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Bikepacking in Afrika – von Küste zu Küste

Abenteuer
Der Fotograf und Filmemacher Jens Assur war mit seiner Ehefrau, der Produzentin Jennie Assur, schon häufiger in Afrika unterwegs – aber immer mit einem Auto samt Dachzelt. Im Sommer 2024 erlebten sie den Kontinent aus einer anderen Perspektive: Im Sattel auf einer Radtour von Ost nach West, vom Indischen Ozean zum Atlantik.
„Wir haben Afrika völlig neu kennengelernt“, berichtet Jens. „Wir haben die Hitze gefühlt, die Gerüche gerochen, die Farben gesehen und waren viel näher an den Leuten dran.“
Wie viele Bikepacker genossen Jennie und Jens die Autarkie und Unabhängigkeit auf ihren Rädern. „Dieses Freiheitsgefühl – mit eigener Kraft voranzukommen, dabei der Natur total nahe zu sein und sich auch selbst näherzukommen – ist wahnsinnig befriedigend“, berichtet Jennie. „Du merkst, dass du viel leistungsfähiger bist, als du vorher gedacht hast.“
Gute Vorbereitung ist alles
Die Reise begann für Jennie und Jens im August in der Küstenstadt Beira in Mosambik. Aber der Startschuss für das Abenteuer war schon lange Zeit vorher gefallen – mit der Wahl der Räder. Sie entschieden sich für zwei Tumbleweed Stargazer Gravelbikes, die Jens als „solide und zuverlässig“ beschreibt und für ihre „großartige Rahmengeometrie“ lobt.
Da sie ihre Bikes vor der Reise gut kennenlernen wollten, verbrachten sie viel Zeit mit kürzeren Touren und der Übung gängiger Reparaturen. Ihnen war klar: Vor Ort werden sie keine Ersatzteile bekommen und sich im Falle einer Panne nicht auf fremde Hilfe verlassen können.
Die beiden wohnen mit ihren vier Kindern in einem kleinen Dorf im Norden Schwedens und haben schon viele Outdoorabenteuer gemeinsam erlebt. Auf diesen Erfahrungen bauten sie auf, als sie ihre Ausrüstung für diese einzigartige Reise zusammenstellten. Sie packten ihr Zelt, die Schlafsäcke, einen Kocher, Essen, Wasser, Wasserfilter, Kleidung und Ersatzteile so lange in ihren Taschen um, bis sie die optimale Lösung gefunden hatten. Sie luden hochwertiges Kartenmaterial auf ein zuverlässiges GPS-Gerät und tippten die wichtigsten Notfallnummern in ihre Mobiltelefone ein. Auch ihr medizinisches Notfallset passten sie an die Erfordernisse der Reise an.
Durch Mosambik nach Simbabwe
Bestens vorbereitet, konnten Jennie und Jens in Beira schließlich losradeln. Zunächst ging es westwärts durch Mosambik zur Grenze nach Simbabwe, wo die grünen Hügel der Eastern Highlands warteten – und das erste Highlight des Trips, das Dorf Chimanimani. „Dort hat man eine fantastische Aussicht“, schwärmt Jens. „Und dort leben die bescheidensten und freundlichsten Menschen der Welt.“
Über Bulawayo durchquerten sie Simbabwe und erreichten Victoria Falls an der Grenze zu Sambia, wo sie natürlich auch die gewaltigen Victoriafälle besichtigten. Und sie packten hier ein 6,2 kg schweres Paket mit Sachen, die sich als überflüssig herausgestellt hatten, und schickten es nach Hause. „Wir haben gemerkt, dass zwei Paar Unterhosen für sechs Wochen im Sattel völlig ausreichen“, lacht Jens.
Einzigartige Gastfreundschaft
Am Caprivizipfel im Nordosten Namibias gönnten sie ihren Bikes eine Pause. Radfahren war wegen der Wildtiere zu gefährlich. Aber kein Problem: Ein Einheimischer fuhr sie in seinem Pickup zum Okawango an der Grenze nach Angola – nur ein Beispiel für die überwältigende Gastfreundschaft, die Jennie und Jens während der Reise genießen durften.
„Das Schönste an der Reise waren die Menschen“, findet Jens. „Wenn du da mit dem Rad ankommst, wollen alle mit dir reden und Fragen stellen. Und sie haben uns immer Hilfe angeboten. Wir haben noch nie zuvor so viel Neugier und Freundlichkeit erlebt.“
An der angolanischen Grenze schwangen sie sich wieder in den Sattel und fuhren Richtung Süden durch Namibia. Auf ihrem Weg nach Damaraland und ins Desolation Valley sahen sie Wüstenelefanten, Rhinozerosse und Zebras inmitten einer atemberaubenden Berglandschaft. Nach fünf Wochen im Sattel erreichten sie die windige Atlantikküste und pausierten kurz in Henties Bay. Zum Abschluss kämpften sie sich bei starkem Gegenwind nach Swakopmund durch.
Die große Hitze, die vollgepackten Bikes und die holprigen Sandpisten waren eine anspruchsvolle Herausforderung. Trotzdem sagen Jennie und Jens, dass sie die Reise durch Afrika als besonders erfüllend erlebt haben – nicht zuletzt, weil sie stets flexibel geblieben sind, zahlreiche Pausen eingelegt und viel gemeinsam gelacht haben.
„Beim Bikepacking hast du alles, was du brauchst, direkt bei dir“, findet Jens. „Jeden Tag hast du eine ziemlich einfache Aufgabe zu erfüllen: So gut in die Pedale zu treten, wie du kannst. Und wenn du dann abends dein Zelt aufgebaut hast, in deinen Schlafsack schlüpfst, deinen müden und schmerzerfüllten Körper spürst und den Blick in den Sternenhimmel genießt – das ist einfach ein unglaubliches Gefühl.“
Tipps von Jennie und Jens für Bikepacking-Touren im Ausland
Lerne dein Bike kennen
Lerne, alles zu reparieren, das während der Fahrt kaputtgehen könnte – besonders in abgelegenen Regionen ist es wichtig, Pannen selbstständig beheben zu können.
Beginne mit kurzen Abenteuern in deiner Heimat
Jedes Mal, wenn du eine Radtour machst, lernst du mehr dazu – über dein Equipment, aber auch über dich.
Nutze ein zuverlässiges GPS-Gerät
Bei Touren im Ausland ist es für die Sicherheit und eine komplikationsfreie Fahrt unerlässlich, vor Reiseantritt aktuelles Kartenmaterial herunterzuladen.
Halte immer deine Notfallnummern bereit
Es ist wichtig, dass man sowohl lokale als auch internationale Kontakte schnell erreichen kann.
Packe wenig, aber die richtige Kleidung ein
Du brauchst unterwegs viel weniger, als du vorher glaubst. Aber stelle sicher, dass deine Ausrüstung multifunktional ist und du verschiedene Kleidungsschichten dabeihast, um dich vor Sonne, Regen, Wind, Kälte und Insekten zu schützen.
Veröffentlicht im April 2025

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