
Fjällräven Polar
Lesedauer 5 Minuten
Der Wildtierfotograf George McKenzie Jr. reiste 300 km durch die arktische Wildnis – angetrieben von Schlittenhunden und seiner eigenen positiven Einstellung.
Wildlife-Fotograf George McKenzie Jr. erinnert sich noch gut an seine Landung am Polarkreis, von wo aus er zu einer 300 km langen Hundeschlittenfahrt beim Fjällräven Polar aufbrechen würde. „Dieses Adrenalin! Ah, ich bekomme Gänsehaut, wenn ich nur daran denke. Es war einfach großartig.“
George ist in Bedford-Stuyvesant, einem Stadtteil im Norden Brooklyns, aufgewachsen. In New York hatte ihn nichts auf diese weiße, karge Landschaft im schwedischen Lappland vorbereitet. Er wunderte sich, dass das kleine Flugzeug bei diesen „Unmengen von Schnee“ und dem starken Schneetreiben überhaupt landen konnte. Beim Aussteigen versank der 1,90-Meter-Mann hüfttief im Schnee. Es war einfach SO. VIEL. SCHNEE.
Sein Instinkt sagte ihm, dass er wie immer dankbar für die neuen Erfahrungen sein und seine Mitreisenden mit guter Laune und ein paar Späßen aufmuntern sollte. George ist im Laufe seines Lebens nämlich immer wieder an Orten gelandet, von denen er nie erwartet hätte, sie jemals zu sehen. Aber die Qualitäten, die ihn auch schon in Brooklyn oft aus der Bredouille geholt haben – sein positives Wesen, seine Offenheit und die harmlosen Scherze – helfen ihm immer wieder, sich an neuen Orten zurechtzufinden. Auch an diesem.
Eigentlich begann sogar seine Karriere als Wildlife-Fotograf mit diesen Charaktereigenschaften. Er lebte damals noch in Brooklyn, machte Modeshootings und Porträts von Prominenten. Außerdem arbeitete er Teilzeit in einem Fotogeschäft. Eines Tages kam ein Kunde in den Laden und fing an, mit ihm über den Preis einer billigen Kameratasche zu feilschen – während an seinem Hals eine 30.000 Dollar teure Leica baumelte. Statt sich über den Kunden zu ärgern, machte er sich einen Spaß daraus, ihn wegen seiner teuren Kamera aufzuziehen – und hinterließ dabei einen so positiven und charmanten Eindruck, dass der Kunde ihm anbot, sein Assistent zu werden. Es war der berühmte National-Geographic-Fotograf Charlie Hamilton.
Daraufhin erhielt George ein Stipendium von National Geographic. Er machte sich einen Namen als der Fotograf, der Wildtiere entdeckte, wo die meisten nur Plagegeister sahen – er fotografierte die Ratten und Tauben von New York City. In der Beobachtung von Tieren fand er seine Berufung. „Menschen sind immer Menschen: Sie sind schüchtern. Sie sind launisch. Aber wenn du Tiere lange genug studierst und ihr Verhalten oder ihre Muster begreifst, wenn du von ihnen lernst und sie verstehst, dann verändert das dein Leben. Es verändert deine Seele.“ Von Tauben lernte er viel über Teamarbeit. „Tauben bilden eine Familieneinheit. Wenn man sie in einem Schwarm sieht, sind sie aus einem bestimmten Grund zusammen. Jeder beschützt jeden.“
„Wenn du Tiere lange genug studierst und ihr Verhalten oder ihre Muster begreifst, wenn du von ihnen lernst und sie verstehst, dann verändert das dein Leben. Es verändert deine Seele.“
Als er den täglichen Anstrengungen des Fjällräven Polar ausgesetzt war, erkannte George schnell, dass die teamorientierte Mentalität der Tauben auch am Polarkreis für den Erfolg des Unternehmens, ja sogar für das blanke Überleben entscheidend war. „Ein fauler Apfel verdirbt den ganzen Haufen“, und deswegen lernte George schnell seine Superkraft – die unerschütterliche positive Denkweise – durch kompromisslose Selbstfürsorge zu schützen.
Wenn man acht bis zehn Stunden am Tag in der Kälte auf einem Hundeschlitten verbringen will, muss man morgens nach dem Aufstehen gut essen – ob man hungrig ist oder nicht. Bei diesen extremen Bedingungen kann ein Team es sich nicht leisten, dass eine Person schlecht drauf ist, weil sie keine Energie mehr hat. „Man muss immer sein Bestes geben. Man ist da draußen nicht allein, und das Leben eines jedes Einzelnen hängt von den anderen ab.“
Wie alle anderen Fjällräven Polar Teilnehmer*innen lernte er auch, dass das Team nur erfolgreich sein kann, wenn es den Hunden gut geht. In der Wildnis bedeutet Hundepflege Selbstfürsorge: „Bevor wir essen, bevor wir irgendetwas tun, müssen sich alle von uns um ihre sechs Hunde kümmern.“ In den Hunden hat George seine perfekten Sparringspartner gefunden. Seine Beobachtungen könnten auch viel über ihn selbst erzählen. „Diese Hunde haben die beste Arbeitsmoral und die beste Einstellung, die ich je bei einem Lebewesen gesehen habe.“
Georges Aufgabe im Fjällräven Polar Team war es, im Schnee Gräben für die Schlafplätze auszuheben. Sein Zeltkamerad und er bauten ihre Lager immer am schnellsten auf. George nutzte die zusätzliche Zeit, um die Gräben tiefer auszuheben und eine Grube für Gespräche zu schaffen, in der die Teammitglieder heiße Schokolade trinken, Geschichten austauschen und sich gegenseitig Tipps geben konnten.
„Ich habe immer versucht, so weit wie möglich bis zum Boden zu graben. Das macht es erst richtig gemütlich. Es schafft eine sehr soziale Atmosphäre. Das habe ich jedenfalls herausgefunden. Je tiefer man gräbt, desto mehr Spielraum hat man.“ Genau wie die Schlittenhunde verbindet auch George Freude und Spaß mit harter Arbeit und genießt das Gefühl, voranzukommen und Platz für neue Möglichkeiten zu schaffen.
Von den Hunden, der unendlich weißen Eislandschaft und der Zeit am Polarkreis, die er als sein größtes Abenteuer bezeichnet, nahm George ein neu gewonnenes Selbstvertrauen mit – und dieses benötigte er auch sofort. Er nahm nämlich sein Training wieder auf, in dem er sich auf zwei Jahre in einer für ihn ebenfalls sehr fremdartigen Umgebung vorbereitete, den Everglades in Florida. Dort sollte er, im Rahmen des Projekts „Path of the Panther“ [dt. Pfad des Panters], Wildtiere mit unauffällig versteckten Kamerafallen fotografieren.
„Der Fjällräven Polar fand kurz vor dem Ende meines Trainings statt, und ich kam mit der Überzeugung zurück, dass ich wirklich harte Aufgaben bewältigen kann. An manchen Tagen [bei Fjällräven Polar] schaute ich auf die Karte und dachte: ‚Das ist unmöglich zu schaffen.‘ Deshalb habe ich auch keine Angst mehr, in einen Wald mit Schwarzbären zu gehen. Die Expedition hat mich mental auf ein neues Level gebracht.“
„An manchen Tagen schaute ich auf die Karte und dachte: ‚Das ist unmöglich zu schaffen.‘“
Dort, in einem Sumpf in Florida, beobachtet George jetzt Tiere wie Alligatoren, die er nicht fürchtet, sondern als „genussfreudige Pazifisten“ charakterisiert: „Im Ernst, sie sind wie prähistorische Hunde!“
Aber heute, während unseres Gesprächs, können auch die Bären, Alligatoren und moosüberwucherten Eichen George nicht davon abhalten, in Gedanken zu jener unvergesslichen Zeit zurückzukehren, in der er sich selbst begegnete – zu den Hunden, den kargen Eisfeldern, und zu jenem Vorwärtsdrang, der dem Rhythmus seines eigenen Lebens so ähnlich ist: „Schnee, soweit das Auge reicht. Es riecht frisch. Das Geräusch des Schlittens auf dem Eis. Das Hecheln der Hunde. Der Klang ihrer Pfoten, die ununterbrochen in Bewegung sind. Sie rufen: ‚Heya, heya, fahr schneller!‘“
Von Jasmine Pahl.
Jasmine Pahl ist Schriftstellerin und liebt es, als Rucksacktouristin und Pilzesammlerin wilde Orte in British Columbia, Kanada und den Appalachen zu erkunden.
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