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Zittern vor Kälte? Schuld ist dein Hypothalamus.

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Lesedauer 8 Minuten
Wenn uns kalt wird, greift unser natürliches Abwehrsystem ein. Es lässt uns frieren, zittern und frösteln – so bittet unser Körper uns um Hilfe. Aber was passiert dabei eigentlich in unserem Körper? Und was hilft uns, warm zu bleiben? Wir haben zwei Experten gebeten, uns zu erklären, was das Kältegefühl ausmacht und wie wir es am besten vermeiden können.

Es passiert, wenn es wirklich windig ist, wenn man in den Regen kommt oder wenn die Temperatur sinkt: Uns wird kalt. Wir frieren. Wir beginnen zu zittern. Aber – was passiert wirklich in unserem Körper und warum reagieren wir so, wie wir es tun?
„Unsere Haut ist ein Netzwerk an Sensoren, das ständig Informationen an unser Gehirn sendet. Wenn sie eine Temperaturänderung spürt, sendet sie sofort Informationen an den Hypothalamus in der Mitte unseres Gehirns, um uns mitzuteilen, dass unser Körper etwas tun muss, um seine Kerntemperatur aufrechtzuerhalten“, sagt Roger Kölegård, Forscher für Umweltphysiologie an der Königlich Technischen Hochschule KTH in Stockholm.
Er erforscht, wie Menschen auf außergewöhnliche Bedingungen wie etwa extreme Kälte, Hitze, Höhen, Wasserdruck und g-Kräfte reagieren. Seine Forschung befasst sich unter anderem damit, wie wir durch Kälte verursachte Verletzungen vermeiden können, wie Menschen sich besser an niedrigere Temperaturen anpassen können und wie unser Blutfluss gesteuert wird.
Sobald wir anfangen zu frieren, verengen sich unsere Blutgefäße, um den Blutfluss an der Körperoberfläche zu verringern. Der Körper beginnt, sich darauf zu konzentrieren, seinen Kern warm zu halten, während die Haut und beispielsweise die Hände und Füße kälter werden, wenn wir sie nicht vor Kälte schützen.
Kälteverletzungen vermeiden – eine Checkliste
Zu Tagesbeginn
  1. Bereite Essen und Getränke vor. Plane Pausen und Mahlzeiten ein.
  2. Erstelle einen Reiseplan für den Tag und plane mindestens eine, bestenfalls aber mehrere alternative Routen, falls sich deine Situation ändert.
  3. Informiere dich über Temperatur-, Wind- und Wettervorhersagen.
  4. Überprüfe deine Kleidung und Ausrüstung.
  5. Verzichte auf Duschen und Rasieren am Morgen.
  6. Starte trocken, warm und wohlgenährt in den Tag.
Unterwegs
  1. Passe deine Geschwindigkeit an Temperatur und Wetter an.
  2. Passe deine Kleidung nach Bedarf an – ist alles trocken?
  3. Achte auf den allgemeinen Gesundheitszustand aller Mitglieder der Gruppe.
  4. Inspiziere deine Hände, Füße und dein Gesicht (weiße Flecken/Gefühlsverlust).
  5. Iss und trink regelmäßig.
  6. Wenn sich das Wetter ändert und z. B. ein starker Wind aufzieht, drehe um oder suche Zuflucht.
  7. Wenn du ruhig stehst oder sitzt, benutze isolierendes Material als Schutz vor dem kalten Boden.
Am Ende des Tages
  1. Kümmere dich um deine Körperhygiene.
  2. Inspiziere deine Hände und Füße.
  3. Massiere deine Füße und creme deine Hände ein, um Risse zu vermeiden.
„Die Aufrechterhaltung der Durchblutung des Gehirns hat oberste Priorität, aber der gesamte Rumpf hat normalerweise eine relativ stabile Temperatur. In den Beinen und Armen kann die Temperatur jedoch sehr schnell sinken“, erklärt Roger.
Sich an die Kälte gewöhnen
Sobald dir kalt geworden ist, musst du dein Verhalten ändern – dich bewegen, um mehr Wärme zu erzeugen oder dir mehr Kleidung anziehen, um den Wärmeverlust zu verringern. Auch hierbei spielen die Signale des Körpers an das Gehirn eine wichtige Rolle. Solange uns nicht so kalt ist, dass wir apathisch werden, werden wir Impulse zum Selbstschutz erhalten. Wir fangen üblicherweise an, uns zu bewegen, um Wärme zu erzeugen.
„Aber wenn du die Sensoren in der Haut schnell abkühlst oder deine Kerntemperatur sinkt, fängst du an, zu zittern. Das ist der nächste Schutzmechanismus, um deine Kerntemperatur hoch zu halten. Es ist eine unwillkürliche Muskelreaktion, die du nicht selbst kontrollieren kannst – so versucht dein Körper, etwas Wärme zu erzeugen“, sagt Roger.
Wenn die Temperatur in deinen Händen sinkt, verschlechtert sich deine Feinmotorik. Das kennen wir alle. Wir können nicht mehr tun, was uns normalerweise leicht fällt.
„Aber bis zu einem gewissen Grad kann man sich an die Kälte gewöhnen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Menschen, wenn sie daran gewöhnt sind, trotz niedriger Temperaturen eine bessere Funktionalität in ihren Händen behalten können. Ihr Körper hat begonnen, mehr Blut in die Haut zu pumpen, so dass z. B. die Hände besser arbeiten können. Das ist auch der Grund, warum wir den Beginn des Winters kälter wahrnehmen als sein Ende – man gewöhnt sich ganz einfach daran.“
Dass verschiedene Menschen Kälte unterschiedlich empfinden, ist offensichtlich und es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Frauen im Allgemeinen kältere Hände und Füße haben als Männer. „Leider ist die Temperaturregulierung bei Frauen weniger erforscht als bei Männern – das hängt von mehreren Faktoren ab“, sagt Roger. Männer sind zum einen eher bereit, sich an der Forschung zu beteiligen und zum anderen wird bei Frauen die Fähigkeit, die Temperatur zu regulieren, durch Hormone beeinflusst, die sich innerhalb eines Monatszyklus stark verändern.
Die Wärme bewahren
Verschiedene Dinge haben Einfluss darauf, wie kalt es uns wird. Faktoren wie Stoffwechsel, körperliche Arbeit und Atmung spielen eine wichtige Rolle. Diese Dinge werden durch die Art und Weise, wie wir uns kleiden, nicht beeinflusst.
„Aber es gibt andere Faktoren, die wir beeinflussen können“, sagt Felix Aejmelaeus-Lindström, Produktionskoordinator bei Fjällräven. Er nennt Strahlung, Konvektion, Konduktion und Verdunstung als Faktoren, die die Materialwahl und die Art und Weise, wie wir uns kleiden, beeinflussen.
„Wenn dir kalt ist, bedeutet das, dass du Wärme aus deinem Körper verloren hast. Wir sollten deshalb warme Luft in unserer Kleidung einschließen, um Luftschichten zu schaffen, die als Isolierung dienen. Das erreichen wir, indem wir winddichtes Material und Belüftungsöffnungen auf die richtige Art und Weise verwenden“, so Felix.
Eine Fleece-Mittelschicht und eine dicke Windjacke reichen meist völlig aus. Die äußere Schicht braucht keine wärmenden Eigenschaften, sie muss nur den Wind abhalten. So kann der Körper die Luftschicht erwärmen, die der Haut am nächsten liegt. Um diese Luftschicht warmzuhalten, solltest du wärmeleitende Materialien in der Kleidung vermeiden, die dich wärmen soll.
„Metallknöpfe beispielsweise, die durch ein Winterkleidungsstück hindurchgehen, sollten vermieden werden. Metall leitet Wärme und so können Metallknöpfe Kälte von außen nach innen leiten. Wir sollten hingegen isolierende Materialien wie Daunen oder Wolle verwenden. Und damit das Kleidungsstück so warm wie möglich ist, muss seine Konstruktion vermeiden, dass es kalte Stellen gibt“, sagt Felix.
Er fügt jedoch hinzu, dass, wenn dir bereits kalt ist, dich selbst ein warmes Kleidungsstück nicht wärmen kann. Die Kleidung erhält zwar die Wärme, aber die Wärme muss vom Körper selbst erzeugt werden.
„Das zeigt sich beispielsweise, wenn man in einen Schlafsack steigt, wenn es draußen wirklich kalt ist. Ist dir kalt, wenn du in den Schlafsack kriechst, wird dir auch kalt sein, wenn du erst einmal drin bist. Aber wenn du dich vorher aufwärmst, wärmt so dein Körper den Schlafsack auf, der Schlafsack nimmt die Wärme auf und du schläfst gut“, erklärt Felix.
Schwitzen vermeiden
Verdunstung ist natürlich ein weiterer wichtiger Faktor, der bestimmt, wie warm du bleibst. Wenn du nass wirst, kühlst du aus. Bei kaltem Wetter ist es also entscheidend, dass dir nicht so warm wird, dass du zu schwitzen beginnst.
„Solange du dich bewegst, ist das kein Problem. Aber wenn du einmal stehen bleibst – vor allem, wenn eine leichte Brise weht – kühlst du schnell ab und frierst“, sagt Felix.
„Es ist daher wichtig, Kleidungsstücke zu tragen, die die Feuchtigkeit von der Haut wegtransportieren. Und, je nach Situation, ein Bekleidungssystem mit verschiedenen Isolierschichten und einer durchdachten Belüftung zu verwenden. Wie ein Getriebe mit verschiedenen Gängen.“
Eine Wollschicht, die der Haut am nächsten liegt, ist ein guter Anfang. Wolle ist bekannt für ihre Fähigkeit, Feuchtigkeit vom Körper wegzutransportieren und Wärme zu spenden. Aber du musst auch darüber nachdenken, wie du deine Kleidung trägst und wie du den Luftstrom blockieren kannst, um die bestmögliche Isolierung zu erreichen.

Man kann sich an die Kälte gewöhnen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Menschen, wenn sie daran gewöhnt sind, trotz niedriger Temperaturen eine bessere Funktionalität in ihren Händen behalten können.

„Selbst die wärmste Daunenjacke der Welt wird die Wärme durch die Halsöffnung nach außen entweichen lassen, wenn sie dir zu groß ist. So entsteht ein Vakuum, das kalte Luft von unten ansaugt“, sagt Felix.
„Wenn du Kleidung im richtigen Design und in der richtigen Größe trägst – am besten mit einem Schal oder einem Halswärmer – kannst du diese Art von Luftstrom in Schach halten“, behauptet er.
Roger stimmt zu, dass es eine Kombination aus dem ist, was wir tun, welche Materialien wir verwenden und wie wir uns in jeder Situation kleiden, die beeinflusst, wie gut wir unsere Wärme erhalten.
„Wenn du in der Kälte auf den Bus wartest und anfängst, dich ein wenig zu bewegen, um warm zu bleiben, kannst du mehr Energie verlieren als du erzeugst. Sicherlich erwärmst du die Luft, die der Haut am nächsten ist, aber wenn du die Beine bewegst, könnte diese warme Luft über die Hosenbeine austreten“, sagt er.
Wenn du nur in der Stadt auf den Bus wartest, ist das kein Problem, aber wenn du in den Bergen unterwegs bist, kann die Situation bedrohlicher werden. Es ist so wichtig, sich vor Wind und Feuchtigkeit zu schützen.
„Unser Verhalten ist der wichtigste Faktor – dass du dich richtig anziehst, nicht schwitzt und nicht apathisch wirst, wenn dir kalt wird. Wenn deine Kerntemperatur sinkt, musst du dich richtig bewegen, um sie wieder hochzukriegen. Das bedeutet, mehr als nur auf der Stelle zu hüpfen. Du musst deinen Puls wirklich hochtreiben und vor allem Kleidung tragen, die Feuchtigkeit und Wind abhält“, sagt Roger.
Er betont auch, wie wichtig es ist, trocken zu bleiben. Wasser leitet Wärme, und um sicherzustellen, dass du nicht nass und dir demnach nicht kalt wird, musst du darauf achten, dass du beim Training nicht zu viel Kleidung trägst. Denn sobald du schwitzt, wirst du nass. Dir sollte am Anfang eher ein bisschen kühl sein, als während des Trainings zu warm. Wenn du eine Pause machst, kannst du dann eine zusätzliche Schicht anziehen, um die Wärme zu bewahren.
In NATO-Soldatenhandbüchern weltweit heißt es, dass man bei kaltem Wetter immer prüfen sollte, nicht zu viel Kleidung zu tragen, bevor man hinausgeht. Es wird nie erwähnt, dass man überprüfen sollte, ob man zu wenig Kleidung trägt.
„Denn das passiert nie“, so Roger.

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