
Abenteuer
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Alleine um sich für die Ausbildung bewerben zu können, muss man unter anderem 50 alpine Bergtouren, 20 Klettertouren, 20 Skitouren und drei alpine Langstreckentouren absolviert haben: Nicht jeder kann Bergführer des schwedischen Bergführerverbands werden! Aber Karin Isaksson Zgraggen ist nicht irgendjemand ...
Bergführer sind dafür verantwortlich, Menschen im Gebirge und auf Gipfel anzuleiten und sie beim Klettern, bei Skiwanderungen, Skitouren sowie Gletscher- und Trekkingtouren zu führen. Ausgestattet mit technischem Know-how, Ortskenntnissen und ausgezeichnetem Wissen über Wetterbedingungen aller Art, nehmen Bergführer ihre Gäste auf Abenteuer in die Berge mit.
Um auch unerfahrene Personen in oft gefährlichen Umgebungen anleiten zu können, ist ein drei- bis fünfjähriges anspruchsvolles Ausbildungsprogramm mit mehreren Prüfungen erforderlich, bevor man sich als Bergführer bezeichnen darf. Karin Isaksson Zgraggen ist eine derjenigen, die es geschafft haben, in das Programm aufgenommen zu werden.
In den Bergen zu sein, gibt mir so viel. Auch wenn ich nach einem langen Tag in den Bergen erschöpft bin, schenkt es mir extrem viel Energie und Freude.
Karin Isaksson Zgraggen
Tiere und Berge
Die Berge waren schon immer ein wichtiger Teil in Karins Leben. Aufgewachsen ist sie auf einem Bauernhof mitten in den Schweizer Hochalpen, im Dorf Erstfeld im Kanton Uri – 25 Minuten vom bekannten Skiort Andermatt entfernt.
Jeden Tag erblickte sie von ihrem Balkon aus den prächtigen, dreieckigen Gipfel des Bristen (3000 m.ü.M.). Ihre Mutter Marlis liebte das Skifahren, was Karin und ihre Geschwister schon früh inspirierte. Ihr Vater Wisi lernte das Skifahren ebenfalls, eifrig angespornt von seiner Frau.
Ein Bauernhof beansprucht jedoch viel Zeit, und die Arbeit auf dem Hof bestimmte das ganze Jahr über den Tagesablauf. Das hielt die Familie aber nicht davon ab, gemeinsam Zeit miteinander zu verbringen. So nahmen Marlis und Wisi ihre Kinder oft auf Wanderungen in die Berge mit. Nach der morgendlichen Arbeit auf dem Bauernhof packten sie ihre Jause und verbrachten die Mittagszeit in der heimatlichen Natur. Jeden Nachmittag um 16 Uhr kehrten sie auf den Bauernhof zurück, um sich der Arbeit auf dem Hof zu widmen und die Kühe und Hühner zu versorgen.
Aus der Schweiz nach Schweden
Nach ihrem Schulabschluss studierte Karin Kommunikation, Medien, Wirtschaft und Psychologie in Luzern und Fribourg. Danach bekam sie einen Job bei Adidas, wo sie für das Sponsoring in der Schweiz verantwortlich war. Bei einem Eiskletter-Event, das sie für die Arbeit besuchte, lernte sie einen Schweden kennen. Es funkte zwischen den beiden und schließlich heiratete sie Olov Isaksson.
Die beiden spielten mit dem Gedanken, ihre gemeinsame Zukunft in Kanada zu beginnen. Doch Karin verspürte ein wachsendes Interesse an Schweden, seiner Sprache und Kultur. Als Olov einen Job in Stockholm bekam, hatte Karin die Idee, nach Schweden zu ziehen – und das taten sie dann auch. Seit mittlerweile fünf Jahren nennen die beiden die schwedische Hauptstadt ihr Zuhause.
Vom Skifahren bis zum Bergsteigen
Während ihrer Kindheit und Jugend in Andermatt entwickelte sich Karin zu einer Skifahrerin, aber erst vor neun Jahren begann sie gemeinsam mit einem Freund mit dem Klettern und Skitourengehen. Seit sie Olov kennt, ist die Anzahl der Wanderungen und Skitrips weiter gestiegen, da die beiden viele Interessen teilen. „In den Bergen zu sein, gibt mir so viel. Auch wenn ich nach einem langen Tag in den Bergen erschöpft bin, schenkt es mir extrem viel Energie und Freude. Ich mag die Herausforderung und die Aufregung, immer größere oder schwierigere Berge zu besteigen, aber genauso genieße ich auch eine entspannte und einfache Kletterpartie.“
Manchmal sei es schwierig, am frühen Morgen aufzubrechen, aber das Gefühl, nach einer Stunde Klettern den Sonnenaufgang zu sehen, sei unbeschreiblich: „Egal, ob ich den Gipfel erreiche oder nicht, ich bin glücklich. Dafür lohnt es sich, früh aufzustehen. Aber einen Gipfel zu erreichen oder eine herausfordernde Tour zu meistern, ist auch etwas Besonderes. Es fühlt sich gut an, Fortschritte zu machen und plötzlich in der Lage zu sein, Dinge zu tun, von denen ich dachte, ich könnte sie nicht“, sagt Karin.
Nervös beim Aufnahmetest
Karin hatte nicht im Traum daran gedacht, Bergführerin zu werden. Sie kam mehr oder weniger zufällig auf diesen Weg. Olov, der sich bereits in der Ausbildung zum Bergführer befand, dachte, es würde Spaß machen, wenn sie in Zukunft gemeinsam führen könnten.
„Nein, mir fehlt es doch an der Erfahrung, die man dafür benötigt“, sagte Karin ihm immer wieder. „Immerhin klettere ich doch erst seit neun Jahren!“ Aber Olov bestand darauf, dass Karin zumindest einen Blick auf die Anforderungen werfen sollte, die sie erfüllen musste, um mit der Ausbildung beginnen zu können.
Weil sie neugierig geworden war, füllte sie schließlich die Liste der Anforderungen aus, um zu sehen, ob eine Bewerbung überhaupt möglich wäre. Vor dem ersten Kurstag müssen Teilnehmer eine Reihe bereits absolvierter Bergtouren bescheinigen – unter anderem 50 alpine Bergtouren, 20 Klettertouren, 20 Skitouren und drei alpine Langstreckentouren.
Nachdem sie die Liste ausgefüllt hatte, realisierte Karin, dass ihr nicht allzu viel fehlte. Aber diese Anforderungen alleine reichen nicht aus, um anzufangen – man muss auch einen dreitägigen Aufnahmetest bestehen. Dieser fand in Chamonix statt und bestand aus Eisklettern, Ausdauertests, Kletterrouten mit dem Schwierigkeitsgrad 6c und Skifahren in anspruchsvollem Schnee.
„Ich war wirklich nervös! Aber ich beschloss, es einfach so hinzunehmen, wie es eben kommt. Denn ich wusste, dass ich viel Zeit und Geld aufwenden müsste, um die Ausbildung zu überstehen. Es ist eine lange Phase voller Stress, Herausforderungen und Nervosität. Ich habe mich gefragt, ob ich mich dem wirklich aussetzen sollte,“ sagt Karin.
Bestanden!
Karin beschloss, einen Schritt nach dem anderen zu machen und sich nicht zu sehr den Kopf zu zerbrechen. Wenn sie sich während des Aufnahmetests nicht wohl fühlte, konnte sie ihn einfach abbrechen. Sie kannte keinen der anderen zehn Teilnehmer, die den Test mit ihr durchführen würden.
Als die drei Tage vorbei waren, traf sich die Gruppe in einer Bar in Chamonix und wartete auf die Ergebnisse. Wer von ihnen würde an der Ausbildung teilnehmen dürfen? „Ich war unglaublich froh, die Ergebnisse nicht als Letzte erhalten zu haben. Und natürlich war ich überglücklich, als ich erfuhr, dass ich den Test bestanden hatte. Ehrlich gesagt fühlte es sich ein wenig unwirklich an und ich konnte nicht ganz glauben, dass das tatsächlich passierte.“
Es sei ein gemischtes Gefühl gewesen: „Ich war gleichzeitig glücklich darüber und nervös davor, die Ausbildung zu beginnen. Aber schon am ersten Testtag merkte ich, dass meine Klassenkameraden großartige Menschen waren, wodurch ich mich sicherer fühlte. Ich freute mich darauf, all die Trainingstage in den Bergen mit so netten Menschen erleben zu können. Ich war sofort total begeistert, mehr als ich erwartet hatte“, so Karin.
Was ist ein Bergführer?
Der Beruf des Bergführers entstand, als vor etwa 200 Jahren immer mehr Menschen begannen, die Berge zu erkunden. Anfänglich wurden Einheimische als Führer für die Expeditionen eingesetzt. Doch im Zuge des wachsenden Interesses und der wachsenden Zahl von Bergtouristen stieg auch der Bedarf an professionellen Bergführern.
Bereits 1821 wurde die erste Bergführerorganisation gegründet, La Compagnie des guides de Chamonix. Das Interesse an den Gipfeln in der Umgebung der Täler verstärkte sich im späten 18. Jahrhundert. Die Besteigung des Mont Blanc im Jahr 1786 war ein deutliches Zeichen dafür, dass die früher als unbezwingbar geltenden Gebirge den Menschen nicht länger vorenthalten waren.
Es sollte jedoch noch weitere sechzig Jahre dauern, bis die Eroberungen der Gipfel tatsächlich begannen. Ab der Mitte der 1850er wurden über einen Zeitraum von zehn Jahren viele der berühmtesten Gipfel der Alpen zum ersten Mal bestiegen. Es war ein ständiges Bestreben, der Erste zu sein. Der Konkurrenzkampf wurde oft zwischen Briten und den Alpenländern ausgetragen.
Die Swedish Mountain Guide Association
Während der späten 1980er-Jahre wuchs das Interesse an einer schwedischen Bergführerausbildung und schwedischen Bergführern. Nach einem langen Prozess wurde schließlich am 8. November 1990 der Schwedische Bergführerverband (SBO) gegründet.
Sieben Jahre später wurde der SBO in die internationale Organisation Union International d'Associations de Guide de Montagne (UIAGM) aufgenommen. Die ersten, die ausgebildet wurden, waren Johan Arnegård, Dick Johansson, Stefan Palm, Anders Bergwall und Anders Swensson. Heute gibt es 56 zugelassene SBO-Führer.
Der Hauptzweck des SBO ist die Ausbildung und Prüfung professioneller Bergführer auf der Grundlage eines schwedischen und nordischen Profils. Der Verband ist erfolgreich, da die vom SBO ausgebildeten Bergführer international großes Ansehen genießen.
„Viele von uns schwedischen Bergführern, die in den ersten Jahren geprüft wurden, begannen in den Alpenländern zu arbeiten. Aufgrund unserer Kompetenzen haben wir einen guten Ruf“, sagt Dick Johansson. „Per Ås hat wesentlich dazu beigetragen, dass schwedische Bergführer auch international hohes Ansehen genießen. Er war einige Jahre lang Ausbildungsleiter des SBO und pflegte gute Kontakte innerhalb der internationalen Bergführerorganisation.“
Das schwedische und nordische Profil zeichne sich durch einen menschlichen und pädagogischen Umgang mit den Gästen aus, der in anderen Ländern vielleicht nicht so ausgeprägt sie: „Wir verfügen über ausgezeichnetes Wissen über unser nordisches Terrain und greifen gerne darauf zurück, wenn wir im Ausland arbeiten,“ sagt Dick.
Die Reise hat begonnen
Karin hat mittlerweile die erforderliche Ausbildung als Kandidatin begonnen. Die Ausbildung umfasst insgesamt zehn Kursabschnitte und 119 Trainingstage, die entweder in der Gruppe oder individuell absolviert werden. Zwei Prüfungen sind erforderlich, um vom Kandidaten zum Aspiranten zu werden – eine im Klettern und eine im Skifahren.
Als Aspirantin kann sie ihre Praktikumstage beginnen, die sowohl über den Sommer als auch über den Winter verteilt werden sollten. Danach stehen drei Abschlussprüfungen an: alpines Klettern und Gletscher-Technik, alpines Winterklettern und alpiner Skilauf. Darüber hinaus muss sie eine Reihe privater alpiner Exkursionen absolvieren.
Die Kurse führten Karin bisher nach Davos, La Grave, Abisko, Uri, Kebnekaise und auf die Lofoten. Sie hat dabei viel über Schnee, Klettern, Alpinklettern, Winterklettern, Navigation, Lawinen und nordischen Skilauf gelernt. „Ich kann es kaum erwarten, alles zu lernen. Ich werde vielleicht nicht als Vollzeit-Bergführerin arbeiten, aber ich würde das Bergführen gerne mit einem anderen Beruf kombinieren. Natürlich ist es einfach, heute hier zu sitzen und sich die Zukunft auszumalen. Aber man weiß nie. Was ich jedoch weiß, ist, dass ich nicht riskieren will, meine Leidenschaft für das Klettern zu verlieren, wenn ich ihr im Beruf nachgehe“, sagt sie.
Zukunft oberhalb der Baumgrenze
Im Rahmen der Ausbildung weniger erfahrene Personen zu betreuen, war eine äußerst positive Erfahrung. Sie hat ihr bestätigt, dass ihr die Arbeit wirklich gefällt. Sie möchte anderen beibringen, die Berge, die sie so liebt, sicher und verantwortungsvoll zu genießen. Und sie möchte die Freude und das Glück, das mit dem Gipfelaufstieg verbunden ist, mit anderen teilen.
Karin ist sich bewusst, dass sie einen Beruf erlernt, der mit großen Gefahren und viel Verantwortung verbunden ist. Aber sie ist nicht der Typ, der sich einer Herausforderung entzieht: „Olov und ich würden gerne mehr Zeit in den Bergen verbringen. Wenn ich Aspirantin werde, möchte ich meinen Job und meine Ausbildung unter einen Hut bekommen. Und ich möchte in der Nähe des Hochgebirges leben, um direkt von meinem Zuhause aus klettern gehen zu können.“
Die beiden überlegen, zurück nach Uri zu ziehen, wo Karin aufgewachsen ist. Wo die Kuhglocken wie Musik in den Tälern erklingen und der mächtige, oft schneebedeckte Granit nur darauf wartet, entdeckt zu werden. Das Freiheitsgefühl, das mit dem Bergsteigen verbunden ist, bleibt ein starkes Bedürfnis, wenn man erst auf den Geschmack gekommen ist. Aber was auch in Karins Zukunft passiert: Sie hat großes Glück, die Berge jetzt als Klassenzimmer zu haben – und gleichgesinnte Klassenkameraden am anderen Ende des Seils.
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