
People
Lesedauer 7 Minuten
Obwohl die Freundinnen Karolina Symington und Linda Persson keine Erfahrung mit Mehrtagestouren hatten, meldeten sie sich für den Fjällräven Classic Sweden an. Sobald ihre Startplätze bestätigt waren, begannen sie zu googeln – sehr viel zu googeln ... Und die Vorbereitungsarbeit hat sich gelohnt. Nach fünf Tagen und 110 Kilometern haben sie nicht nur gelernt, wie man eine Mehrtageswanderung bewältigt, sie haben auch eine tiefere Beziehung zur Natur entwickelt und erfahren, was für eine positive Wirkung die Natur auf ihre mentale Gesundheit hat.
An einem späten Abend im Mai saß Karolina Symington an ihrem Computer und suchte nach einem Sommerabenteuer in Schweden. Dabei stieß sie auf den Fjällräven Classic und kam zu dem Schluss, dass das Event die ideale körperliche und geistige Herausforderung für eine Anfängerin wie sie sein würde. Nach 20 Jahren im Ausland sehnte sie sich außerdem danach, ihr Heimatland neu zu entdecken.
So eine Erfahrung macht man am besten in guter Gesellschaft. Karolina rief ihre Freundin Linda Persson an, die sich an das erste Gespräch erinnert:
„Karolina rief mich während der Arbeit an und fragte, ob ich mit ihr am Fjällräven Classic teilnehmen wolle. Ich wusste gar nicht, wovon sie sprach. Ich war noch nie gewandert, aber ich sagte sofort zu. Als ich las, dass es auf dem Weg kein WLAN geben würde, fühlte ich mich noch besser. Eine richtige Entgiftung vom Alltag!“
Die Vorbereitung.
Motiviert, aber ohne Erfahrung, begannen Karolina und Linda zu googeln. Wanderschuhe, Socken, Zelt, Schlafsäcke, Lebensmittel, Kleidung – alles wurde gründlich recherchiert. Karolina sagt: „Ich habe mich in eine ganz neue Welt gegoogelt – die Outdoorwelt! Ich glaube, ich habe alles gelesen, was es über Isomatten und ihren R-Wert gibt.“
Linda informierte sich intensiv über das Packen ihres Rucksacks, da sie sich vor allem Gedanken darüber machte, was sie im Hinblick auf das wechselhafte Wetter in den Bergen mitnehmen sollte. Sie wollte keine zu schwere Last tragen.
Bevor sie sich entschied, welche Ausrüstung sie kaufen oder mieten sollten, machten die beiden eine 30 Kilometer lange Testwanderung auf dem Sörmlandsleden mit gemieteter Ausrüstung. Sie lernten, wie man ein Zelt aufbaut, machten sich mit einem windfesten Campingkocher vertraut und sammelten ihre ersten Erfahrungen, mit einem großen Rucksack zu wandern. Schon bald wichen Lindas Bedenken der Freude: „Es war so befreiend, herauszufinden, dass alles, was man wirklich braucht, in einen Rucksack passt.“
Als sie die Ausrüstung kauften, teilten sie die Liste auf und besorgten von allem zwei Stück. Laut Karolina war es also keine Überraschung, dass sie sich während des Classics sehr ähnlich sahen.
„Wir haben den Instagram-Account @likaofsweden gestartet, um das Erlebnis zu dokumentieren. Nicht nur das Abenteuer selbst, sondern auch die ganzen Vorbereitungen im Vorfeld. Der Name ‚LIKA' kommt von den ersten beiden Buchstaben unserer Namen, LInda und KArolina.
Es war ein bisschen merkwürdig, dass wir die gleichen Klamotten trugen, aber ich hatte keine Zeit, einkaufen zu gehen. Also bat ich Linda, einfach von allem zwei zu besorgen, da wir die gleiche Größe haben.“
Eine neue Motivation.
Während der Wanderung auf dem Sörmlandsleden fanden sie heraus, dass sie es wirklich genossen, im Wald zu sein. Karolina beschreibt: „Wir entdeckten die Ruhe, die Gerüche und die Stille da draußen zwischen den Bäumen. Und das Fehlen von WLAN. Je mehr wir uns unterhielten und uns auf den Classic vorbereiteten, desto besser fühlten wir uns.“ Beim Wandern kommt man leicht ins Gespräch - über Gott und die Welt.
Während sie über die positiven Auswirkungen der Natur auf ihr Wohlbefinden – insbesondere auf ihre mentale Gesundheit – sprachen, wurde eine Idee geboren. Sie wollten ihre eigene Herausforderung mit einer größeren Sache verbinden. Sie riefen eine Spendenaktion für die Tim Bergling Foundation ins Leben. Eine Organisation, die sich für die Beseitigung von Stigmata im Zusammenhang mit psychischer Gesundheit einsetzt.
Auf die Plätze. Fertig. Erfolg.
Dann war es plötzlich August und die beiden fanden sich am Start des legendären Fjällräven Classic Sweden in Nikkaluokta wieder. Mit jeweils nur 12 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken! Eine beeindruckende Leistung für eine Wanderung wie den Classic in Schweden, der weder für Erfahrene noch für Anfänger leicht zu bewältigen ist. Ihre leichten Rucksäcke waren das Ergebnis einer sorgfältigen Vorbereitung und stundenlanger Google-Recherchen.
Es war wirklich aufregend. Ich habe ständig gedacht: ‚Passiert das wirklich?‘ Aber gleichzeitig war ich so unglaublich motiviert.
Karolina Symington
Die Wanderung war ein Erfolg. Sie ließen Kilometer für Kilometer hinter sich. Sie aßen zufrieden ihre Brotzeit und genossen die herrliche Aussicht. Sie suchten nach schönen Plätzen, um ihr Zelt aufzustellen, schlugen ihr Lager auf und zogen dann wieder weiter. Sie entwickelten einen richtig schönen Rhythmus in den Bergen und waren zuversichtlich, dass sie die Herausforderung meistern würden.
„Ich war am glücklichsten, als wir an einem der Kontrollpunkte mit einem Plolarklämma (eine Art Fladenbrot) und Kaffee überrascht wurden“, sagt Linda. „Zu diesem Zeitpunkt waren wir ganz im Augenblick, alles drehte sich nur noch um die Wanderung. Der Alltag war in weite Ferne gerückt.“
Karolinas und Lindas Ratschläge für Anfänger:
- Bereite dich gut vor und recherchiere im Voraus.
- Trage eine doppelte Schicht Wollsocken.
- Packe nur das Nötigste ein, damit du kein zusätzliches Gewicht schleppen musst.
- Nimm dir Zeit für Pausen, um zu essen, zu trinken und die schöne Umgebung zu genießen.
- Hab keine Angst, etwas auszuprobieren. Du wirst die Erfahrung nicht bereuen!
--
Positive Überraschungen.
Natürlich hatte die Wanderung auch ihre kleinen Tücken. Karolina kämpfte mit Knieschmerzen und hatte eine Blase, die sich entzündete und sie zwang, die letzten 30 Kilometer in Sandalen zu laufen. Linda beschloss, in eine Schlafmatte zu investieren, die „schlaffreundlicher“ ist als die, die sie mitgebracht hatte.
Dennoch waren die meisten Überraschungen auf dem Classic positiv.
„Ich war verblüfft, wie wenig man eigentlich braucht, um zurechtzukommen“, bemerkt Karolina. „Die meiste Zeit ohne Handyempfang zu sein, war weniger beängstigend, als ich dachte. Es war befreiend, im Hier und Jetzt zu sein, ohne Ablenkungen.“
„Ich war beeindruckt von der Schönheit der Natur in diesem Ausmaß und davon, dass wir die Möglichkeit haben, uns in ihr frei zu bewegen“, erzählt Linda. „Das Recht auf öffentlichen Zugang ist etwas Einzigartiges und eine Erinnerung daran, dass wir uns um die Natur kümmern müssen. Es war auch wunderbar, auf dem Weg so viele nette Menschen zu treffen und zu erfahren, dass gefriergetrocknete Lebensmittel heute ganz anders sind als das, was ich als Kind gegessen habe!“
Abgesehen von der Geburt ihrer Kinder bezeichnet Karolina den Fjällräven Classic Sweden als die beste Erfahrung, die sie je gemacht hat. Sie hat auch das Gefühl, dass sich ihre Beziehung zur Natur vertieft hat, was auch Linda bestätigen kann:
„Es war eine ganz andere Erfahrung, als wenn ich jogge oder Ski fahren gehe. Eine Wanderung von 110 Kilometern braucht viel Zeit. Man hat Raum zum Reflektieren und kann ganz anderes nachdenken. Außerdem wird man sich seines Körpers bewusster und merkt, wie gut es ist, ihn auf diese Weise zu nutzen. Alles, was du mitnehmen musst, trägst du auf deinem Rücken. Wenn man dann noch die unglaublich schöne Natur, den fehlenden Handyempfang und eine gute Freundin, mit der man das alles teilen kann, dazu nimmt ... nun ja, keiner von uns hat so eine Erfahrung zuvor gemacht. Es war unglaublich.“
Wusstest du, dass die Natur die Seele beruhigen kann?
Während ihrer Vorbereitungen für den Fjällräven Classic in Schweden – und der Wanderung selbst – entdeckten Karolina und Linda die beruhigende Wirkung der Natur. Ihre Erfahrung ist kein Einzelfall. Es gibt immer mehr Forschungsarbeiten, die sich mit den positiven Auswirkungen der Natur auf unsere psychische Gesundheit befassen.
Eine der frühesten stammt aus dem Jahr 1989: „The Experience of Nature: A Psychological Perspective“. Das Buch von Rachel und Stephen Kaplan, den renommierten Psychologieprofessoren der Universität von Michigan, befasst sich mit gerichteter und unwillkürlicher Aufmerksamkeit.
Kurz gesagt, verarbeitet das Gehirn jede Sekunde Millionen von Informationssignalen. Im Alltag nutzen wir die gerichtete Aufmerksamkeit zum Planen, Entscheiden und Erinnern. Diese Art der Aufmerksamkeit belastet das Gehirn und verbraucht viel Energie. Nach einer solchen Belastung muss sich das Gehirn erholen – und hier kommt die unwillkürliche Aufmerksamkeit ins Spiel. Wenn wir uns in der Natur aufhalten, werden wir ebenfalls mit Eindrücken bombardiert, die jedoch nicht unsere gerichtete Aufmerksamkeit erfordern. Unsere Sinne können sich mit wenig Aufwand um sie kümmern. Die unwillkürliche Aufmerksamkeit ist so etwas wie ein „Spa“ für das Gehirn, eine Quelle der Ruhe und Entspannung.
Das ist einer der Gründe, warum Fjällräven immer wieder Wege entwickelt, um Menschen zu ermutigen, in die Natur zu gehen. Veranstaltungen wie der Fjällräven Classic mit seinen geplanten Routen und erfahrenen ehrenamtlichen Helfern ermöglichen es mehr Menschen, die Natur zu erleben. Und zwar in einer Art und Weise, die vielleicht schwer zugänglich oder einschüchternd wäre, wenn man es alleine versuchen würde.
Veröffentlicht In
Verwandte Artikel
Weitere Storys über den Fjällräven Classic

Fjällräven Classic
Lesedauer 6 Minuten
Kurz gesagt, handelt es sich beim Fjällräven Classic um eine mehrtägige Wanderung: Du packst alles Notwendige ein und Fjällräven kümmert sich um die Organisation. Finde heraus, ob diese beliebte Trekkingserie das Richtige für dich ist.
Mehr lesen
Fjällräven Classic
Lesedauer 5 Minuten
In den weitläufigen Colorado Rockies traf Ian Finch während des Fjällräven Classic USA auf Manny Almonte vom Outdoor-Mentorenprogramm „Camping to Connect“ – und das hat Ian von Manny auf der 48 Kilometer langen Wanderung über die Kraft der Natur gelernt.
Mehr lesen
Abenteuer
Lesedauer 8 Minuten
110 Kilometer zu Fuß zurückzulegen, ist selbst für viele Erwachsene eine große Herausforderung – ganz zu schweigen von Kindern. Julia (12), Aron (13) und Noam (11) waren bereit, sich der Challenge zu stellen. Ihr Fazit zum Fjällräven Classic: Macht es!
Mehr lesen







