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Warum wir schwierige Dinge tun: Ein Interview mit Ian Finch

Fjällräven Polar
Lesedauer 4 Minuten
Der Expeditionsleiter, Fotograf und Autor Ian Finch hat in aller Welt monatelange Abenteuer unter extremsten Bedingungen erlebt – und sich darauf eine Karriere aufgebaut. Er nimmt uns mit zum Fjällräven Polar und erklärt, warum unsere schwierigsten Momente zu unseren größten Errungenschaften werden können.
Gib uns bitte doch erst mal eine kurze Zusammenfassung: Wie würdest du den Fjällräven Polar beschreiben?
Der Fjällräven Polar ist eine Hundeschlittenexpedition durch Nordskandinavien. Auf der gesamten Reise bist du für dein Hundegespann und das Wohlergehen deiner Hunde verantwortlich. Es ist ein 300 Kilometer langer Trip durch absolut verrückte, wunderschöne Landschaften. Der Fjällräven Polar ist eines der atemberaubendsten Dinge, die ich je gemacht habe.

Es ist ein Gemeinschaftserlebnis, das so einzigartig ist, dass die Gruppe der beteiligten Personen für immer verbunden sein wird. Das ist das Schöne am Fjällräven Polar.

Ian Finch

Expeditionsleiter, Fotograf & Autor

Wie würdest du die Landschaft beschreiben, die du dort erlebt hast?
Sie ging von sanften, bewaldeten Hügeln in riesige, zugefrorene Seen über, auf denen ein eisiger und wilder Wind blies – und wir sprechen hier von wirklich kilometerlangen, vereisten Seen. In der Ferne warten dann wunderschöne Hügel mit Hochebenen. Dort geht es an Hütten und kleinen Häuschen vorbei.

Ich denke, wenn wir etwas über die Umwelt lernen, kümmern wir uns auch um sie.

Ian Finch

Expeditionsleiter, Fotograf & Autor

Dein Leben ist von Erlebnissen in der Natur geprägt. Worin liegen die besonderen Herausforderungen beim Fjällräven Polar?
Du musst bei extrem kalten Temperaturen viel Arbeit erledigen. Das ist anstrengend, und unter solchen Bedingungen kommen bestimmte Eigenschaften von Menschen erst wirklich zum Vorschein. Das ist eine Lektion fürs Leben. In der Kälte ändert sich die gesamte Dynamik eines Abenteuers. Dann gibt es da auch die zusätzliche Ebene der Teamarbeit, die die Menschen wirklich zusammenbringt. Es gibt Zeiten, in denen gute Stimmung herrscht. Es gibt Zeiten, in denen die Leute müde sind. Und es gibt Zeiten des „Flashing“, wie wir das beim Militär nannten. Dann beißt man sich gegenseitig ein wenig. Aber all das schweißt auch zusammen. Es ist ein Gemeinschaftserlebnis, das so einzigartig ist, dass die Beteiligten für immer miteinander verbunden sein werden. Das ist das Schöne am Fjällräven Polar.
Welchen Wert hat es, solche extremen Herausforderungen zu bestehen?
Du kannst auf Erlebnisse wie den Fjällräven Polar immer wieder zurückgreifen, sie auf deinen Alltag übertragen und dir sagen: „Wenn ich in solchen Situationen funktioniere, kann ich auch andere Situationen im Leben meistern!“ Auf der gesamten Reise lernt man eine Menge über sich selbst, weil sie in einer extremen Umgebung stattfindet und weil sie lang und herausfordernd ist – und das ist ein atemberaubendes Abenteuer.
Jeder nimmt vom Fjällräven Polar etwas anderes für sich mit. Was war für dich das wichtigste Learning?
Ich habe sehr viel von George (Wildlife-Fotograf George McKenzie Jr., mit dem Ian das Zelt teilte) gelernt. Ich bin eher ein ernsthafter Typ, wenn es um Herausforderungen wie beim Fjälllräven Polar geht. Er hat mir beigebracht, sogar in schwierigen Situationen den Humor nicht zu verlieren. Schon bei den Marines war eines unserer Credos: „Behaltet auch in Notsituationen immer euren Humor.” Für viele Abenteurer und Menschen, die extreme Erfahrungen machen, ist Humor der Schlüssel zum Erfolg. Er ist ungeheuer wichtig, um die Moral und die Stimmung aufrechtzuhalten.

Weil es in einer extremen Umgebung stattfindet und weil es lang und herausfordernd ist, lernt man viel über sich selbst, und das ist ein schönes Abenteuer.

Ian Finch

Expeditionsleiter, Fotograf & Autor

Outdoor-Fans wollen immer wissen, was andere in ihrem Rucksack haben. Für welche Gegenstände, die du dabeihattest, warst du rückblickend besonders dankbar?
Wow. Der Fjällräven Parka war ein absoluter Gamechanger! Außerdem nehme ich immer Schaumstoffohrenstöpsel mit – das ist unentbehrlich, wenn es schneit, regnet oder sehr windig ist. Und ich hatte meine „Stimmungskanonen“ dabei: Kleine Tütchen mit Schokoladenbonbons, die ich jeden Tag herumgereicht habe. Das schmeckte dann immer ein bisschen nach zu Hause.
Wie sieht es mit der Kameraausrüstung aus? Was sollten angehende Naturfotografen mitnehmen?
Die beste Kamera ist immer die, die man dabeihat – egal, ob es ein iPhone oder eine größere Kamera ist. Man kann mit jeder Kamera Geschichten erzählen. Aber die Fuji X-T2 – das ist eine sehr, sehr gute Kamera, die zudem ziemlich kompakt und handlich ist.
Was ist dein wichtigster Ratschlag in Sachen Storytelling?
Ein befreundeter Dokumentarfilmer hat mir mal den Tipp gegeben, jede Geschichte in fünf Bildern zu erzählen: Beginne mit einer Totalen und gehe dann mit jedem weiteren Foto näher an das Motiv heran, sodass du am Ende eine Totale, eine Nahaufnahme und drei Detailaufnahmen hast. Es ist auch wichtig herauszufinden, wie du deine Geschichte erzählen willst. Kreativität ist etwas sehr Persönliches – wir neigen oft dazu, uns zu viele Gedanken darüber zu machen, was andere von unserer Arbeit halten könnten. Aber es geht darum, deine ganz eigene, einzigartige Bildsprache zu finden und dann selbstbestimmt etwas daraus zu erschaffen.
Warum ist es dir so wichtig, Geschichten über die Orte zu erzählen, die du besuchst?
Weil ich glaube, dass die Umwelt uns umso mehr am Herzen liegen wird, je mehr wir über sie wissen. Als ich den Fjällräven Polar erleben durfte und das Volk der Sámi traf, wurde mir noch klarer, wie wichtig diese Orte für uns alle sind. Diese Menschen haben so viel altes Wissen und Weisheit. Sie teilen ihre Häuser und ihr Essen mit mir. Was kann ich ihnen zurückgeben, das genauso wertvoll ist? Das ist etwas, worüber ich immer wieder nachdenke. Also kann ich zumindest eins tun: Ihre Geschichten von einem authentischen Ort aus erzählen und damit ihr Land, ihre Leute und ihre Natur schätzen. Ich kann Geschichten von der Zerbrechlichkeit der Umwelt erzählen – und davon, wie wir unser Denken, unser Handeln und damit unsere Lebensweise ändern können, um diese Orte zu schützen.
Von Jasmine Pahl
Jasmine Pahl ist Schriftstellerin und liebt es, als Rucksacktouristin und Pilzesammlerin wilde Orte in British Columbia, Kanada und den Appalachen zu erkunden.
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