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Wenn die Natur zum Klassenzimmer wird

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Lesedauer 4 Minuten
Der Forscher Francois Malherbe nutzt die uralte Kunst, wilde Tiere zu Fuß aufzuspüren, um jungen Menschen ein besseres Verständnis für die Grundprinzipien der Neugier zu vermitteln und ihnen die Freude am Entdecken nahezubringen. Hier erklärt er seine Arbeit und warum er glaubt, dass Neugier der Schlüssel zu einer empathischeren Welt ist.

Francois Malherbe ist Forscher, Karrierecoach und Mitglied des Explorers Clubs – einer internationalen Organisation, die sich der Förderung von Feldforschung und wissenschaftlichen Untersuchungen widmet. Er arbeitet am Südzipfel Afrikas in den Gebieten zwischen Kapstadt in Südafrika sowie dem Okavangodelta und der Zentral-Kalahari in Botswana. Dort leitet er die Curiosity Company: Er nutzt die uralte Kunst, wilde Tiere zu Fuß aufzuspüren, um jungen Entdeckern die Grundlagen zu vermitteln, wie sie mit Hilfe von Neugier Lösungen für Probleme finden können.
„Ich habe die Curiosity Company gegründet, um jungen Menschen neue Fähigkeiten zu vermitteln. Diese sollen sie in die Lage versetzen, sich in einem Arbeitsleben zurechtzufinden, das sich ständig verändert, indem sie ihren Entdeckungsdrang bewahren. In den letzten 15 Jahren hat mein Unternehmen Jugendgruppen in viele verschiedene und entlegene Gebiete geführt. Ich nenne mich spaßeshalber Chief Curiosity Officer – das ist eine Zusammenfassung meiner Arbeit als Karrierecoach, Entdecker und Naturführer“, sagt Francois.
Er ist in Kwazulu Natal im Südosten Südafrikas aufgewachsen. Dort hat Francois schon früh gelernt, die Natur zu schätzen und die positiven Auswirkungen, die sie auf uns haben kann, zu erkennen. „Ich hatte das Privileg, von klein auf regelmäßig Zeit in der Natur zu verbringen. Meine Eltern haben mir beigebracht, wie man die natürliche Umwelt schützt und pflegt. Das hat mir später geholfen, meine Rolle beim Schutz von Wildgebieten zu verstehen.“

Die Natur hat mich schon immer fasziniert, weil ich inmitten einer reichen biologischen Vielfalt aufgewachsen bin. Zugleich lehrte sie mich auch, Ehrfurcht vor ihr zu haben. Das hat meine Neugier bis heute aufrechterhalten.

Francois Malherbe

Francois ist jedoch der Meinung, dass die Menschheit in vielerlei Hinsicht die Fähigkeit zur Neugier verloren hat. „Neugier ist eine Superkraft! Sie wappnet die Menschen für die Zukunft, denn sie bringt sie dorthin, wo sie hinwollen, und lehrt sie, was sie lernen müssen“, schwärmt er. In einer Welt, in der wir auf Knopfdruck Antworten auf so gut wie alles bekommen, was wir wissen wollen, haben wir verlernt, die richtigen Fragen zu stellen. Francois ist der Meinung, dass wir stattdessen bereit sein sollten, das Unbekannte anzunehmen und den Antworten Zeit zum Reifen zu lassen.
Er war schon immer von Entdeckungen begeistert und verbrachte sogar ein Jahr auf See, als er eine neue Richtung in seinem Leben suchte. Während dieses Segeltörns beschloss er, die Curiosity Company zu gründen und damit einen Ort zu schaffen, der andere dazu ermutigt, die Denkweise eines Entdeckers einzunehmen. Francois glaubt, dass uns dies helfen kann, wertvolle Fähigkeiten zu erlernen: „Das Arbeitsleben der Zukunft wird sich um die Lösung von Umweltproblemen drehen. Um sie zu lösen, müssen wir uns daran erinnern, dass nicht die Erde, sondern die Menschen geheilt werden müssen. Wenn wir von dieser Erde verschwinden, werden alle Ökosysteme und das Leben auf der Erde wiederhergestellt. Wir Menschen müssen unseren Platz in der Wildnis und in der Natur wiederfinden, damit sowohl wir als auch die Ökosysteme gedeihen können.“
Francois beschreibt, wie ein Besuch beim Volk der San in der Zentral-Kalahari in Botswana sein Leben veränderte. „Unter dem Sand der Kalahari fließen uralte Geschichten, und man spürt sie mit jeder Faser seines Wesens. Die Bedeutung dieses Ortes ist sehr groß, da man davon ausgeht, dass alle modernen Menschen Nachfahren der San sind. Sie sind unsere ältesten menschlichen Vorfahren. Eines Morgens machten wir einen Spaziergang, um eine Oryxantilope zu verfolgen. Meine Gehgeschwindigkeit war viel schneller als die der San. Irgendwann legte mir einer der Ältesten in der Gruppe die Hand auf die Schulter und flüsterte mir ins Ohr: ‚Du musst langsamer gehen, damit deine Seele Zeit hat, aufzuholen. So wirst du eins mit den Mysterien der Natur.‘“
Laut Francois schenkten die San ihm das Verständnis dafür, die Neugier in der Natur einzusetzen. Sie zeigten ihm, wie uralte Lösungen Probleme von heute lösen können. Sie brachten ihm bei, ein Teilnehmer statt ein Zuschauer zu sein. Insbesondere lehrten sie ihn die uralte Kunst, wilde Tiere zu Fuß aufzuspüren. Mit diesem Wissen begann Francois, Fährtenlese-Expeditionen zu entlegenen Orten in Botswana zu organisieren, um anderen zu zeigen, wie sie neue Beziehungen zu unbekannten Umgebungen aufbauen können.
„Fährtenlesen in seiner reinsten Form ist eine echte Ganzkörpererfahrung. Wenn wir zum Beispiel einen Leoparden aufspüren, finden wir eine Spur oder ein Zeichen seiner Existenz und beginnen, nach Hinweisen zu suchen: die Größe der Spur, die Richtung, aus der sie kam, das Tempo des Tieres und so weiter. Wenn wir das wissen, können wir anfangen, Fragen zu stellen: ‚Warum war er hier? Wann war er hier? Was hat er getan?‘ Wenn wir die Spur verlieren, müssen wir den Kopf heben, das Gesamtbild betrachten und uns fragen: ‚Wohin würde ich gehen, wenn ich ein Leopard wäre?‘ In diesem Moment lernt man, seiner Intuition zu vertrauen. Unser Körper gibt uns immer die besten Hinweise darauf, wie wir ein gutes Leben führen können, sowohl in der Natur als auch im Alltag. Deshalb müssen wir auf unseren Körper hören“, sagt Francois.
Sein ultimatives Ziel ist es, ein Curiosity-Club-Headquarter für junge Entdecker zu gründen. Dort sollen sie zusammenkommen und lernen, wie sie ihre Instinkte des Forscherdrangs und der Neugier bewahren. Es wäre ein Ort, der die Arbeit des Unternehmens fortsetzt – ein Ort, der Menschen hilft, die Probleme zu lösen, die es wert sind, für eine bessere Zukunft gelöst zu werden.
Veröffentlicht im August 2023

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