Tage früher als die anderen Teilnehmerinnen gestartet, um zeitlich einen kleinen Vorsprung zu haben. Natürlich waren wir auch nervös.”
Astrids und Mettes Tipps für Wanderungen mit dem Rollstuhl #3: Stelle ein erfahrenes Team zusammen und bereite alle auf die Bedingungen sowie die Strecke der Wanderung vor
Den größten Teil der Wanderung saß Astrid in ihrem Rollstuhl. Eine Person zog von vorne und zwei Personen schoben von hinten. Alle hatten Rucksäcke mit einem Gewicht von 18 bis 26 Kilogramm dabei. Wenn das Gelände zu anspruchsvoll wurde, nahmen die Frauen ihre Rucksäcke ab und holten sie nach, sobald Astrid die Schlüsselstelle überwunden hatte. Manchmal nahmen auch einfach andere Mitglieder des Teams die Ausrüstung der anderen mit. Astrids Studienfreundin Katrine Kingo beschreibt den Teamgeist so: „Während der gesamten Wanderung haben wir alle sehr gut aufeinander geachtet. Wir hatten keinen Plan, wer wann den Rollstuhl schiebt. Jede hat immer wieder selbst die Initiative ergriffen und einfach gefragt, ob sie übernehmen soll.“
Von Zeit zu Zeit ging Astrid selbst, auch eine 400 Meter lange Strecke – natürlich mit der Unterstützung ihrer Teammitglieder. Bei besonders steilen Passagen oder wenn der Weg zu unwegsam war, trug Mette Astrid mit Hilfe eines Gurts.
Wenn man dieses enorme Maß an Zusammenarbeit und Anstrengung sieht, kann man sich sicher sein, dass die anderen Teilnehmer des Fjällräven Classic Sweden ihre eigenen müden Füße und Beine sofort vergessen haben. Mette erklärt, wie alles zusammenkam:
„Wir hatten keinen festen Plan, wer was zu tun hatte. Irgendwie haben wir schnell verstanden, dass sich jede anbot, andere Aufgaben zu übernehmen, sobald sie mit ihrer eigenen fertig war. Außerdem stellten wir die Zelte nahe beieinander auf, sodass wir uns gegenseitig helfen konnten. Es war eine wahre Freude, so eine innige Zusammenarbeit zu erleben. Es war unglaublich, wie sehr jede auf die andere Rücksicht genommen hat.“
Astrids und Mettes Tipps für Wanderungen mit dem Rollstuhl #4: Keine Kompromisse bei der Sicherheit.
An einem späten Nachmittag, auf dem Weg zum Tjäktja-Pass, stürzte Mette mit Astrid auf dem Rücken. Astrid blieb unverletzt, aber Mette verstauchte sich den linken Fuß. Sie war am Boden zerstört, weil sie Astrids Vertrauen in ihre Sorgfalt missbraucht hatte. Sie schaffte es wegen der Schmerzen kaum bis zum Campingplatz und hatte ernsthafte Zweifel, ob sie weitergehen konnte. Nach einer beunruhigenden Nacht erreichte das Team den Kontrollpunkt Tjäktja, wo ihr Fuß getapt wurde. „Dann“, sagt sie, „verschwanden alle Zweifel. Es gab nur noch den Weg nach vorne.“
Astrids und Mettes Tipps für Wanderungen mit dem Rollstuhl #5: Die Ausrüstung sollte auf den Ort, das Gelände und das Wetter abgestimmt sein - und sei auf Reparaturen vorbereitet!
Der letzte Tag war die größte Herausforderung. Kaum mehr als zwei Kilometer vor dem Kontrollpunkt in Kieron ging der Rollstuhl kaputt. Sie reparierten ihn mit Ersatzteilen und fuhren vorsichtig weiter.
Dann begann es zu regnen.
Kurz vor dem Abisko-Nationalpark versagte der Rollstuhl erneut. Entschlossen band das Team den Stuhl mithilfe eines Kletterseils zusammen. Der anhaltende Regen machte die Frauen ungewöhnlich ruhig, so als ob jede einen inneren Kampf mit sich führen würde. Amalie Lilholdt Jacobsen, Astrids Studienfreundin, war komplett durchgefroren und hatte Mühe, weiterzukommen. Mette sagt, dass sie zu diesem Zeitpunkt eine schwere Entscheidung treffen mussten:
„Etwa sieben Kilometer vor dem Ziel kamen wir für eine Besprechung zusammen. Wir hatten zwei Möglichkeiten: ein Lager aufzuschlagen oder komplett bis zur Ziellinie zu laufen. Letzteres bedeutete eine lange Nacht, bevor wir unser Ziel erreichten, aber wir entschieden uns dazu, weiterzumachen. Ich ließ sowohl Morten als auch Fjällräven wissen, dass wir auf dem Weg waren.“
Die Entscheidung hellte die Stimmung auf. Sie begannen wieder zu singen (obwohl die Pfützen immer größer und tiefer wurden). Leider war die Pechsträhne des letzten Tages noch nicht zu Ende. Vier Kilometer vor dem Ziel stürzte Sine und verletzte sich an der Augenbraue.
Andere hätten wahrscheinlich längst aufgegeben. Aber das Dream-Team Astrid hielt durch und erreichte kurz vor Mitternacht das Ziel – nach acht Tagen Trekking. Trotz ihrer enormen Leistung warnte Mette Astrid, dass sie bei ihrer Ankunft wahrscheinlich keinen Applaus bekommen würden. Das letzte Camp bot jedoch eine riesige Überraschung:
„Es war unbeschreiblich. Eine große Menschenmenge hatte sich versammelt, mit Lichtern und Stirnlampen. Nach unserer fantastischen Reise hat uns diese enorme Begeisterung, die uns entgegengebracht wurde, am meisten beeindruckt. Sie kam von allen. Von den Teilnehmern, von den Mitarbeitern an den Berghüten, an denen wir vorbeigekommen waren, und vor allem von den Mitarbeitern und Freiwilligen von Fjällräven. Die Resonanz war unglaublich und gab uns sehr viel Energie und Freude.“
Astrid sagt: „Ich bin sehr dankbar für die Frauen in unserem Team und die unglaubliche Stimmung, die sie verbreitet haben. Sie haben wirklich hart dafür gekämpft, dass ich meinen Traum verwirklichen konnte.“
Fjällräven wiederum ist dankbar dafür, dass uns das Dream-Team Astrid mehr über mögliche Barrieren in der Natur gezeigt hat und was wir tun können, um sie zu beseitigen. Calle sagt dazu:
„Åke Nordin, der Gründer von Fjällräven, hat immer gesagt: ‚Nichts ist unmöglich – es dauert nur ein bisschen länger‘. Das Dream-Team Astrid hatte ein wenig mehr Zeit zur Verfügung, so dass sie die Wanderung rechtzeitig beenden konnten. Normalerweise ist eine Berg- oder Wandertour eine individuelle Aktivität. Man macht die ganze Arbeit selbst, geht alle Schritte selbst und wendet sich nach innen, um Kraft und Entschlossenheit zu sammeln, wenn die Dinge schwierig werden. Das Dream-Team Astrid hat beim Bergwandern Mannschaftsgeist und Teamwork bewiesen und gezeigt, dass man gemeinsam weit kommen kann – nämlich den ganzen Weg nach Abisko!“
Das Dream-Team Astrid
Das ist die außergewöhnliche Gruppe von Frauen, die mit ihrer Beharrlichkeit und ihrem Engagement dafür gesorgt haben, dass ihre Tochter, Kollegin und Freundin ihr Ziel erreicht hat:
Astrid Skovbakke: BPA-Studentin (User-Controlled Personal Assistance) an der Egmont University
Mette Skovbakke: Mutter und Krankenschwester am Odense University Hospital
Sine Thulin: Beste Freundin und ehemalige Helferin zu Hause
Laura Schmidt Eriksen: Ehemalige Helferin zu Hause
Maria Fogel: Hochschulassistentin
Nana Houlind Simonsen: Hochschulassistentin
Kathrine Solevad Engesgaard: Hochschulassistentin
Amalie Lilholdt Jacobsen: Studienfreundin
Kartine Kingo Olesen: Studienfreundin

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