
Nachhaltigkeit
Lesedauer 4 Minuten
Fjällräven setzt bei der Produktentwicklung auf einen langfristigen Ansatz, bei dem sowohl die physische als auch die emotionale Langlebigkeit des Artikels eine Schlüsselrolle spielt. Sustainability Manager Johanna Mollberg erklärt, wie wir Ausrüstung nicht nur für deinen nächsten Kurztrip entwickeln, sondern für dein ganzes Leben.
Je länger und öfter du ein Kleidungsstück trägst, desto geringer ist dessen CO2-Fußabdruck. Wusstest du das? Laut einer schwedischen Studie aus dem Jahr 2019 kann er sich sogar um bis zu 50 % verringern, wenn das Kleidungsstück während seines Lebenszyklus doppelt so oft zum Einsatz kommt.
Wer Produkte lange und oft nutzt, konsumiert automatisch verantwortungsbewusster. Durchdachtes statt häufiges Shopping ist der einfachste und umweltfreundlichste Weg in die Zukunft. Damit das allerdings funktioniert, dürfen Produkte selbst nach mehrmaliger Nutzung keine bis wenige Abnutzungserscheinungen aufweisen. Gleichzeitig müssen sie aber auch reparierbar sein und in unserem Leben lange eine Rolle spielen können.
Wir denken nicht immer direkt an Langlebigkeit, wenn wir über Nachhaltigkeit sprechen. Das sollten wir aber.
Johanna Mollberg
Sustainability Manager für Materialien bei Fjällräven
Laut Johanna Mollberg, Sustainability Manager für Materialien, ist genau das der Grund, warum wir bei Fjällräven unseren Fokus auf Langlebigkeit legen: „Wir denken nicht immer direkt an Langlebigkeit, wenn wir über Nachhaltigkeit sprechen. Das sollten wir aber. Den größten Beitrag zum Umweltschutz leisten wir, wenn wir unsere Ausrüstung so entwickeln, dass sie lange Zeit genutzt werden kann.”
Deshalb spielt Langlebigkeit in unserem künftigen zirkulären Designmodell eine entscheidende Rolle. „Unser Ziel sind Zero-Waste-Produkte“, erklärt Johanna. „Und dieses Ziel können wir mit langlebigen und recycelbaren Designs erreichen. Langlebigkeit steht allerdings ganz oben, denn eine häufige Nutzung von Produkten belastet die Umwelt noch weniger als deren Recycling.“
Wie wird ein Produkt aber eigentlich „langlebig“?
Strapazierfähige Materialien und eine robuste Konstruktion
Laut Johanna ist das für uns bekanntes Terrain, denn „Fjällräven hat den Fokus schon immer auf Langlebigkeit gelegt, weshalb wir auch gern zu schweren, dicken und robusten Materialien greifen, wenn wir sie brauchen.“
Das bedeutet aber nicht, dass Ausrüstung nur langlebig sein kann, wenn sie schwer ist. Wahre Langlebigkeit liegt darin, genau die Materialien, Nähte und Komponenten zu wählen, die sich für ihren Zweck erwiesen lange nutzen lassen. Dafür müssen laut Johanna die „Teams der Produktentwicklung herausfinden, wo Abnutzungen auftreten können. Sie müssen jegliche Schwachstellen zwischen Nähten und Materialien eliminieren sowie dort Verstärkungen einsetzen, wo sie sinnvoll sind.“
Bei all diesen Entscheidungen denken wir stets an die Nutzung in der Praxis, denn wie Johanna erklärt, ist „der Kontext immer ein wenig knifflig.
Fjällräven setzt neue Materialien erst nach ausgiebigen Labortests mit eindeutigen Ergebnissen in der Produktion ein. Wir testen sie hinsichtlich Fusselbildung, Abrieb, Reißfestigkeit, Farbbeständigkeit, Einlaufen und mehr. Bei all diesen Tests müssen wir aber immer die geplante Nutzung im Hinterkopf behalten. Wir wissen zum Beispiel, dass sich bei einem T-Shirt aus Baumwolle schneller Fussel bilden als bei einem Midlayer aus Polyester. Da dieses T-Shirt aber nicht unbedingt bei Skitouren oder ähnlichen Aktivitäten getragen wird, ist das für uns okay.
Außerdem kann es gut sein, dass Profis, zum Beispiel ein schwedischer Bergführer, sogar unsere strapazierfähigste Trekkingausrüstung innerhalb einer Saison abnutzen. Diese verschiedenen Zusammenhänge machen Langlebigkeit zu einer komplexen Angelegenheit. Es geht darum, wo, wofür und wie oft diese Ausrüstung zum Einsatz kommt. Deshalb haben wir ein eigenes, diverses Team für Praxistests. Sie nehmen unsere Prototypen ganz genau unter die Lupe und stellen so sicher, dass unsere Ausrüstung den Bedingungen der Praxis standhält.“
Zeitloses Design
Emotionale Langlebigkeit bedeutet, dass ein Produkt noch genauso gut aussieht und sich noch genauso gut anfühlt wie vor Jahrzehnten. Durch ein geradliniges, funktionelles und schnörkelloses Design, klare Linien und zeitlose Farben macht unsere Ausrüstung auch im hohen Alter noch etwas her.
Besonders viel lernen wir dabei von Produkten, die schon seit Ewigkeiten beliebt sind: Mit Designs, die früher funktionierten und das auch in Zukunft noch tun werden. Das beste Beispiel ist der Kånken. „Manche haben einen Kånken aus den 70er-Jahren, den sie von ihren Eltern oder Großeltern geerbt haben“, erklärt Johanna. „Mehr Langlebigkeit geht nicht!“
Reparierbare Funktionalität
Ausrüstung sollte reparierbar sein und aus Komponenten bestehen, die sich leicht austauschen lassen. Johanna erklärt, dass die Schadensabteilung von Fjällräven dabei eine wichtige Rolle spielt:
„Die Reklamationsteams zeigen uns die Realität auf. Schließlich liefert uns das Feedback unserer Kundinnen und Kunden den besten Einblick, wie langlebig unsere Produkte in der Praxis wirklich sind. Sie zeigen uns, wo Abnutzungen entstehen und welche Probleme am häufigsten auftreten. Die Verbesserung von Langlebigkeit ist ein ständiger Prozess.“
Johanna hat allerdings die Erfahrung gemacht, dass reparierbare Funktionalität nur durch eine gewisse Balance wirklich zu Langlebigkeit führt. „Manchmal lassen sich Produkte, die mit ihren robusten Materialien, Nähten und Verstärkungen sehr langlebig sind, nur schwer reparieren. Unsere Teams in den Bereichen Design, Produktentwicklung und Schnittdesign vertrauen daher auf ihre Erfahrung und ihr Wissen, wenn es darum geht, was sich für welchen Kontext am besten eignet.“
Deshalb ist es auch wichtig, sich immer über die richtige Pflege und Reparatur zu informieren. „Es ist relativ einfach, die Langlebigkeit von Produkten aufrechtzuerhalten“, erklärt Johanna. „Es ist aber auch Arbeit und erfordert ein gewisses Know-how. Viele machen zum Beispiel den Fehler, dass sie die PFC-freie Wasserabweisung ihrer Eco-Shell Jacke nicht aufrechterhalten. Andere waschen ihre Ausrüstung, anstatt sie auszulüften, oder lagern sie falsch.“
„Außerdem ist es wichtig, Produkte in den Bedingungen richtig zu nutzen, für die sie gemacht wurden“, betont Johanna. Schließlich geht es bei Langlebigkeit nicht nur darum, dass ein Produkt lange hält. Es geht vor allem darum, es über Jahrzehnte oder noch länger gerne und mit Leidenschaft zu nutzen.
Veröffentlicht im Februar 2024
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