
Fjällräven Polar
Lesedauer 9 Minuten
Kitty Zaja, eine Teilnehmerin des Fjällräven Polar 2018, berichtet uns von ihren Erfahrungen und wie diese Reise ihr Leben verändert hat.
Jedes Jahr nimmt Fjällräven eine Gruppe von 20 Bewerber*innen aus der ganzen Welt mit in die skandinavische Arktis, um das Abenteuer ihres Lebens zu erleben: 300 km mit dem Schlittenhundegespann durch die Wildnis, oberhalb des Polarkreises. Für Kitty begann ihr persönliches Abenteuer jedoch schon 2016, als sie auf Social Media einen Beitrag dazu entdeckte. Fest entschlossen daran teilzunehmen, bewarb sie sich sogar zweimal, bis sie 2018 schließlich in das Fjällräven Polar Team aufgenommen wurde. Aber für Kitty blieb es nicht bei der 300 km langen Reise durch die arktische Tundra, denn danach stellte sich ihr Leben erst so richtig auf den Kopf! Sie lebt und arbeitet jetzt nämlich in Nordschweden hauptberuflich als Schlittenhundeführerin und Tourguide.
Kitty erzählt uns in ihren eigenen Worten von ihren Erlebnissen, warum sie sich für die Teilnahme entschieden hat und wie sich ihr Leben danach für immer verändert hat.
Erzähl doch mal, Kitty, wie kam es überhaupt zu deiner Teilnahme am Fjällräven Polar?
Meine Mutter ist seit 1989 Siberian Husky-Züchterin in Ungarn. Ich bin also mit Schlittenhunden aufgewachsen. In meiner Kindheit habe ich die meisten Wochenenden mit meiner Mutter und meiner Schwester auf Hundeausstellungen verbracht – und ich habe es geliebt! Das meiste davon hatte ich aber dann auch schon wieder vergessen, als ich fünf Jahre vor meiner Teilnahme am Fjällräven Polar von Ungarn nach Dänemark gezogen war, um dort an der Universität Umweltmanagement zu studieren. Ich hatte gerade mein erstes Studium abgeschlossen und mich für ein zweites beworben, Globale Gesundheits- und Ernährungswissenschaften. Außerdem habe ich jeden Morgen von 6 bis 10 Uhr in einer Krankenhausküche gearbeitet und fast jeden Abend im Fitnessstudio trainiert. Ich hatte also wenig Zeit zum Nachdenken. Mein Tagesablauf war immer der Gleiche: Arbeit, Studium, Workout und wieder von vorne. Dann habe ich auf Facebook den Aufruf für die Teilnahme am Fjällräven Polar 2017 gesehen und es hat mich sofort gepackt: ‚Fjällräven Polar, ich komme!‘ – dachte ich zumindest.
Du wurdest bei deiner ersten Bewerbung für den Fjällräven Polar nicht genommen – wie hat sich das angefühlt?
Ehrlich gesagt, als ich mich 2017 das erste Mal beworben habe, war ich mir zu 110 % sicher, dass ich genommen werde. Doch dann ist daraus leider nichts geworden. Aber irgendwie auch eine witzige Story, denn ich musste mein Bewerbungsvideo im Fitnessstudio hochladen, weil dort das WLAN-Signal stärker als bei mir zu Hause war. Ich war währenddessen sogar auf dem Laufband – die Leute im Fitnessstudio müssen mich für verrückt gehalten haben.
Am Ende war es dann richtig knapp und deshalb umso ärgerlicher. Ich war enttäuscht und wütend auf mich selbst, weil ich das Gefühl hatte, dass ich nicht genug gegeben habe. Ich mochte mein Video auch nicht wirklich. Aber dann hat es mich vor allen Dingen dazu angespornt, es einfach weiter zu versuchen.
Was hat dich dazu motiviert, dich 2018 zu bewerben, nachdem du es 2017 nicht in das Team geschafft hattest?
Nachdem ich es 2017 nicht genommen wurde, habe ich angefangen zu reisen und Freunde besucht. Eine*r von ihnen hat mir dann eine Motivationsrede gezeigt. Die Rede heißt „Choice“ (dt. „Wahl“) und stammt von Alan Watts. In der Rede geht es darum, dass du bei jeder Entscheidung, die du in deinem Leben triffst, versuchen solltest, dich als Wolke oder als Welle zu betrachten. Es gibt nämlich keine „falschen“ Wolken oder „komischen“ Wellen. Wenn du dich also wie eine Wolke oder eine Welle fühlst, kannst du noch so viele Fehler machen – auch wenn sie noch so absurd sind –, denn am Ende wird sich alles von selbst ergeben. Dadurch entwickelt man immer mehr Selbstvertrauen und lernt besser auf sich und die eigene Intuition zu vertrauen. Ich hatte diese Rede sogar als Wecker, damit ich sie jeden Tag zum Aufwachen hören konnte. Und das hat mein ganzes Leben beeinflusst. Davor sind mir Entscheidungen richtig schwergefallen. Ich habe oft meine Meinung geändert, bin viel umgezogen, habe Beziehungen beendet. Diese Rede ist mir dann aber nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Ich habe mich von ihr sogar zu einem Tattoo inspirieren lassen, nachdem ich 2017 gewonnen hatte.
Ich wollte unbedingt zum Fjällräven Polar, obwohl ich nicht wusste, was andere von mir denken würden, und ich hatte auch Selbstzweifel. Aber dann habe ich es trotzdem einfach durchgezogen. Denn jede und jeder will etwas anderes im Leben und das ist auch völlig okay. Im März 2017 bin ich zurück nach Ungarn gezogen, weil ich Heimweh hatte. Dabei kam mir auch die Idee für mein neues Bewerbungsvideo. Meine Mutter und ich haben dann das Drehbuch zusammengeschrieben. Wir wollten eine Parodie über Mitfahrgelegenheiten machen. In diesem Prozess habe ich auch gelernt, wie man Videos schneidet. Und ich habe mir jeden Monat etwas überlegt, um mich körperlich und mental auf die Expedition vorzubereiten.
Berichte mal von deiner Zeit beim Fjällräven Polar. Was waren deine persönlichen Highlights?
Der Fjällräven Polar war das Beste, was mir je passiert ist. Es war eine Erfahrung, an die ich mich mein ganzes Leben lang erinnern werde. Einer der größten Höhepunkte der Reise war für mich, als ich zum ersten Mal die Nordlichter gesehen habe. Wir haben alle gejubelt und in den Himmel geschrien, weil wir so aufgeregt waren. Ein weiteres Highlight war, dass das ganze Team so gut aufeinander eingespielt war. Niemand hing am Handy rum. Niemand hat sich mit dem Alltag zu Hause beschäftigt. Wenn wir am Lagerfeuer saßen, hat jeder mit jedem gequatscht – es hat sich wie unsere eigene, kleine Familie angefühlt.
Ab dem Zeitpunkt, als wir zum ersten Mal den Hunden begegnet sind, gab es auch sofort richtig viel zu tun: Geschirr anlegen, füttern, das Lager zusammenpacken und alle Vorbereitungen für die Reise treffen. Als wir dann mit dem Hundeschlitten unterwegs waren, war es plötzlich ganz still. Man befindet sich wie in einer weißen Box und ist allein mit seinen Gedanken. So hatte ich Zeit, über mein Leben nachzudenken, wo mir dann auch ziemlich schnell klar wurde, dass ich nicht glücklich war und etwas ändern musste.
Wie hat es sich angefühlt, nach dem Fjällräven Polar wieder ins „echte Leben“ zurückzukehren?
Vor dem Fjällräven Polar war ich sehr unsicher, was meine Entscheidungen betraf, und habe mir oft den Kopf darüber zerbrochen, was andere von mir denken könnten. Also habe ich versucht mich anzupassen, um mich zurechtzufinden. Aber nach dem Fjällräven Polar habe ich meine Gedanken und meine Einstellung zu diesen Dingen geändert, weil mir klar geworden ist, dass dieses das einzige Leben ist, das ich habe – und wenn ich es so lebe, wie andere es von mir erwarten, werde ich nie glücklich sein. Als ich an meinem ersten Arbeitstag zurück ins Büro kam, fragten mich alle nach meiner Erfahrung bei Fjällräven Polar. Erst habe ich ihnen Fotos von mir bei der Expedition gezeigt und darüber berichtet – aber dann sind auch alle schnell wieder ihrer Arbeit nachgegangen. Das Büro, in dem ich zu dieser Zeit war, hatte keine Fenster. In diesem Moment hat es bei mir Klick gemacht. Ich muss etwas mit meinem Leben machen, das mich glücklich macht. Etwas, das mit Hunden zu tun hat. Zehn Tage nach dem Ende des Fjällräven Polar habe ich mich für einen Job in Alaska beworben, bei dem man mit Schlittenhunden arbeitet. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich bin dann am Ende in Schweden gelandet und arbeite seitdem als Guide auf Schlittenhundetouren bei Lapland Wilderness Tours.
Es ist unfassbar schön zu hören, wie positiv sich der Fjällräven Polar auf deine Einstellung zum Leben ausgewirkt hat. Kannst du uns denn etwas aus deinem jetzigen Leben und deiner Arbeit erzählen?
Ich bin fünf Monate nach dem Fjällräven Polar nach Schweden gezogen. Das war mit Abstand eine der aufregendsten Zeiten in meinem Leben. Alles war so neu und unbekannt – ich wusste nicht einmal, was ich dorthin mitnehmen sollte. Ich war nicht völlig unvorbereitet, aber ich wusste natürlich nicht, was mich bei dem Job erwarten würde. Ich habe jeden Tag etwas Neues gelernt. Mein Chef ist super und meine Kollegen sind wirklich alle sehr nett. Es macht unglaublich Spaß, so viel Zeit mit den Hunden zu verbringen. Es ist ein großartiges Gefühl, Menschen zeigen zu können, dass man das Leben auch anders leben kann. Wir haben zwar ziemlich lange Arbeitszeiten von 7:30 bis 18:30 Uhr, aber das zahlt sich am Ende alles aus, wenn ich bei den Hunden sein darf. Ich liebe meinen Job und mein Leben heute sehr.
Ich wohne in der Nähe von Väkkärä, genau da, wo die Fjällräven Polar 2017 Expedition geendet hat. Ich muss zugeben, dass ich jedes Mal, wenn ich dort am See vorbeikomme, so stolz auf mich bin und über die Entscheidungen, die ich getroffen habe! Während des Fjällräven Polar habe ich oft zu unserem Guide gesagt, dass er den besten Job der Welt hat. Jetzt bin ich hier, anderthalb Jahre später, und mache denselben Job. Verrückt, oder!? Heute fühle ich mich in meinen Entscheidungen viel sicherer. Dabei stelle ich mich, meine Familie, meine Freunde und die Hunde an erste Stelle. Ich muss mir zum Glück nichts mehr beweisen.
Was würdest du Leuten raten, die darüber nachdenken, sich dieses Jahr zu bewerben?
Mach es! Bitte, tu es einfach. Versuche, so viele Menschen wie möglich und die Jury von dir zu überzeugen, und erstelle kreative Inhalte. Zweifle dabei nie an dir selbst, denn wenn du es wirklich willst, wirst du es auch zum Fjällräven Polar schaffen. Dadurch wird sich vieles, vielleicht sogar dein ganzes Leben verändern. Du wirst dir selbst und deinen Entscheidungen mehr Bedeutung beimessen. Du wirst definitiv nicht mehr derselbe Mensch sein wie zuvor. Du wirst einen stärkeren Drang danach verspüren, draußen in der Natur zu sein. Du wirst lernen, was es heißt zu überleben. Es ist schon lustig, ich habe mal bei einem Interview für eine ungarische Zeitung gesagt, dass wir dort gelernt haben zu überleben, habe mich aber sofort korrigiert: „Eigentlich lernt man nicht zu überleben – sondern man lernt zu leben.“ Eine andere Sache, die du garantiert lernen wirst, ist, dass man nicht viele „Dinge“ braucht, um glücklich zu sein. Du benötigst nicht den neuesten Fernseher oder das neueste Handy. Alles, was du wirklich brauchst, ist die Natur und die Hunde vor Ort. Das ist vielleicht nicht viel, aber es reicht völlig aus. Der Fjällräven Polar ist eine unglaublich tolle Erfahrung, an der jede*r teilnehmen sollte.
Kittys Geschichte ist eine Inspiration und ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, sich selbst treu zu bleiben. Der Fjällräven Polar ist nämlich nicht nur für Outdoorsportler*innen oder professionelle Hundeschlittenführer*innen gedacht – es können sich wirklich alle dafür bewerben. Die einzige Voraussetzung ist, dass man offen und bereit dazu ist, sich auf das Abenteuer seines Lebens einzulassen.
Erlebe das Abenteuer deines Lebens
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